Regierungs-Werbung: Finale beim politischen M...
 
Regierungs-Werbung

Finale beim politischen Mega-Etat: die Details

Dragan Tatic/BKA
Nicht nur ein Babyelefant will beworben werden: Bundeskanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Werner Kogler suchen Agenturen.
Nicht nur ein Babyelefant will beworben werden: Bundeskanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Werner Kogler suchen Agenturen.

Welche Agenturen laut HORIZONT-Informationen letzte Woche präsentiert haben, was die offizielle Stelle dazu sagt und wie es nun weitergeht: HORIZONT hat in die Branche hineingehört.

210 Millionen Euro liegen ausgeschrieben am Pitch-Tableau: Die Republik Österreich sucht wie berichtet Agenturen für Werbung und Media für eine Laufzeit von vier Jahren, wobei 180 Millionen Euro auf Medialeistungen inklusive Inserateschaltungen sowie 30 Millionen Euro auf Kreativleistungen entfallen. Die Begehrlichkeiten in der Agenturszene definieren sich allein schon über die Etathöhe, trotzdem war es nach der Bekanntwerdung der Ausschreibung ("Das ist vergaberechtlich zumindest grenzwertig") und mit Ende der Teilnahmefrist Anfang Dezember ungewohnt ruhig geworden – bis Ende letzter Woche: Nach HORIZONT-Informationen haben im Laufe der abgelaufenen Woche die entscheidenden Gespräche und Präsentationen für den Kreativetat stattgefunden.

Genannt werden Jung von Matt, PKP BBDO und die Hirschen

Wie geplant und ausgeschrieben sollen diesen Informationen zu Folge fünf Agenturen an jeweils fünf Tagen für die zweite Stufe geladen worden sein, rund vier Stunden habe man in etwa pro Präsentation an Zeit eingeplant. Wer in dieser finalen Phase noch im Rennen ist? In der Agenturbranche laufen die Gerüchte heiß. Die Aussagen mehrerer Quellen deuten jedenfalls darauf hin, dass Jung von Matt/Donau, PKP BBDO und Zum Goldenen Hirschen präsentiert haben.

Jung von Matt/Donau steht bekanntermaßen hinter der Corona-Kampagne des Roten Kreuz und in der Gunst der Regierung tendenziell nicht zu weit unten. Viele Branchenkenner räumen der Agentur hohe Chancen ein. Die Geschäftsführung von Jung von Matt/Donau bittet auf HORIZONT-Anfrage um Verständnis, zu laufenden Ausschreibungen äußere man sich nicht. Kein Statement dazu gibt es auch von den Hirschen, die aber de facto das nicht zu verachtende Netzwerk der deutschen Mutter hinter sich aufbieten können. Einer der Geschäftsführer dort ist Hans-Hermann Langguth, Ende der 90er-Jahre an höchsten Stellen als Sprecher für die deutschen Grünen sowie später als stellvertretender Sprecher der Bundesregierung unter der Regierung Gerhard Schröders tätig. Ebenfalls um Verständnis, dass man sich nicht äußere, bittet die Geschäftsführung der PKP BBDO: "Für Ausschreibungen gilt eine absolute Verschwiegenheitspflicht."

Dieses Spiel lässt sich auch weiterspielen, wenn man die Bundesbeschaffung GmbH als abwickelnde Stelle zu Details kontaktiert. Können sie bestätigen, dass bei der Ausschreibung zu Kreativagenturleistungen letzte Woche mit fünf Agenturen jeweils vierstündige Hearings stattgefunden haben? Und: Können sie bestätigen, dass die drei genannten Agenturen in der Runde der letzten fünf Agenturen vertreten sind? Die offizielle Antwort auf die HORIZONT-Anfrage: "Wir können bestätigen, dass es sich bei den Vergaben Kreativagenturleistungen sowie Mediaagenturleistungen Bund um laufende Verfahren handelt und danken für Ihr Verständnis, dass uns aus vergaberechtlichen Gründen keine darüber hinausgehenden Auskünfte möglich sind."

Nicht teilgenommen hat wohl das Campaigning Bureau, die Agentur von "Kanzlermacher" Philipp Maderthaner. Er hatte schon Anfang Februar gegenüber HORIZONT klar gemacht, keinen Antrag eingereicht zu haben. Man habe auch nicht vor, das bestehende Engagement in diesem Bereich auszubauen, meinte er damals. Etwaige Subaufträge würden diesen Äußerungen jedenfalls nicht im Wege stehen, meinen Insider.

Durchaus Lob, auch von ausgeschiedenen Agenturen

Für nähere Informationen muss wohl der finale Zuschlag abgewartet werden, die Ausschreibungsunterlagen sehen dafür die Kalenderwoche 22, also Ende Mai, vor. Auch auf die Frage, welche Schritte in den kommenden zehn Wochen bis zu einer unterzeichneten Rahmenvereinbarung noch erfolgen, gibt die BBG keine Auskünfte. In der Zwischenzeit dürften sich Befürchtungen einiger Branchenvertreter, die ursprünglich in der Ausschreibung an sich eine Alibihandlung gesehen hatten, zerschlagen haben – oder sind zumindest ihre Stimmen verstummt. Selbst am Pitch beteiligte (laut vorliegenden Informationen war es wenig verwunderlich das Who is Who der Branche) und in der ersten Phase ausgeschiedene Agenturchefs loben, ohne namentlich genannt werden zu wollen, die Ausschreibung als einen Akt für mehr Transparenz und dabei auch den Abwicklungsprozess an sich.

Ruhe bei den Mediaagenturen

Der läuft im Übrigen auch noch für den eingangs angesprochenen Mediaetat, der bei quasi zeitgleicher Ausschreibung und Teilnahmefrist ebenso im Rahmen von fünf Monaten und damit spätestens Ende Mai vergeben werden soll. Im Gegensatz zur Kreativ- und Werbebranche gestaltet sich der Wiener Flurfunk bei den Mediaagenturen aber weitaus zurückhaltender.
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