'Werbebranche ist kein Schlachtfeld'
 

'Werbebranche ist kein Schlachtfeld'

S. Gergely
Dieter Weidhofer, Partner, und Mario Debout, CEO der Agentur Robin des Bois, Französisch für ­"Robin Hood".
Dieter Weidhofer, Partner, und Mario Debout, CEO der Agentur Robin des Bois, Französisch für ­"Robin Hood".

Mario Debout und Dieter Weidhofer haben mit Robin des Bois binnen zweieinhalb Jahren eine Agentur aufgebaut, in der vor allem zwei Dinge stecken: Herzblut und eine klare Philosophie

HORIZONT: Herr Debout, Sie haben im März 2013 Robin des Bois (RDB) gegründet. Was hat sich seither getan?

Mario Debout: Irrsinnig viel. Begonnen haben wir mit einigen Bestandskunden, die ich noch aus meiner Zeit als Creative Director bei der Home Digital mitgenommen habe – ich wollte mir damals eigentlich ein ­wenig mehr Zeit lassen, das Ganze hat sich dann aber doch rascher ­entwickelt, da einige Kunden bereits gefragt haben, wann es denn endlich so weit sei. Heute ist Robin des Bois eine Full-Service-Agentur, die von Content Marketing über Social Media bis hin zum Performance Marketing alles bietet – für uns bedeutet das, dass wir auch heute noch jeden Tag dazulernen müssen.

HORIZONT: Und obwohl RDB eine junge Agentur ist, zählen Sie seit ­einiger Zeit etwa Western Union zu ­Ihrem Kundenstamm …


Debout: Der Etat-Gewinn von ­Western Union war nur einige ­Monate nach der Gründung sicherlich einer unserer größten Meilensteine. Sie wissen, wie das ist, ­jemand kennt jemanden, der jemanden kennt, und so wurden wir zur Wettbewerbspräsentation eingeladen, konkret ging es damals um die Betreuung der indischen Zielgruppe in Großbritannien. Für uns war das eine Riesenchance und so haben wir uns wirklich ins Zeug gelegt, einen Monat lang täglich recherchiert und ein 120 Seiten starkes Strategic Paper erstellt, das wir im Pitch vorgestellt haben. Dabei haben wir uns nicht nur gegen heimische, sondern auch gegen drei britische Mitbewerber durchgesetzt, was uns sehr stolz ­gemacht hat. Von da an ging es für RDB steil bergauf: 2013 haben wir 400.000 Euro Umsatz gemacht, 2014 war es etwa eine Million und heuer rechnen wir mit 1,2 Millionen.

HORIZONT: Für Western Union ist es allerdings nicht bei der Betreuung der indischen Zielgruppe in Großbritannien geblieben, oder?

Debout: Wir kümmern uns im ­Bereich Social Media um die ­Gesamtstrategie, Content-Strategie, Content-Kreation, technische ­Betreuung und das Community ­Management der indischen, philippinischen und polnischen Diaspora in Großbritannien. Zudem verantworten wir das Western-Union-­Kundenbindungsprogramm in sechs verschiedenen Ländern. Am spannendsten ist für uns aber derzeit ­sicherlich die philippinische Zielgruppe im Bereich Social Media.

HORIZONT: Was ist das Besondere an dieser Zielgruppe?

Debout: Insgesamt hat Western Union fünf Millionen Fans auf Facebook, die eigene Facebook-Page für die philippinische Diaspora selbst hat etwa 500.000 Likes. Wir produzieren für diese Seite täglich zwei Postings, die die verschiedensten Themen behandeln, die für Oversea Filipino Workers spannend sein könnten und es mit ermöglichen, ihrer Heimat verbunden zu bleiben. Da hier sehr viel Hintergrundwissen gefragt ist, sind wir derzeit ­dabei, eine eigene Niederlassung auf den Philippinen zu gründen. Eine tolle Herausforderung ist derzeit die ­Fortsetzungskampagne von „Mothers Pride“, einer Hommage an philippinische Mütter aus dem vergangenen Jahr. Die Kampagne war damals ein großer Erfolg, nicht nur auf emotionaler, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene und was das Image von Western Union bei der philippinischen Dia­spora betrifft. Diese reagiert nämlich Studien zufolge so positiv auf CSR-Maßnahmen wie keine andere Ethnie.

HORIZONT: Wie gestaltet sich diese Fortsetzungskampagne?

Debout: Die Kampagne läuft unter dem Titel „School for better“ – Western Union plant, dort eine Schule wieder aufzubauen, die 2013 vom Taifun Haiyan getroffen wurde. Jede Trans­aktion und jedes soziale Engagement auf den Kanälen von Western Union trägt dazu bei – ein klassisches Crowdfunding-Projekt, das allerdings nicht nur über direkte Spenden von ­Kunden, sondern auch über die Einkünfte von Western Union erfolgt. Begleitet wird dies durch eine Kampagne mit zwölf Kapiteln, die die Geschichte der Schule von der Zerstörung bis hin zum Wiederaufbau zeigt. Wir selbst waren im April vor Ort, haben Interviews ­geführt und Content produziert. ­Zudem haben die Schüler für uns ­Illustrationen erstellt, die wir derzeit digitalisieren lassen. Basierend auf diesen Illustrationen haben User die Möglichkeit, die neue Schule anhand eines Online-Konfigurators zu designen – aus den top ten Entwürfen werden die Schüler dann die Möglichkeit haben, auszuwählen, welcher Entwurf ihnen am besten ­gefällt.

HORIZONT: Und das bewältigt RDB von Wien aus in Zusammenarbeit mit einem Team auf den Philippinen?

Dieter Weidhofer: Genau. Das ­herausfordernde an diesem Projekt ist, dass man selbst eine große ­emotionale Verbindung aufbaut und sich noch verantwortlicher fühlt als sonst – immerhin haben wir ihnen ja ein Riesenversprechen abgegeben. Das macht für uns aber auch den Spaß an der Sache aus. Es handelt sich hier nicht um reine Produkt­werbung, sondern um eine wahre Herzensangelegenheit.

HORIZONT: An welchen weiteren Projekten arbeiten Sie derzeit?

Weidhofer: Für die MegaCard, das ­Jugendkonto der Bank Austria, haben wir eine neue Kampagne kreiert. ­Jugendliche, die dort ihr Konto er­öffnen, erhalten einen 40-Euro-Gutschein, den sie bei mehreren Partnern einlösen können – somit erhält man ­eigentlich mehr als nur einen Gutschein. Nun ist es vielleicht nicht besonders inspirierend, für ­Gutscheine zu werben, doch wir haben uns hier die Botschaft überlegt: Genauso, wie das Angebot mehr beinhaltet als nur einen Gutschein, hat auch jeder Jugendliche mehr als nur eine Facette. So zeigen wir im Rahmen dieser Kampagne junge Erwachsene mit den verschiedensten Lebensgeschichten – Sarah etwa, eine junge Muslima, die mehr ist als nur ihr Kopftuch. Die Geschichten der Jugendlichen wurden nicht nur sehr oft aufgerufen, sondern vermitteln eine klare Haltung und waren nicht zuletzt die erfolgreichste ­Verkaufskampagne für die MegaCard, die es jemals gab. An unserer Arbeit für Western Union und die Bank Austria merkt man: Es ist uns extrem wichtig, Emotionen zu transportieren, aber auch, wirtschaftliche Erfolge für die Kunden zu erzielen.

Debout: Unser Anspruch an uns selbst war immer, etwas Schönes zu schaffen, von dem wir überzeugt sind – und diese Philosophie drückt sich in allem aus, was wir machen.

Weidhofer: Natürlich müssen wir selbst auch davon leben können. Aber allein deswegen machen wir das alles nicht, sondern weil wir lieben, was wir tun und wir damit auf der Welt etwas weiterbringen und verändern wollen.

HORIZONT: Rührt daher auch der Name Robin des Bois, Französisch für „Robin Hood“?

Debout: Auch. Unser ursprünglicher Gedanke war, bei unseren Kunden immer 20 Prozent an Leistung obendrauf zu legen, die sie dann für soziale Projekte aufwenden können. Die Idee ist auch sehr gut angekommen, ­faktisch sind diese 20 Prozent dann immer unter den Tisch gefallen und die Unternehmen haben unser Angebot nicht in Anspruch genommen.

Weidhofer: Also haben wir uns selbst an Unternehmen gewandt und ihnen angeboten, Projekte mit sozialem ­Anspruch für sie umzusetzen – fünf solcher Projekte haben wir bisher ­bereits umgesetzt, für die Caritas etwa oder den Schottenhof, ein Zen­trum für tiergestützte Pädagogik.

HORIZONT: Aber auch für Ihre ­eigenen Mitarbeiter engagieren Sie sich – mit zehn Prozent Mitarbeiterbeteiligung etwa …


Debout: Richtig. Aber auch da mussten wir umdisponieren, als wir ­bemerkt haben, dass von unserem Gewinn, wenn man alle Steuern und Sozialversicherungsabgaben abzieht, für unsere Mitarbeiter nicht mehr allzu viel übrig bleibt. Unser Betriebsrat, der als 25-prozentiger Teilhaber der Agentur fungiert und bei größeren Entscheidungen auch ein Vetorecht hat, kann somit gemeinsam mit den Mitarbeitern bestimmen, wie sie die Mitarbeiterbeteiligung für sich beanspruchen wollen – in Form von Gutscheinen, Goodies oder gemeinsamen Unternehmungen etwa.

HORIZONT: Abschließend: was will RDB in Zukunft noch erreichen?

Weidhofer: Wir wollen, abgesehen von guter Arbeit, beweisen, dass die Werbebranche kein Schlachtfeld ist. Die Branche ist, so wie viele andere auch, im Umbruch, und viele junge Talente sind – oft bedingt durch zweitklassige Vortragende in ihrer Ausbildung – oft verängstigt und ­sorgenvoll. Dennoch ist es möglich, auch in schwierigeren Zeiten etwas aufzubauen – man muss es nur anders angehen als früher. Wenn man dann auch noch Herzblut, Mut, ein gutes Miteinander und Freude mit einbringt, kann es funktionieren.
Die Western-Union-Kampagne "Mother’s Pride" wird demnächst fortgesetzt.
RDB
Die Western-Union-Kampagne "Mother’s Pride" wird demnächst fortgesetzt.
Für die MegaCard der Bank Austria ließ RDB junge Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen.
RDB
Für die MegaCard der Bank Austria ließ RDB junge Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen.
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