Ogilvy holt sich Etat des Finanzministeriums
 

Ogilvy holt sich Etat des Finanzministeriums

Schlagabtausch bei Podiumsdiskussion "Pitch-un-Kultur" in Österreich.

"Unsere Chancen sind sicher intakt", sagte Ogilvy-Chef Florian Krenkl Anfang April zu HORIZONT (Ausgabe 13, Seite 2). Wie recht er hatte. Ogilvy sichert sich den Großetat des Finanzministeriums, es geht um ein jährliches Agenturhonorar von einer satten Million Euro, der Vertrag läuft über drei Jahre. Nach HORIZONT-Informationen ist der Zuschlag fix, weder Auftraggeber noch Agentur bestätigen derzeit die Vergabe.

Sehr wohl melden sich aber unterlegene Agenturen zu Wort. Ingesamt fünf Agenturen waren auf der Shortlist, PKP BBDO war dabei, unterlag und wittert nun Schiebung."Diese Ausschreibung war eine Farce, das hat der gesamte Prozess gezeigt", protestierte PKP-BBDO-Chef Joseph Mayerhofer Dienstag Abend bei einer hochkarätig besuchten und von Pitchberater Martin Weinand initiierten Podiumsdiskussion von Marketingclub und WerbeAkademie zum Thema "Pitch(Un)kultur in Österreich" (HORIZONT berichtet darüber ausführlich in seiner kommenden Ausgabe, die am Freitag den 1. Oktober erscheint).

Woran sich Mayerhofer besonders stößt: "Wir haben zwar spät aber fristgerecht beim Bundesvergabeamt einen Antrag auf Nachprüfung der Vergabe gestellt, genau um 23:50, zehn Minuten vor Ende der Frist. Und am nächsten Tag um 8:54 in der Früh erteilt die Bundesbeschaffungsgesellschaft, die den Pitch für das Finanzministerium abgewickelt hat, den Auftrag an Ogilvy. Und weil sie von unserem Antrag zu diesem Zeitpunkt nichts wusste, war er wirkungslos." Für den Vergabeanwalt Stefan Haid, der am Podium saß ein klarer Fall: "Dass die BBG um 8:54 einen Zuschlag erteilt, ist nicht der Regelfall. Hier wurde offensichtlich ein Nachprüfungsantrag befürchtet und der Sack schnell zugemacht." Andreas Nemec, Geschäftsführer der Bundesbeschaffungsgesellschaft - ebenfalls bei Weinand am Podium - kontert: "Wir haben auch schon um 00:20 Uhr Zuschläge erteilt, Sie hatten zehn Tage Zeit, warum sind Sie nicht früher auf die Idee gekommen, den Antrag zu stellen?". Und er bestätigt: "Ja, uns hat der Antrag auf Nachprüfung erst nach neun Uhr erreicht." In Richtung Anwalt Haid meint er murmelnd: "Ich liebe ja Menschen, die die Wahrheit für sich in Anspruch nehmen."

Schließlich meldet sich aus dem Publikum Elisabeth Pechmann, wortgewaltige PR-Verantwortliche bei Ogilvy aus dem Publikum zu Wort: "Offenbar haben alle gewusst, dass Ogilvy den Etat bekommt, nur wir nicht. Und vor allem nicht unsere Mitarbeiter, die monatelang Tag und Nacht an diesem Pitch gearbeitet haben. Hier spricht wohl eher die narzistische Kränkung einer unterlegenen Agentur." Der so angesprochene PKP-BBDO-Chef Mayerhofer hat zu diesem Zeitpunkt die Veranstaltung bereits verlassen.
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