JWT`s Zukunftsprognosen
 

JWT`s Zukunftsprognosen

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Joerg Spreitzer mit den Zukunftstrends 2012 ©JWT
Joerg Spreitzer mit den Zukunftstrends 2012 ©JWT

Die WPP-Tochter präsentiert die aktuellen Konsumententrends 2012 aus Planningsicht.

Zum siebten Mal wirft die WPP-Tochter JWT einen Blick in die Zukunft und präsentiert zehn Trends für das Konsumverhalten 2012. Jörg Spreitzer, CEO JWT Wien und Prag: „Die JWT Trends basieren auf quantitativen und qualitativen Untersuchungen sowie Quellenanalysen, die weltweit durchgeführt wurden, der JWTIntelligence. Wie jedes andere komplexe und dynamische Phänomen, lassen sich Trends formen und mitbestimmen ... dazu muss man sie aber kennen.“ Und das sind die gefundenen Trends (eine zweimüntige Comic-Filmfassung davon findet man auf jwtintelligence.com):

1. Navigating the New Normal: Die „neue Normalität" wird zur anhaltenden Norm – das heißt, mehr Marken in unterschiedlichen Branchen werden auf einen extrem kostenbewussten Konsum eingehen. Abgespeckte Angebote, kleinere Verpackungseinheiten und generell leicht verfügbare Produkte und Dienstleistungen liegen im Trend. (Beispiel: In den USA bietet Heinz mehrere reduzierte Größen zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 99 Cent an, darunter einen 280g-Ketchup-Beutel und einen 250g-Beutel gelben Senf sowie Mini Worcester-Sauce und Heinz 57 Saucen.)

2. Live a Little: Nachdem Konsumenten ständig damit konfrontiert wurden, was sie tun sollen (mehr Bewegung, gesund essen etc.) und was sie nicht tun sollen (rauchen, zu viel Geld ausgeben etc.), haben sie von den gut gemeinten Ratschlägen genug. Die Konsumenten suchen nach Genussmomenten, ohne dafür viel geben zu müssen. Die Menschen haben mehr Selbst-Disziplin, setzen sich selbst mehr unter Druck und das führt dazu, dass man sich zeitweise einfach gehen lassen will ... also den täglichen Sorgen entflieht. (Beispiel: Whiskey in Südafrika, Premium-Bier in Großbritannien und billige Eclairs in Indien.)

3. Generation Go: Die Mittzwanziger meinen, schlechte Karten zu haben, und finden sich oft in wirtschaftlichen Extrem-Situationen. Aus Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit mit dem Status quo entsteht eine beispiellose unternehmerische Denkweise. Neue Technologien ermöglichen es, traditionelle Barrieren zur Selbständigkeit zu durchbrechen. Die sogenannte Lost Generation wird zur unternehmerischen Speerspitze der Gesellschaft. (Beispiel: Mehr als die Hälfte der Millennials in den USA sagen, dass sie, wenn sie Schwierigkeiten haben einen Job zu finden oder diesen verlieren, ihr eigenes Unternehmen gründen wollen.)

4. The Rise of Shared Value: Die Zeiten, in denen es gereicht hat, dass Unternehmen Schecks für gute Zwecke austeilen, sind vorbei. Geschäftsmodelle verschieben sich dahingehend, soziale Fragen in die Kern-Strategien zu integrieren. Das Ziel ist, gemeinsame Werte, sprich ein Konzept zu schaffen, indem Gewinnmaximierung und sozialer Fortschritt einander nicht ausschließen. (Beispiel: Philips arbeitet mit der niederländischen Regierung an erschwinglichen, nachhaltigen Energielösungen für rund 10 Millionen Menschen in 10 Ländern südlich der Sahara bis 2015.)

5. Food as the New Eco-Issue: Die Umweltauswirkungen unseres Konsumverhaltens in Hinblick auf Lebensmittel werden zu einem wichtigen Thema, nicht zuletzt weil Marken, Regierungen und NGOs mehr Bewusstsein schaffen. Welche Lebensmittel werden verkauft und wie werden diese hergestellt? Immer mehr Regionen kämpfen mit Nahrungsmittelknappheit oder Kostensteigerungen – das führt zu neuen Verkaufs-Modellen. (Beispiel: Die britische Supermarktkette Sainsbury bot im Jahr 2011 ihren Kunden, die nach Kabeljau, Schellfisch, Lachs, Thunfisch oder Garnelen fragten eine alternative, nachhaltige Art wie Hering oder Makrele kostenlos.)

6. Marriage Optional: Immer mehr Frauen sehen sich nicht mehr in der Rolle der Ehefrau. Die Ehe ist kein fixer Bestandteil der Lebensplanung – weder in der westlichen Welt noch im Osten. Neue Lebensformen wie Lebensgemeinschaften, Ein-Personen-Haushalte oder alleinerziehende Mütter bestimmen das Leben. (Beispiel: Im Jahr 2010 war ein Drittel der Japanerinnen um die 30 Single, 37 Prozent der taiwanesischen Frauen zwischen 30-34 waren Single.)

7. Reengineering Randomness: Der Konsument lebt in seiner individuellen persönlichen Welt und teilt Erfahrungen und Inhalte, die ihn interessieren mit einem ausgewählten Kreis an Menschen. Als Gegenpart zu dieser vermeintlichen Enge, kommt das Wiederentdecken von Zufällen, Inspiration und unterschiedlichen Standpunkten in unseren Welten. (Beispiel: Airtime, das am Ende des Jahres 2011 startet, wird als eine zufällige Echtzeit-Video-Chat-Plattform angekündigt, in der Fremde aufeinandertreffen.)

8. Screened Interactions: Immer mehr Flächen werden zu Bildschirmen und immer mehr Bildschirme werden interaktiv. Es wird zunehmend normal, sie zu berühren, und auch zu sprechen – die Interaktion mit öffentlichen Bildschirmen wird ein ganz normales alltägliches Verhalten. Gleichzeitigt eröffnet die Technik neue Möglichkeiten, Konsumenten zu informieren, zu motivieren und Kaufanreize zu setzen. (Beispiel: Im New Yorker Luxus-Kaufhaus Barneys gibt es ein Restaurant, das 30 individuelle Bildschirme auf einem großen Glastisch anbietet. Gäste können digital bestellen und durch den Kaufhaus-Katalog surfen, während sie essen.)

9. Celebrating Aging: Menschen aller Altersstufen bewerten das Älterwerden neu. Demografische und kulturelle Veränderungen und der medizinische Fortschritt sorgen für eine Neubewertung und eine Änderung unserer Einstellungen. Wir lassen das Alter auf uns zukommen und zählen auf die Meinung älterer Personen. (Beispiel: Die polnische Biermarke Z?ywiec präsentierte eine Kampagne mit dem Claim: “Der Beste ist vor dir” – die Spots zeigten ältere männliche Prominente, Schauspieler, Boxer ... die über ihr Leben sprechen, Einblicke geben und Ratschläge.)

10. Objectifying Objects: Physische Objekte werden ersetzt durch digitale oder virtuelle Pendants. Das Resultat sind „motivational objects“, Elemente, die zwar digital sind, aber die wahrgenommene Wertigkeit erhöhen und digitale Tools, die das Schaffen physischer Dinge erlauben. (Beispiel: Sincereley’s Postagram Apps geben die Möglichkeit, Postkarten zu erstellen und diese als echte physische Karte an Freunde zu schicken.)
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