Wie sinnvoll ist Spendenwerbung?
 

Wie sinnvoll ist Spendenwerbung?

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Die Ärzte ohne Grenzen Österreich luden am 12. November zum Hintergrundgespräch rund um das Thema Fundraising

Die Ärzte ohne Grenzen, internationale Organisation für medizinische Nothilfe, haben derzeit alle Hände voll zu tun – die Folgen des Taifun Haiyan auf den Philippinen erfordern rasche Hilfe. 15 Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation sind bereits vor Ort, 50 weitere sind derzeit unterwegs in die betroffenen Gebiete, parallel dazu behandeln Ärzte ohne Grenzen in anderen Krisenregionen wie etwa in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan jene, denen es oft am Nötigsten fehlt.

Hauptaugenmerk des Pressegesprächs der Ärzte ohne Grenzen am 12. November in Wien war allerdings ein Einblick in die Fundraising-Methoden der Organisation, die zu hundert Prozent aus privaten Spenden finanziert wird. Gerade um die Weihnachtszeit häufen sich die Massenmailings, medialen und telefonischen Spendenaufrufe der Hilfsorganisationen – nicht selten drängt sich die Frage auf, wie wirtschaftlich denn tatsächlich mit den Spendengeldern umgegangen wird und ob nicht vielleicht sogar ein zu hoher Anteil ins Fundraising investiert wird. Ist Spendenwerbung überhaupt sinnvoll?

21 Millionen Euro für Ärzte ohne Grenzen

„Professionelles Fundraising kostet Geld, aber es zahlt sich aus und ist die Grundvoraussetzung, unsere Einsätze zu finanzieren“, erklärt Andreas Plöckinger, Fundraising-Leiter der Ärzte ohne Grenzen Österreich. 21 Millionen Euro waren die Österreicher im vergangenen Jahr bereit zu spenden, 18 Millionen davon flossen direkt in die Einsätze. „Eine aktuelle Studie des Public Opinion Instituts für Sozialforschung hat ergeben, dass Spender uns zugestehen, 20-22 Prozent unserer Einnahmen für Werbung und Verwaltung auszugeben. Wir liegen hier erfreulicherweise unter dem Wert. Außerdem: für jeden Euro, den wir in Fundraising investieren, lukrieren wir 6,20 Euro an Spenden“, ergänzt Plöckinger.

Erbschaft ist kein Tabuthema

Katrin Kopfensteiner, Spenderbetreuerin im Bereich der Erbschaften und Vermächtnisse skizzierte nachfolgend, wie wichtig ebendiese für die Finanzierung der Organisation heute sind: „Zwischen sechs und zehn Prozent der Spenden kommen jährlich aus Erbschaften und Vermächtnissen – das Interesse seitens der Spender, uns nach ihrem Ableben mit einem Vermächtnis zu bedenken, steigt.“ Zumeist sei es Bargeld, aber auch Immobilien oder Wertgegenstände wandern immer wieder in den Besitz der Ärzte ohne Grenzen über. „Die Spender sprechen mit uns sehr offen über ihr Testament – daher ist das Ganze auch für uns kein Tabuthema, sondern eines, mit dem wir sehr offen umgehen.“

Österreicher werden spendefreudiger

Ganz generell gesehen, sei die Spendenbereitschaft, so Irene Jancsy, Kommunikationsleiterin der Ärzte ohne Grenzen Österreich, im Steigen begriffen. „Die Österreicher geben Jahr für Jahr ein bisschen mehr – eine erfreuliche Entwicklung.“
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