Zwischen Sauna und Dusche - da fängt PR an
 

Zwischen Sauna und Dusche - da fängt PR an

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Charlotte Ludwig setzt sich gerne einmal das Kapperl ihrer Kunden auf, spricht Griechisch und hat eine PR-Agentur aufgebaut. Begonnen hat alles aber mit einem Zufall

Charlotte Ludwig, Geschäftsleitung PR Plus, lebt für den Tourismus. Zuerst hat sie die Hotelfachschule besucht, dann war sie Reiseleiterin in Griechenland und Zypern, deshalb spricht sie auch Griechisch. Zehn Jahre lang hat sie im Verkehrsbüro gearbeitet, zuständig für Pressearbeit und Werbung. „In dieser Zeit hat sich das Geschäft enorm entwickelt, von 30 Filialen zu Beginn auf 100 zuletzt“, erzählt Ludwig. Dass sie damals bereits wie eine PR-Agentur gearbeitet hat, ganz ohne derartige Ausbildung, das war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Lediglich einen 20-stündigen Wifi-PR-Kurs hat sie besucht. Die heute 56-Jährige beschloss im Alter von 40 Jahren: Zehn Jahre Verkehrsbüro sind genug – Zeit für Neues. Ohne einen neuen Job kündigte sie, im Guten. „Dann bin ich nach Boston gefahren, habe dort einen zweiwöchigen Intensiv-Englischkurs besucht. Nicht, dass ich kein Englisch konnte, ich wusste aber, dass ich es verbessern musste, etwas aufmöbeln.“

‚Sie schickt der Himmel!‘

„Als ich zurückgekehrt bin, habe ich mich gefragt: Was mache ich jetzt?“, erzählt sie weiter. Sie wurde zwar zu einigen Vorstellungsgesprächen geladen, aber irgendwie wollte es nicht so recht klappen. „Dann habe ich mir gedacht, bevor ich gar nichts mache, schaue ich mich einfach ein bisschen in meiner Umgebung um. Habe dann einen ­befreundeten Grafiker, Wolfram Gsell, besucht und ihm gesagt, dass ich ­überlege, mich als Selbstständige zu versuchen, als Agentur.“ Er blickte sie an, und es fuhr aus ihm lauthals heraus: „Sie schickt der Himmel!“ Gsell begann zu erzählen: Er habe einen Kunden, die Stuhleck-Bergbahnen, mit dem er zusammenarbeite und dem er eine PR-Agentur vorgeschlagen habe. Genau eine Woche zuvor sei diese abgesprungen und er wisse gar nicht, wie er das dem Kunden nun beibringen solle. „Er brauchte wirklich ganz dringend ­jemanden. Und ich hab mir gedacht: Bergbahnen. Um Gottes Willen, was kann man da bloß machen? Ich hatte keinen Plan. Dann bin nach Hause ­gefahren, wo ich übrigens keinen Computer, keine Schreibmaschine, nichts hatte, und habe ein 50-seitiges hand­geschriebenes Manual verfasst. Als der Kunde die Vorschläge dann zu Gesicht bekam, sagte er: ‚Also alles können wir nicht machen.‘“ Da wusste Ludwig, dass sie ihren ersten Kunden hatte – und er sollte auch ihr treuester werden. Bis heute betreut sie die Stuhleck-Bergbahnen mit ihrer Agentur.

‚Das würde ich jederzeit wieder tun‘

Der Weg in die Selbstständigkeit nahm seinen Lauf. Begonnen hat alles als One-Woman-Show. „Zu Hause in ­Ollersbach. Da habe ich mir einen Computer gekauft und zwischen Sauna und Dusche einen Schreibtisch eingerichtet, so habe ich damals gearbeitet.“ Für sie war immer klar, dass sie in der Tourismusbranche arbeiteten möchte. „Mittlerweile sehe ich mich als PR-Agentur, aber viele Jahre habe ich mich als Tourismusagentur verstanden. Ich vergleiche mich auch nicht mit anderen PR-Agenturen, ich orientiere mich an meinen Kunden und an den Medien, das ist schon schwierig genug, weil die Medienlandschaft sich so enorm verändert.“

Durch ihre Vergangenheit hatte sie sich in der Branche bereits einen Namen gemacht, alle kannten sie. Das Geschäft verselbstständigte sich, die Kunden kamen zu ihr, und kommen auch heute noch. „Im Grunde brauche ich keine neuen Kunden, das klingt kokett, aber bestehende Kunden zu servicieren und zu halten, damit sind wir ausgelastet. Mir geht es nicht ums Geld, natürlich brauche ich es, aber es ist für mich kein Motiv. Ich möchte, dass meine Mitarbeiter, Kunden und ich und die Journalisten, mit denen wir arbeiten, ein gutes Leben führen. Und noch mal: keine Koketterie. Ich habe vor längerer Zeit meinen damals größten Kunden weggeschickt, weil es einfach nicht stimmig war. Das würde ich jederzeit wieder tun.“

Die passende Kappe

Derzeit betreut PR Plus an die 20 Kunden, das teilweise schon zehn oder 15 Jahre lang. „Ich verwebe mich mit ­jedem Kunden ganz stark, spreche oft in der Wir-Form und identifiziere mich mit ihnen. Wenn Sie so wollen, dann setze ich mir das Kapperl von dem Kunden auf und bin sein Mitarbeiter, und genau so verstehe ich die Arbeit ­einer Agentur.“

Auf die Veränderungen in der Branche angesprochen, zeigt sich Ludwig melancholisch, lacht aber, als sie erzählt, dass sie 1989 einen Text darüber geschrieben hat, wie das optimale Pressefoto aussehen muss, nämlich Format 9 x 13 – und natürlich war es mit der Post zu schicken. „Was sich am stärksten verändert, sind die Medien und dadurch dann die PR. Man muss noch persönlicher mit den Medien arbeiten, das war immer schon ge­fordert, jetzt aber noch mehr. Denn vor allem die Medien stecken in der Krise.“ Für Ludwig das A und O: „Ehrliche PR!“

So eine richtige Krise habe man nicht gespürt. „Jemand, der mit mir ­arbeiten will, der kommt zu mir. Ich ­akquiriere nicht. Wir haben einen ­guten Namen in der Branche, wir sind keine Dumpingagentur und keine Hoch­preisagentur, verlangen zwischen 1.500 und 4.000 Euro im Monat, das ist durchaus leistbar. Was wir wirklich können: Wir wissen, wie man Inhalte in die Medien bringt, weil wir Kontakte und Know-how haben.“PR Plus, mit Sitz im 14. Bezirk, ist Frauenpower pur. Der Grund? Ludwig schmunzelt: „Weil wir nur eine Toilette haben.“
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