KV, nein danke…
 
"Null Bock auf Null Lohnrunde"/Facebook
Ein Nebensatz wird zum Hauptsatz: Acht Bundesländer-FG-Werbung-Obleute verwehren sich, dass ein auch modernisierter Kollektivvertrag der Wiener ein Modell sein könnte - Bild: Aktion der Gewerkschaft nach dem Scheitern der Verhandlungen vor Büros der Wiener KV-Verhandler.
Ein Nebensatz wird zum Hauptsatz: Acht Bundesländer-FG-Werbung-Obleute verwehren sich, dass ein auch modernisierter Kollektivvertrag der Wiener ein Modell sein könnte - Bild: Aktion der Gewerkschaft nach dem Scheitern der Verhandlungen vor Büros der Wiener KV-Verhandler.

…die Fachgruppe Werbung Obmänner aus Oberösterreich, Burgenland, Steiermark und Tirol verwehren sich gegen einen Kollektivvertrag. Der Wiener FG-Werbung-Obmann strebt eine modernisierte Fassung an.

„Die Fachgruppe Wien ist die einzige aller neun Bundesländer, die immer mit der Gewerkschaft zum Kollektivvertrag gestanden ist. Doch es macht nur Sinn dieses Modell auf ganz Österreich auszurollen, wenn es auch zeitgemäß ist. Man lade die Gewerkschaft also herzlich ein im Team 'KV Neu' mitzuarbeiten. Für einen modernen KV, den man für ganz Österreich übernehmen könne.“

Das Zitat ist die Schlussbemerkung der APA-OTS-Aussendung des Wiener Fachgruppenobmann Stephan Gustav Götz (Grüne Wirtschaft) vom 18. Jänner, in der Götz im Namen der FG Wien nach den zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden mit der Gewerkschaft GPA-djp zum Kollektivvertrag 2017 ankündigte, „Fachgruppe erarbeitet zeitgemäßen Kollektivvertrag“. Siehe APA-OTS-Meldung hier - und den HORIZONT-Bericht hier.

Die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien ist die einzige der neun FGs mit einem Kollektivvertrag, der für rund 13.500 Angestellte gilt, die von rund 1.500 Wiener Mitgliedsunternehmen beschäftigt werden (insgesamt hat die FG Wien rund 9.000 Mitgliedsbetriebe, rund zwei Drittel sind als EPU – Einzel Personen Unternehmen – registriert). Die Vereinbarung der Wiener FG mit den Gewerkschaftsvertretern besteht seit über 40 Jahren; in den acht weiteren Fachgruppen Österreichs werden zwischen Arbeitgebern aus den Werbung-Fachgruppen und Arbeitnehmern Arbeitsverträge auf Basis der gesetzlichen Mindeststandards geschlossen.

Bereits beim Abschluss für den KV 2016 im November 2015 hatte FG-Wien Obmann Götz eine Reform-Arbeitsgruppe für den KV angekündigt (die erst jetz5t etabliert wird) und moniert, dass er Standort Wien einen Wettbewerbsnachteil zu den Bundesländern hätte.

Mit seiner Andeutung – Götz präzisiert auf HORIZONT-Nachfrage: „Der bestehende Kollektivvertrag für die Wiener Werbewirtschaft muss dringend erneuert und modernisiert werden – im Idealfall so, dass ihn auch andere Fachgruppen zum Modell machen könnten“ - siehe auch hier.

OÖ ist „empört“

Zumindest vier Obmannkollegen von Götz sehen auch nur die Andeutung sehr anders: „Oberösterreich ist empört“ leitet das Statement von FG-Werbung-OÖ-Obmann Christof Schumacher ein, dass HORIZONT vorliegt: "Dass die Fachgruppe Wien ein Problem damit hat, als einziges Bundesland einen Kollektivvertrag für alle Unternehmen der Kommunikationswirtschaft zu haben ist uns natürlich bekannt und es liegt auch auf der Hand, dass die Gewerkschaft GPA-djp es nur zu gerne sehen würde, wenn alle anderen Bundesländer ebenfalls als Kollektivvertragspartner zur Verfügung stehen. Da wird aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht und wir anderen acht Bundesländer sind in dem Fall wohl zurecht als Wirt zu bezeichnen, weil nur die jeweilige Landes-Fachgruppe die Legitimation hätte, sich in solche Verhandlungen einzulassen."

Weiters heißt es: "Und wir in Oberösterreich haben einen klaren Standpunkt dazu, der auch von Burgenland, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg geteilt wird: Unsere Mitgliedsunternehmen arbeiten sehr gut mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen der für alle geltenden Gesetze und Rahmenbedingungen und wir sehen keine Notwendigkeit für einen Kollektivvertrag in Oberösterreich. Dass Wien, aus welchen Gründen auch immer einen Kollektivvertrag abgeschlossen hat und heute darüber klagt, dass die KV-Regelungen nicht mehr zeitgemäß seien, muss sich schon die FG Wien allein mit der Gewerkschaft ausmachen. Und wir lassen uns auch nicht hinterrücks vom Wiener Obmann unterstellen, dass wir deswegen womöglich für einen österreichweiten KV sind!"

Nachsatz Schumacher: "Wenn man sich in Zuständigkeiten und Kompetenzen noch nicht so zurechtfindet, sollte man lieber seine Hausaufgaben machen und sich um den eigenen Hof kümmern und nicht-legitimierte Aussagen vermeiden!"

Burgenland: „Ausreichend“

"Der derzeitige Rahmen ist ausreichend", bestätigt FG-Werbung Obmann Luis Siegl und schließt sich wortgleich Schumacher an: "Unsere Mitgliedsunternehmen arbeiten sehr gut mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen der für alle geltenden Gesetze und Rahmenbedingungen und wir sehen keine Notwendigkeit für einen Kollektivvertrag im Burgenland."

Steiermark: „Kein Grund

Der steirische FG-Werbung-Obmann Edgar Schnedl teilt mit: "Die FG Werbung Steiermark ist nicht an der Aufnahme von Kollektivvertragsverhandlungen interessiert. Wir sehen keinen Grund, aus dem Scheitern der Wiener Verhandlungen abzuleiten, nun selbst solche aufzunehmen."

"Wir sprechen uns als steirische Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation eindeutig gegen einen bundesweiten Kollektivvertrag aus. Wir brauchen deutliche Entlastungen und weniger Bürokratie. Der Abschluss eines Kollektivvertrags aus Sicht der Arbeitgeberseite bringt keine Vorteile mit sich. Die in unserer Branche geltenden Regelungen im Bereich Arbeits- und Sozialrecht sind ausreichend. Des Großteils klein- und mittelständisch strukturierte Werbewirtschaft in der Steiermark lebt die Sozialpartnerschaft vorbildlich in den Betrieben und schafft Arbeitsplätze für viele qualifizierte Menschen."

"Uns ist es ganz wichtig, deutlich zu machen, dass die steierischen Werbeunternehmer für uns im Mittelpunkt unseres interessenpolitischen Handelns stehen. Wir sprechen uns klar gegen die Aussage von Stephan Gustav Götz aus. Wir lassen uns von der FG Wien für Werbung & Marktkommunikation nicht instrumentalisieren. Daher ist jede Verknüpfung der steirischen FG Werbung & Marktkommunikation und einem bundesweiten Kollektivvertrag unzulässig und irreführend."

Tirol: „Verwunderung“

Schließlich FG-Werbung Obmann Tom Jank, kurz und bündig: "Die FG-Tirol distanziert sich von den Aussagen von Herrn Götz zu einem österreichweiten KV. Tirol steht für KV-Verhandlungen nicht zur Verfügung." Die FG Werbung Tirol habe "die Aussagen von Obmann Götz mit Verwunderung verfolgt."

Bereits beim Scheitern der ersten Wiener Verhandlungsrunde hatte Gewerkschaftsverhandler Kurt Wendt im Gespräch mit HORIZONT berichtet, dass Gewerkschaftsvertreter in den acht Bundesländern vorstellig gewesen seien – "das Interesse in den acht anderen Bundesländern ist unterschiedlich und eher zurückhaltend."

Götz hält fest, dass ihm sehr klar sei – und er auch respektiere – dass allfällige kollektivvertragliche Vereinbarungen mit der Gewerkschaft "nur und ausschließlich in der Kompetenz der jeweiligen Fachgruppe" liege. Er halte daran fest, den Wiener Kollektivvertrag zu überarbeiten und zu modernisieren – im Sinne eines Vorbildmodells für die Werbewirtschaft; auf Basis des bestehenden KV werde nicht weiter verhandelt. Somit gilt für Wien der KV Fassung 2016 weiter.

Nachsatz Eins: Gewerkschafts-Verhandlungsführer Kurt Wendt ist urlaubsbedingt aktuell nicht erreichbar (die Gewerkschaft besuchte die Büros der FG Wien Verhandler im Jänner, siehe Facebook Eintrag hier.)

Nachsatz Zwei: Die Wiener monieren "Wettbewerbsnachteile", dem Vernehmen nach überlegen Mitgliedsbetriebe sogar einen Standortwechsel. Im Kern sind es wohl die Arbeitszeitregeln und damit verbundenen Remunerationen, die den Wiener Werbeunternehmen – darunter aber auch so typische Unternehmen aus der "Werbung und Marktkommunikation" wie Online-Töchter des ORF, Der Standard oder der APA, allesamt mit Betriebsräten ausgerüstet – kalkulatorische Fesseln auferlegen. Allerdings, wird HORIZONT gegenüber ins Treffen geführt (die Person möchte ihren Namen hier nicht lesen) wäre das Lohnniveau durchgängig in Österreich etwa 50 bis 80 Prozent über dem Wiener Mindest-Niveau.

Wobei FG-Werbung-Mitgliedsunternehmen in den acht kollektivvertragslosen Bundesländern ihre Angestellten eben nur auf Grundlage des Arbeitsrechts, also ohne alljährliche Indexanpassung - dazu sind in Wien ja die Verhandlungen mal auf Eis gelegt – oder Anrechnung von Vordienstzeiten oder Einteilung in Verwendungsgruppen bis hin zur Definition von Überstunden und deren Entlohnung - unter Vertrag nehmen können.

Also: Acht FG-Werbung-Bundesländer sind unisono gegen eine Veränderung; die Wiener-FG-Werbung probt den Schritt zur Modernisierung.
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