Kassaei: „Es fehlt an Rückgrat“
 

Kassaei: „Es fehlt an Rückgrat“

Amir Kassaei, weltweiter Kreativchef der DDB geht mit der Werbewelt abermals hart ins Gericht

Amir Kassaei, Österreicher mit iranischen Wurzeln und weltweiter DDB-Kreativchef gilt als „Enfant terrible“ der Werbebranche. Von sich reden machte er nicht nur aufgrund seiner Vergangenheit als Kindersoldat im Iran unter dem Regime der Mullahs, sondern insbesondere auch aufgrund wiederholt provokanter Aussagen über die eigene Branche. Im aktuellen Interview mit dem „Süddeutsche Zeitung Magazin" geht der Kreative mit der Werbewelt erneut hart ins Gericht.

Für gesunkenes Ansehen selbst verantwortlich

„Dass unser Ansehen am Boden ist, liegt an uns selbst. Wir haben uns darauf verlassen, dass die Reise mit den Helmut-Lang-Anzügen, den weißen Porsches und den Kokslinien immer so weitergeht. Wir sind faul geworden. Statt Trends zu setzen, laufen wir ihnen hinterher“, kritisiert Kassaei und macht damit die Branche selbst dafür verantwortlich, nicht mehr dasselbe gesellschaftliche Ansehen zu genießen wie etwa vor 20 Jahren. Des Weiteren sei die Werbung – mit wenigen Ausnahmen wie etwa Jean-Remy von Matt – heut zu Tage so „langweilig und irrelevant wie eh und je“ – es fehle ihr insbesondere "an Rückgrat, Kunden zu sagen: Produziert keine heiße Luft.“

Kassaei nimmt Kollegen in die Mangel

Doch dem nicht genug: So bemängelt der DDB-Kreativchef nicht nur der Zustand der Werbebranche im Allgemeinen, sondern auch die Fähigkeiten jener, die dort tätig sind. Kassaeis Einschätzung nach sei die Werbebranche ein Schmelztiegel an Personen, die „nie was gerissen haben.“ „Mit dem großen Rest würden Sie nie im Leben freiwillig eine halbe Stunde ein Bier trinken wollen. Da gähnt Sie ein Vakuum an. Die richtig hellen Köpfe gehen heute nicht mehr in die Werbung“, so die kritisch-provokante Einschätzung des in New York lebenden Kreativen.

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