Nach Mega-Etat: Jung von Matt: 'Wir sind wede...
 
Nach Mega-Etat

Jung von Matt: 'Wir sind weder türkis noch grün'

JvM Donau
Jung von Matt/Donau-Geschäftsführer Fedja Burmeister.
Jung von Matt/Donau-Geschäftsführer Fedja Burmeister.

Geschäftsführer Fedja Burmeister hat wie berichtet mit seiner Agentur den Pitch der Bundesregierung gewonnen. Im HORIZONT-Interview spricht er über nächste Schritte, die Zusammenarbeit mit den Ministerien sowie die Kritik, die die Ausschreibung begleitete.

HORIZONT: Wie geht es mit der unterzeichneten Rahmenvereinbarung zu diesem Mega-Etat jetzt konkret weiter?
Fedja Burmeister: Die Rahmenvereinbarung wurde am 8. Juni 2021 abgeschlossen. Es sind nun alle Ministerien informiert und klopfen bei uns ab, welche Leistungen von uns erbracht werden können. Derzeit werden die Fahrpläne und Agenden für kommende Themen und Kampagnen intern abgestimmt – dazu gibt es wahrscheinlich nächste Woche einen Termin, konkrete Kampagnenpläne aber Stand heute noch nicht.


Gibt es dafür von Seiten des Auftraggebers Szenarien für die Abläufe, etwa eine zentrale Stelle für die Kampagnenabwicklung?
Jedes Ministerium kann auf uns und unsere Leistungen direkt zugreifen, hier fungiert keine zentrale Anlaufstelle. Einzig die BBG steht als administrative Stelle uns allen zur Seite.

Das heißt beispielsweise das Innenministerium beauftragt Jung von Matt/Donau mit einer Kampagne und bittet, diese mit Mediacom gemeinsam zu realisieren? Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?
Als Auftragnehmer der Rahmenvereinbarung darf Jung von Matt Subaufträge an andere geeignete Agenturen nach erfolgter Zustimmung des Auftraggebers vergeben. Wir prüfen bei einer entsprechenden Anfrage, ob wir diese hinsichtlich Kapazität, Ressourcen, Zeit der Umsetzung etc. annehmen können. Dann legen wir ein Angebot, präsentieren und setzen es gemeinsam um. Wenn wir aus verschiedensten Gründen ablehnen, wird nach dem Kaskadenprinzip sowie gemäß den Vergabeunterlagen vorgegangen.

Das heißt es gibt unter den drei siegreichen Kreativagenturen bzw. Bietergemeinschaften keine Kompetenzverteilung?
Das ist korrekt. Alle drei sind inhaltlich gleichberechtigt und je nach Auftragslage und Ressourcen werden Aufträge folglich weitergegeben.

Sie können aber trotzdem mit anderen Agenturen zusammenarbeiten.
Jede Aufgabe kann andere Partner brauchen, das ist nicht ausgeschlossen. Wir sind Generalauftragnehmer und können dem zu Folge Subaufträge an andere geeignete Agenturen nach erfolgter Zustimmung des Auftraggebers, nicht nur beim Pitch zum Zug gekommene Agenturen, vergeben.

Werden Sie dafür personell aufstocken oder tendenziell eher auslagern?
Dadurch, dass es keine Auftragsabnahmepflicht gibt, werden wir entsprechend flexibel auf die jeweilige Anfrage reagieren. Die Idee ist aber schon ein eigenes Team aufzubauen, dafür warten wir aber vorerst die nächsten konkreten Schritte und Beauftragungen ab.

Wenn man sich die kürzlich veröffentlichten Transparenzdaten für das erste Quartal ansieht kann man davon ausgehen, dass durchaus einige Aufträge in nicht zu niedriger Größenordnung kommen werden.
Ja, davon gehe ich aus, dass die Ministerien, die ja auch in den letzten Jahren bereits Kommunikation betrieben haben, das weiterhin tun werden.

Gibt es Tendenzen wie in Deutschland, die Kommunikation der Ministerien einheitlicher zu gestalten?
In dem von uns beim Pitch präsentierten Konzept ist das die Idee, so haben wir die Ausschreibung auch verstanden. Die CI der Ministerien hat sich in den letzten Jahren bereits stark in diese Richtung entwickelt, Deutschland ist hier ein gutes Beispiel.

Sie haben den Pitch angesprochen: Mit welcher Idee oder welchem Konzept haben Sie sich denn schlussendlich durchgesetzt?
Wir haben vereinbart, über Ideen und Konzepte im Pitch nicht zu viel zu verraten. Zentrale Faktoren waren aber in den kommunikativen Aussagen ein vorausschauendes Denken und gemeinschaftliche Elemente.

Die Kritik am Pitch war groß – von schlechter Witz bis Farce. Teilen Sie diesen Befund?
In der ersten Phase hätte es tatsächlich mehr an Informationen und ein detaillierteres Briefing geben können, um die geforderte Strategie zu erarbeiten. Ab der zweiten Phase verstehe ich diese Kritik nicht mehr, da lief alles sehr klar ab, auch die Briefings waren gut. Zudem hat sich die unabhängige Expertenjury aus verschiedenen Bereichen als wirklich stark erwiesen.

Und was sagen Sie zum Vorwurf, dass ohnehin klar gewesen wäre, dass Jung von Matt gewinnt?
Es war klar, dass solche Aussagen kommen. Aber es ist einfach das zu sagen, um dann beim entsprechenden Zuschlag zu betonen, dass man es ja gesagt hätte. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass das, was wir abgegeben haben, ein sehr gutes Konzept ist und wir deshalb gewonnen haben.

Haben Sie oder die Agentur ein Naheverhältnis zur ÖVP oder deren Playern?
Nein. Wir haben viel mit dem Bundeskanzleramt, dem Gesundheitsministerium und dem Roten Kreuz zusammengearbeitet. Direkt mit oder für die ÖVP haben wir noch nie gearbeitet – in der Vergangenheit eher mit dem anderen Regierungspartner. Wer uns kennt weiß aber, dass wir keine Farbe einnehmen. Wir sind weder türkis noch grün, sondern stets bestrebt in der Sache die beste Kommunikation zu betreiben.

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