Wachstum in Zeiten von Krise und Dumping
 

Wachstum in Zeiten von Krise und Dumping

Die PR-Branche ist im Umbruch, auch Ecker & Partner als einer der Marktführer ist im Umbau: E&P-Gründer Dietmar Ecker im HORIZONT-Gespräch

Elf Prozent Wachstum weltweit. Das wirft der „2014 World PR Report“, gemeinhin „Holmes Report“, für die PR-Branche für heuer aus: Deutlich mehr als die im Schnitt acht Prozent der Jahre zuvor. Man sollte sich um die heimische Öffentlichkeitsarbeit also keine Sorgen machen müssen. „Für Österreich trifft das Wachstum aber gar nicht zu“, dämpft Dietmar Ecker die ohnehin nicht überbordende Euphorie. Denn: „Budgets wurden in den vergangenen Jahren überall gekürzt, da gibt es nichts zu beschönigen“, ein allgemeiner Turn­around sei vielleicht für 2015 zu er­warten. Hierzulande verspüre die PR-Branche noch letzte unvermeidliche Nachwehen der Finanzkrise sowie die vermeidbaren Nachwehen als Folge der hausgemachten Hochegger-Affäre.  


Ob das PR-Pendel in Österreich bald wieder ins Nettoplus ausschlage oder gar an die Holmes’sche globale zweistellige Wachstums-Benchmark herankomme, hänge vor allem am Umgang der Agenturen mit den, vereinfacht gesagt, neuen Medien, meint Ecker. „Österreichs Unternehmen haben da ja immer noch unterdurchschnittliche Ausgaben, es besteht großer Aufholbedarf. Die Separation in der Kommunikation zwischen Analog und Digital ist viel zu stark. Die meisten haben getrennte Abteilungen etwa für Pressearbeit, ­Social Media und Marketing, das wird sich ­ändern müssen. Integrierte Lösungen sind gefragt.“ Die Schuld für das Verschlafen der Entwicklung gibt er aber nicht nur den Unternehmen, denn „es kommt ja darauf an, was die ­Agenturen anbieten“.

Neue Kompetenz im Haus
Bei Ecker & Partner, laut dem Best­seller-PR-Agentur-Ranking 2013 mit großem Abstand nach unten (und viel weniger nach oben) die Nummer zwei am heimischen Markt und mit zuletzt 5,6 Millionen Euro Honorarumsatz (plus acht Prozent gegenüber dem Jahr zuvor), sei man gut aufgestellt, entsprechende Angebote an die Unternehmen zu legen. „Wir können nicht alles und können nicht überall sein, daher holen wir uns sukzessive neue Kompetenz ins Haus“, erzählt Ecker. Eine Beteiligung im digitalen Bereich wurde jüngst ab­gestoßen, stattdessen österreichische ­Social-Media- oder Video-Skills inte­griert, etwa die Kreativ- und Video-Tochter tufelixmedia. International greift man als dessen Exclusive Asso­ciate auf das Burson-Marsteller-Netzwerk zurück (das aber nicht an E&P ­beteiligt ist) und hat zahlreiche Partner in Osteuropa. „Wir machen für einige Kunden auch die europäische Koordination“, erzählt Ecker. Bei klassischen PR-Disziplinen wie Public Affairs, Krisen­kommunikation oder Litigation PR ist E&P naturgemäß ohnehin firm, investiere in diesen Monaten vor allem in Richtung Technik im weitesten Sinn.

„Vor wenigen Wochen habe ich mit meinen Geschäftsführern darüber gesprochen, wo wir hinwollen. Das Agenturangebot reduzieren oder in neue Felder investieren, diese integrieren? Die Entscheidung fiel klar für ­Letzteres“, erzählt Ecker und bestätigt damit, dass man gerade als einer der unbestrittenen Marktführer nicht passiv bleiben darf. „Es war für mich aber nie ein Must, eine große Agentur zu haben.“ Es dürfte dennoch dabei bleiben: „Besonders im dritten Quartal lief es sehr gut, die Auftrags­bücher sind voll, wir werden 2015 den Umsatz halten oder sogar wachsen.“

Grassierendes Dumping
Was Ecker zwar keine Sorgen bereitet („wir haben ausreichend vernünftige Substanz in der Agentur“), aber der Qualität der Branche schade, ist das in jüngster Zeit grassierende Dumping: „Allein heuer passierte es uns schon zweimal, dass wir eine Ausschreibung allein wegen der mutmaßlich zu hohen Monatspauschale nicht gewannen und ein paar Monate später der Kunde bei uns anklopfte, mit der Bitte, dass wir ,uns noch einmal zusammensetzen‘. Mit der Hälfte der marktüblichen Honorare ‚derblasen‘ die meisten Agen­turen, die mit Dumping in den Pitch ­gehen und gewinnen, das geforderte Leistungsspektrum aber selten.“
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