Sexismus in der Werbung: Das sagt der Werbera...
 

Sexismus in der Werbung: Das sagt der Werberat

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© Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

Das Thema Sexismus wurde in den vergangenen Jahren selten so breit diskutiert wie aktuell seit der Metoo-Kampagne. Das lässt auch die Werbebranche nicht unberührt. Im Interview mit HORIZONT erklären Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberats (ÖWR), und Vizepräsidentin Roswitha Hasslinger, dass die Sensibilisierung der Konsumenten auch bei der Werbeakzeptanz zu einer Null-Toleranz führen wird.

Das gesamte Interview, in dem es auch um die Werberat-Bilanz 2017 und den Ausblick für 2018 geht, ist in Ausgabe Nr. 50 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

HORIZONT: Unter anderem durch die Metoo- Kampagne sind Geschlechterdiskriminierung und Sexismus ja derzeit ein großes gesellschaftspolitisches Thema. Was ist Ihre Einschätzung in puncto Werbung für 2018 – wird sich das hier niederschlagen?

Roswitha Hasslinger: Ich glaube, dass die Sensibilisierung der Menschen, speziell im Sexismusbereich, aufgrund der Diskussionen rund um Metoo, den ÖSV et cetera kommendes Jahr zunehmen wird. Das wird auch bei der Werbeakzeptanz zu einer Null- Toleranz führen. Vor vier, fünf Jahren hätte manches auch bei den Werberäten nicht unbedingt zur Ablehnung geführt, heute hingegen schon. Man ist wirklich sehr sensibel geworden.

Michael Straberger: Das kann man ruhig als Warnung für gewisse Auftraggeber und Agenturen in den Raum stellen. Das Wertebild der Gesellschaft verändert sich. Man muss mit zunehmenden Beschwerden beim Werberat rechnen, was das Image einer Marke auch schädigen kann.

Welche waren die am meisten betroffenen Werbemedien?

Hasslinger: Das Internet ist explodiert, mit heuer 46 statt 20 Beschwerdefällen das Jahr davor. Print und Plakat sind deutlich zurückgegangen, TV ist gleichgeblieben.

Und welche Unternehmensbranchen bekommen generell das meiste Beschwerdefett ab?

Hasslinger: Werbung für sexuelle Dienstleistungen. Viele glauben, es ist verboten, für Bordelle oder sexuelle Dienstleistungen zu werben. Aber wenn das Gewerbe erlaubt ist, muss auch die Werbung erlaubt sein. Und diese Unternehmen wissen genau, was sie zeigen dürfen und was nicht und gehen sehr bewusst damit um.

Wo sehen Sie Beschwerden auch persönlich gerechtfertigt?

Hasslinger: Die unangenehmsten Ausrutscher passieren bei den kleinsten Unternehmen: Bei einem Frisör oder Fleischhauer. Wo man sich denkt, warum hier eine halbnackte Frau gezeigt wird, ohne den geringsten Produktzusammenhang. Das ist reine Blickfangwerbung, die wir leider immer wieder sehen.

Straberger: In Kärnten hatte ein Frisör ein Plakat in der Auslage: „Hunde und Frauen verboten“, er zeigte keine Einsicht.

Hasslinger: Wobei, er war ja ein reiner Herrenfrisör, da kann er nicht gezwungen werden, Frauen zu bedienen. Aber ich meinte diesen anderen Frisör, der mit einer Intimrasur warb. In der damals gewählten Form ging das gar nicht. Oder: Oft werben Lieferwägen von Kleinunternehmen mit sexistischen Motiven. Diese Unternehmen können wir natürlich nicht zwingen, ihre Sujets sofort auszutauschen.

Straberger: Den strafen eh die Kunden, Roswitha. Und bei jeder Diskussion, die wir mit diesen Unternehmen führen, ist auch ein Stück Bewusstseinsbildung dabei.

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