Wenn Fußballer ihre "Person" verkaufen
 

Wenn Fußballer ihre "Person" verkaufen

Samsung/A. Tischler
ÖFB-Teamgoalie Robert Almer wusste in einem Spot für Samsung auch als Wachmaschinenmechaniker zu überzeugen.
ÖFB-Teamgoalie Robert Almer wusste in einem Spot für Samsung auch als Wachmaschinenmechaniker zu überzeugen.

Meist beschränken sich Werbeverpflichtungen von Austro-Kickern auf Autogrammstunde und Sponsorentermin. Wenn nicht, gibt es bisweilen Brösel.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 24/2016, erschienen am 17. Juni. Hier geht's zum Abo

Marko Arnautovic macht es, David Alaba macht es, Christian Fuchs macht es. Für Fußballer, die nur in der heimischen Liga werken, gibt es hingegen kaum Möglichkeiten, angesichts der Konkurrenz von Córdoba-Legenden wie Herbert Prohaska oder Hans Krankl, am Werbemarkt im Geschäft zu sein. Immerhin tauchten zuletzt wieder einige in Österreich aktive Kicker in der Werbung auf: Etwa Rapids Steffen Hofmann. Er ist in Spots und auf Sujets von Wiener Zucker zu sehen, kreiert von Demner, Merlicek und Bergmann. Der Deutsche folgt damit dem langjährigen Wiener Zucker-Testimonial Krankl.

Und auch Robert Almer, im ÖFB-Team die Nummer 1 im Tor, ansonsten bei der Wiener Austria unter Vertrag, wurde im vergangenen Herbst engagiert: In einem Spot für Samsung, der vor allem viral verbreitet wurde, agiert er als vermeintlicher Waschmaschinenmechaniker, der eine Jugend-Fußballmannschaft beim Training als kurzfristig einspringender Tormann begeistert. Die Möglichkeiten von Fußballern, die in der heimischen Liga spielen, sind als Testimonials eben deswegen limitiert. „Eine höhere fünfstellige Summe ist das Maximum, das ein Fußballer in Österreich, mit Werbung im Jahr erlösen kann“, so die Einschätzung von Leonhard Pranter, Managing Partner von Next Sports Marketing in Wien. Das Spin-off der Werbeagentur Next Marketing bietet seit 2012 360-Grad-Betreuung in Sachen PR, Marketing und Recht bis hin zu Full-Service-Management – und hat dabei Top-Teamkicker wie Marko Arnautovic oder Aleksandar Dragovic unter Vertrag, aber keinen Kicker der heimischen Liga. Für Arnautovic fädelten Pranter und sein Co Christian Schmück den Deal mit Media Markt ein (umgesetzt von Dirnberger de ­Felice Grüber).

Integrierte Werbeverpflichtung

Werbung ist für die Spieler von Rapid, Austria und Co aber dennoch Teil des oft stattlichen Vertrages: Mit dem Autogramm für den Verein treten sie ihre „Persönlichkeitsrechte“ an den Fußballklub ab. Was für Normalbürger nach Knebelung klingen mag, hat pragmatische Gründe. Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig, der an der Ausformung des Mustervertrages der Österreichischen Fußball-Bundesliga maßgeblich beteiligt war: „Während bei 99 Prozent der Arbeitnehmer Persönlichkeitsrechte kein Thema sind, ist es bei Fußballern sehr wohl so, und deren Abtretung an den Verein ist sogar integrierter Bestandteil eines Profi-Vertrages. Ansonsten wäre es ja nicht einmal möglich, dass der Spieler in ORF oder Sky zu sehen ist, man müsste theoretisch sein Gesicht verfremden.“ Die mediale Verbreitung, Vermarktung und die Werbetätigkeit zählen zu den arbeitsrechtlichen Nebenverpflichtungen, der Spieler muss diese und die Bildnis-Übertragung zulassen, kann das nicht wegverhandeln.

Während letztere Verpflichtung den Spieler wohl kaum belastet, können es die Werbeverpflichtungen sehr wohl: Vor allem, wenn diese über Autogrammstunden oder Auftritte bei den Sponsoren hinausgehen. Was manchen Kickern gar nicht bewusst sei, denn zuletzt hätten sich einige Profi-Kicker bei der Fußballergewerkschaft VdF erkundigt, wie diese Verpflichtungen in der Praxis wahrzunehmen sind, erzählt Gernot Baumgartner, stellvertretender Vorsitzenderer der VdF. „Rund um die EM haben Klubs ihre Werbeaktivitäten gesteigert, Spieler beklagten sich, dass es schon etwas zu viel ist“, so Baumgartner; die VdF dränge darauf, den Kicker-Kollektivvertrag besser zu formulieren.

Nebenbeschäftigung oder nicht

Bisweilen kommt es aber auch zu Missverständnissen anderer Art. So hatte ein heimischer Profi Brösel, weil er meinte, dass das Honorar aus einer Werbeaktivität ihm allein zustehe. Letztlich einigte man sich darauf, dass das Geld an den Verein geht, der Spieler aber einige der als Teil der Gage vereinbarten Sachleistungen privat behält. Anwalt Rebernig, auf die Causa angesprochen: „Dieser Fußballer hat vielleicht einen Zusatz im Vertrag, der zum Beispiel 100 Prozent der Einnahmen für ihn vorsieht. Dann wäre das vermutlich eine selbstständige Nebenbeschäftigung, die nicht mit dem Kicker-Gehalt abgegolten ist. In diesem Fall muss es aber die Zustimmung des Arbeitgebers geben – der könnte das untersagen.“ Fehlt diese klare Zustimmung, könnten alle Erträge dem Verein zufließen. Oder man einigt sich auf eine anteilige Lösung – so passierte es in diesem Fall. Und selbst für nicht honorierte Zwecke (Charity-Auftritte des Kickers) ist die Zustimmung des Klubs notwendig. Weiterer Knackpunkt könnte sein, dass der Spieler die Werbeaktivitäten eventuell nicht in der dienstfreien Zeit getätigt hat.

Die Verstimmung rund um die Werbeaktivitäten des Fußballers zogen Kreise. Bei der ausführenden Agentur meint man, dass man vom Vertrag zwischen Fußballer und Verein nichts wissen könne, und verweist auf den Auftraggeber, den Werbekunden. Von dort wurde HORIZONT nur ein „strictly confidential“, übermittelt, auf die Frage, ob man den Vertrag mit dem Verein oder dem Spieler hatte. Rebernig: „Jedenfalls sind Spieler gut beraten, ihren Arbeitgeber rechtzeitig zu informieren. Widrigenfalls kann es zu Abmahnungen oder Honorarforderungen seitens des Vereins kommen.“ Ein Kicker könne auch nicht Werbeunternehmer in eigener Sache werden.

Ähnliches hatten Fußball-Präsidenten einst versucht, nach dem Muster, ihren Angestellten Teile des Gehalts „als Fußballer“ für die sportliche Leistung, aber den meist größeren Teil „für Werbung auf selbstständiger Basis“ (und steuerschonend) zu überweisen. Die Finanzprokuratur hat dem im Jahr 2002 einen Riegel vorgeschoben. „Man kann die Tätigkeit eines Profifußballers nicht in zwei Bereiche trennen, aber grundsätzlich haben Kicker auch ihr eigenes Vermarktungsrecht“, sagt Experte Rebernig.
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