Im Fokus Oberösterreich: Heimat kreativer Ide...
 
Im Fokus Oberösterreich

Heimat kreativer Ideen

Karin / stock.adobe.com

Kein Underdog, sondern oft kreatives Zentrum des Landes: Oberösterreichs Agenturchefs über Wertschätzung für ihre Arbeit und Kreation im Bundesland. Ein Rundruf.

Ja, das komme „immer wieder einmal vor“, dass Oberösterreich als Agenturstandort wenig wertgeschätzt wird, bekennt Paul ­Lanzerstorfer, CEO von Pulpmedia. „Es ist manchmal tatsächlich leichter, einen Kunden in Deutschland, egal ob München oder Berlin, zu gewinnen als in Wien.“ Auch Ino Karning, Geschäftsführer der Agentur Fredmansky, kann das unterstreichen. Gerhard Preslmayer, Geschäftsführer SPS-Marketing, bedauert die Tatsache gleichfalls: „Zum Teil ja, obwohl großartige Leistungen und hochprofessionelle Menschen in der Kommunikationsbranche arbeiten. Aber wie bei einer Unternehmensmarke oder Produktmarke ist die Positionierung und das Image ein wichtiger Faktor in der Wahrnehmung und Einordnung. Linz und Oberösterreich hat diesbezüglich noch Aufholbedarf, das kann die Kommunikationsbranche alleine nicht leisten.“

Ein schlechtes Kreativimage Oberösterreichs bestreitet indes Rainer Reichl, CEO von Reichl und Partner, vehement: „Das sehe ich anders, ganz im Gegenteil: Wir liegen für viele Kunden inmitten von Österreich, das erleichtert Meetings mit Vertriebspartnern und auch die Zusammenarbeit mit uns Agenturen. Zudem haben wir ein sehr wertvolles Umfeld, was die Rekrutierung bestens ausgebildeter Marketing- und Informatikstudenten betrifft. Auch in Sachen Kreation haben wir gute Möglichkeiten, Mitarbeiter zu ­rekrutieren.“ Für Bernhard Buchegger von der Gruppe am Park „brummt“ Oberösterreich gar. Das Bundesland sei nicht nur als Wirtschaftszentrum Nummer eins von Österreich, sondern „es entstand in den letzten Jahren durch den Nährboden von Ars Electronica Center, Softwarepark Hagenberg, Tabakfabrik und der Positionierung der Stadt als Unesco City of Media Arts eine unglaubliche Dynamik“. Innovative Ideen hätten sich mit Bodenständigkeit und der Mentalität einer Arbeiterstadt gepaart.

Oberösterreich: kein ‚Underdog‘

Für Buchegger habe genau diese Mischung ein „enormes Kraftpotenzial.“ Im Gegensatz dazu schlafe der Rest des Landes, sagt er. „Ich merke aus Gesprächen mit Wiener Kollegen, dass diese Kenntnis zwar in Ansätzen außerhalb Oberösterreichs vorhanden ist, dennoch werden wir immer noch als ‚Underdog‘ gesehen. Wir erleben mehr und mehr einen Imagetransfer durch die Dynamik der Region. Aus diesem digitalen, querdenkenden Epizentrum zu kommen, macht uns sexy und interessant.“ Die Lage ist für Reichl sogar von zentraler Bedeutung: „Wir sind in München nahezu genau so schnell wie in Wien. Dazu kommt, dass wir 40 Minuten brauchen, wenn wir ins Salzkammergut wollen, das ist Lebensqualität pur.“ Paul Lanzerstorfer merkt freilich an: „Der Lockdown hat gezeigt, dass es völlig egal ist, wo jemand sitzt.“ Wer dieses Argument vorschiebe, sei nicht ehrlich.

Während Ino Karning im Rekrutieren des Nachwuchses „eine sehr große Herausforderung“ sieht, sind sich Reichl und Lanzerstofer in diesem Zusammenhaang einig. Reichl betont, dass Linz von der Unesco mit dem Weltkulturerbe für Digital Media und Digital Arts ausgezeichnet wurde. „Im Umfeld haben wir tolle Universitäten, FHs und was man sich sonst noch wünscht.“ Für ­Lanzerstorfer wiederum gibt es wirklich gute Absolventen der Fachhochschule Oberösterreich, der Kunst-Uni und der Kepler-Universität, aber auch Oberösterreicher, die beispielsweise in Wieselburg, St. Pölten oder Salzburg studieren, seien ausgezeichnet. SPS-Marketing-Chef Preslmayer meint allerdings, dass sich „Talente schlecht binden lassen, auch wenn die Unternehmenskultur passt und die Aufgaben spannend sind. Wenn man Glück hat, können ‚Heimkehrer‘, die vielleicht aus privaten Gründen nach Oberösterreich zurückkehren, rekrutiert werden“.

Hidden Champions als Kunden

„Unsere Kunden sind großteils in der D-A-CH-Region und in Europa tätig, acht Hidden Champions dürfen wir weltweit begleiten“, erzählt Reichl mit Stolz. Die aktuelle Auftragslage bewertet er durchaus positiv: „Es wird machbar sein, in allen Bereichen positiv zu bilanzieren, ohne dass wir heuer allzu große Ergebnisse erzielen können. Aber das macht uns trotzdem sehr stolz.“

Auch Lanzerstorfer und Karning sind optimistisch. „Unser Ausblick für 2021 ist zuversichtlich“, erklärt Karning. Lanzerstorfer bewertet die aktuelle Situation als „sehr gut“. „Wir haben uns zur richtigen Zeit auf das Videomarketing spezialisiert. Ich erwarte mir einen guten Geschäftsabschluss“. Preslmayer bewertet die Situation sowohl für seine Kunden als auch für die Agentur als „sehr herausfordernd“: Dieses Jahr werde sicher kein Jubeljahr, allerdings „bin ich optimistisch, dass sich dies im kommenden Jahr wieder drehen wird. Jedenfalls sind unsere Kunden hochinnovative Unternehmen und auch Unternehmer, wo wir gemeinsam neue Strategien entwickeln und vielleicht auch die eine oder andere Transformation schneller vorantreiben, als ursprünglich geplant war“.

Motivator Caesar

Und welche Rolle spielt der Werbepreis Caesar im Land (Preisträger ab Seite 20)? Für Karning ist es „vor allem für das Team eine schöne Belohnung“. Für Lanzerstorfer haben diese Preise „immer in der Branche mehr Bedeutung als außerhalb. Es ist eine nette Anerkennung. Ich freue mich für jeden, der einen Caesar gewinnt, weil die Kreativleistung viel zu selten wirklich honoriert wird.“ Auch Preslmayer argumentiert in diese Richtung: Auszeichnungen seien Balsam für jeden Beteiligten, sowohl auf Kundenseite als auch bei allen Mitwirkenden in der Agentur. Nur Reichl bleibt nüchtern: „Man darf das nicht überschätzen. Die Kunden kommen zu uns, nicht um Preise zu gewinnen, sie wollen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.“
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