,PR-Manager müssen streng sein‘
 

,PR-Manager müssen streng sein‘

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Interview: In Linz begann Michael Obermeyr vor fast 30 Jahren, heute ist Reichl und Partner Public Relations eine der größten PR-Agenturen und Teil der innerhalb der Werbelandschaft noch bedeutenderen Reichl-Gruppe

Dieses Interview erschien bereits am 3. Juli in der HORIZONT-Printausgabe 27/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

HORIZONT: Wie kam es, dass Sie schon 1986 ihre erste PR-Agentur gegründet haben, und zwar in Linz?

Michael Obermeyr: Ich war schon während meines Studiums der Politik­wissenschaften und Anglistik in der Hochschülerschaft mit Öffentlichkeitsarbeit vertraut. Botschaften zu entwickeln und in die richtige ­Öffentlichkeit zu bringen hat mich immer fasziniert. Das generelle ­Verständnis für PR im heutigen Sinn hat es damals in der Wirtschaft kaum gegeben.

HORIZONT: Wie war die PR-Arbeit damals im Vergleich zu heute?

Obermeyr: Ich habe 1986 mit theoretischem Wissen und ohne Kunden begonnen, hab mir ein Telefonbuch gekauft und die Akquisition gestartet. Im ersten Quartal meines Unternehmertums habe ich immerhin 3.500 Schilling umgesetzt. Ich bin wie ein Prophet durch die Lande gezogen, hatte dann bald sechs, sieben Mitarbeiter. Das war noch die Zeit, wo bei Pressegesprächen auf Journalistenfrage zum Beispiel nach dem Umsatz mit „Fragen Sie nicht Sachen, die Sie nichts angehen“ geantwortet wurde.

HORIZONT: Wie kam es letztlich zur Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Reichl und Partner?

Obermeyr: Ich lernte Rainer Reichl Ende der 90er-Jahre kennen, stand selbst mit Kunden wie Pez oder Ring Bäckerei bald vor Aufgaben, die ich seriöserweise nicht bloß mit PR erfüllen konnte. Diese und andere Kunden nahm ich zu Reichl und Partner mit. 2001 gründeten wir gemeinsam Reichl und Partner Public Relations, wo ich meine Expertise einbrachte und dadurch das gesamte Spektrum der Kommunikation angeboten werden konnte. Seither wachsen wir mit den Aufgabenstellungen, haben sechs Units – Werbung, Media, E-Marketing, PR, Social Media, Erlebnismarketing – in der Reichl und Partner Commu­nications Group. Zuletzt ist 2011 die SMC, Social Media Communications, zu uns ins Boot gekommen

HORIZONT: Was sind die Vorteile einer derartigen Konstellation?

Obermeyr: Wenn eine Aufgabenstellung am Tisch liegt, kann man sich dem Projekt nähern und ohne den Hintergedanken an Honorare zu verschwenden eine Problemlösung erarbeiten: mit einer Prise PR, etwas Werbung, ein paar Gramm Social Media, komplett entspannt, als Gesamtpaket.

HORIZONT: Stichwort Social Media: Wie reagiert man darauf als Agentur?

Obermeyr: Social Media wirken oft als Befruchtung, sind keine Konkurrenz, sondern Begleitung und Ergänzung zu klassischen Kanälen. Wir hatten vor Kurzem zwei Schulklassen in Linz in der Agentur, und von den rund 40 15- bis 16-Jährigen gab nur einer an, dass er mehrmals pro Woche Zeitung liest. Das gibt zu denken, heißt aber auch, dass es nur eine gemeinsame Lösung für die PR geben kann, aus mehreren Bausteinen. Aber wir haben in der Gruppe auch Kunden, die nur einzelne Leistungen in ­Anspruch nehmen und für andere Leistungen mit anderen Agenturen zusammenarbeiten.

HORIZONT: Haben sich die Ansprechpartner auf Kundenseite geändert, was deren Stellung im Unter­nehmen betrifft?

Obermeyr: Ich kann das nicht feststellen, bin weiter mit Eigentümern, Geschäftsführern, mit der Vorstands­ebene im Gespräch. Doch es wurden Marketing und PR in den Unternehmen selbst immer mehr getrennt.

HORIZONT: Wie legen Sie die Beziehung zum Kunden aus?

Obermeyr: Manchmal fühle ich mich wie ein Mittelding aus Gouvernante und Klagemauer. (lacht) Aber im Ernst: PR-Leute müssen streng sein, nein sagen können, auch über Dinge nachdenken, die mit dem Unternehmen nichts zu tun haben. Ich bin mit einigen Geschäftsführern gut befreundet und thematisiere von vornherein, wenn ich Probleme herankommen sehe, selbst wenn es Freitag 18 Uhr ist. Ich stehe als Sparringspartner zur Verfügung. Das ist die Grundlage eines Vertrauensverhältnisses. Ich bin glaube, ich bin bei den Kunden als „sehr direkt“ bekannt.

HORIZONT: Welche waren ganz besondere Herausforderungen für die Arbeit der Agentur?

Obermeyr: Reichl und Partner hat zum Beispiel den Versandhändler Quelle jahrelang begleitet, da war rund um den Konkurs 2009 sehr viel Sensibilität gefragt, weil Interessen von Vorstand, Betriebsrat und Mitarbeitern in die Strategie einfließen mussten. Und da war auch lange ich im Vordergrund, die Quelle ist in der öffentlichen Wahrnehmung zurückgetreten. Trotz der Krise des Unternehmens sind Marktwert und Sympathie für die Marke nicht gesunken. Aber es haben mich privat bisweilen Leute gefragt, wie ich denn nach Quelle wieder einen Job gefunden habe …

HORIZONT: Behagt es Ihnen, so in der Öffentlichkeit zu stehen?

Obermeyr: Nein. Bei uns, und das gilt für die ganze Gruppe, ist in Stein gemeißelt, dass der Kunde in der ersten Reihe zu stehen hat.

HORIZONT: Welche sehen Sie als die aktuell großen und die zukünftigen Aufgaben der PR?

Obermeyr: Auf der Medienseite müssen wir durch die Inflation der Information und durch die Restrukturierungen der Medien, denen immer mehr die Zeit zur Recherche fehlt, noch zielgerichteter produzieren, uns in die Journalisten hineindenken, und das etwa auch nach verschiedenen Regionen oder Ländern differenziert, in denen unsere Kunden tätig sind. Allgemein orte ich eine Vertrauenskrise, es herrscht eine gewisse Ängstlichkeit auch bei den heimischen Unternehmen. So etwas kann man nicht an der Champagnerbar lösen, sondern indem die PR weniger als Vollzugsorgan von Unternehmensstrategien agiert und vielmehr diese Strategien mitdiskutiert und Kritikfähigkeit einfordert.

HORIZONT: In welchen Bereichen wird die Gruppe und speziell die PR bei Reichl und Partner wachsen?

Obermeyr: Die ganze Gruppe wächst, so können wir sensibel auf die Konjunktur reagieren, an einer Stelle etwas vom Gas gehen, an einer anderen Stelle draufdrücken. Was Branchen betrifft, tut sich im Lebensmittelhandel sehr viel Neues, oder im Markt der Arbeits- und Berufskleidung, wo wir mit dem europäischen Marktführer Kwintet mit Marken etwa wie Fristads Kansas im Vorjahr einen renommierten Kunden gewinnen konnten. Allgemein ist im Bereich der internen und der B2B-Kommunikation, in dem wir bereits jetzt sehr stark sind, noch viel möglich, es tauchen allein in Oberösterreich ständig neue erfolgreiche Unternehmer auf. Vor allem Employer Branding sehe ich als eine Wachstumszelle der Zukunft.
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