Heimat Wien steht in den Startlöchern
 

Heimat Wien steht in den Startlöchern

Heimat Wien
Georg Feichtinger und Markus Wieser fungieren als Managing Partner der Agentur Heimat Wien.
Georg Feichtinger und Markus Wieser fungieren als Managing Partner der Agentur Heimat Wien.

Die Heimat-Gruppe gilt als eine der Top-Kreativschmieden im deutsch­sprachigen Raum. Nun haben Markus Wieser und Georg Feichtinger in Wien einen Standort aufgebaut, der bereits seit mehreren Monaten intensiv am Werken ist

Monatelang war die Gerüchteküche am Brodeln – nachdem die Drogeriekette Bipa Anfang Februar dieses Jahres per Zeitungsinserat einen offenen Wettbewerb für ihren Etat ausschrieb, hieß es eine Weile später, dass der Auftrag, der zuvor bei Demner, Mer­licek & Bergmann lag, an Heimat gegangen sei. Und zwar nicht an Heimat Berlin, Heimat Hamburg oder Heimat Zürich, sondern an Heimat Wien. Man munkelte, Markus Wieser, zuletzt Managing Director von Jung von Matt/365, und Georg Feichtinger, als langjähriger und vielfach prämierter Creative Director bei Jung von Matt bekannt, seien bereits seit Monaten eifrig dabei, die Agentur aufzubauen und mit ersten Kunden zusammenzuarbeiten – doch die beiden hielten sich bis zuletzt bedeckt.

Mit dem Launch der neuen Mjam-Kampagne Anfang September – kreiert von ja, Heimat Wien, bestätigten sich diese Gerüchte schlussendlich. HORIZONT traf sich mit den beiden Teilhabern Markus Wieser und Georg Feichtinger, um über die Vision der neuen Agentur, ihre Partnerschaft mit der Agenturgruppe Heimat und die ersten Kunden zu sprechen.

Partner statt Filiale

„Wir beide haben uns an einem beruflichen Scheideweg befunden und überlegt, wie es weitergehen kann. Aufgrund unserer sehr ähnlichen ­Visionen war relativ bald klar, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen“, so Managing Partner Georg Feichtinger über die Beweggründe, Heimat Wien zu gründen. Sowohl für die beiden Werber selbst als auch, wie sie sagen, für den österreichischen Agenturmarkt sei es Zeit für Veränderung gewesen. „Unsere Partnerschaft mit der Agenturgruppe Heimat hat sich dann schnell ergeben. Wir haben gefragt, ob sie sich vorstellen können, den Weißwurst-Äquator zu überqueren. Und statt eines zögerlichen ‚Ja, vielleicht‘, kam ein entschiedenes ‚Klar. Wann legen wir los?‘“, erklärt Wieser – unkompliziert und ohne lange zu fackeln war Heimat Wien geboren.

Für jene, die es vielleicht nicht wissen, ein kurzer Exkurs: Die Agentur Heimat wurde 1999 in Berlin als Ausgründung der damaligen Superstar-Agentur Springer & Jacoby gegründet. 16 Jahre später hat Heimat Standorte in Berlin und Hamburg mit 230 Mitarbeitern und zählt neben Jung von Matt zu den meistdekorierten Krea­tivagenturen Deutschlands. Der absolute Starkunde von Heimat Deutschland ist Hornbach, derzeit in Neuauflage auch im österreichischen Werbefernsehen zu sehen. Auf der Kundenliste in Deutschland stehen neben anderen adidas, Audi, Burger King, Ferrero, Otto-Versand oder Rewe.

Die Agentur will dabei dezidiert nicht als Wien-Dependance der Heimat-Gruppe bezeichnet werden, denn man sei weit entfernt davon, eine lokale Filiale eines Netzwerks zu sein. Heimat Wien arbeitet autark und hat, wie die beiden Teilhaber erklären, ihre ganz eigene Handschrift, ihre eigene Kultur und DNA – „so wie jede Agentur, die bis dato zur Heimat Familie gehört, ob in Deutschland oder in der Schweiz. Und so wird es auch in Österreich sein“, wie Wieser betont. Was Heimat Wien mit dem Partner verbinde, seien gemeinsame Wertvorstellungen und die Möglichkeit, auf die Unterstützung der Agenturgruppe zurückzugreifen. Managing Partner Markus Wieser schildert, wie sich dieser Support gestaltet: „Die Heimat-Gruppe verfügt über fantastische kreative Ressourcen, die zu den besten im deutschsprachigen Raum gehören, ebenso ist sie strategisch stark aufgestellt und verfügt mit Heimat Vertical über eine großartige Digital Unit“ – darauf zugreifen zu können, sei besonders in der Anfangsphase besonders wertvoll.

Agentur für Veränderung

Markus Wieser, der bei Heimat Wien Strategie und Beratung verantwortet, Georg Feichtinger, der sich um das kreative Produkt kümmert, und die Agenturgruppe Heimat eint eine gemeinsame Vision, die von Feichtinger folgendermaßen erklärt wird: „Wir verstehen uns als Agentur für Veränderung, die sich nicht auf Disziplinen beschränkt sondern Marken aus einer Business-Perspektive ganzheitlich betreut. Wichtig ist uns auch, nur wirklich relevante Kreation zu liefern – denn Kreativität ist immer wichtig, aber nie Selbstzweck. Wir gehen Kreation sehr fundiert an, immer basierend auf einer schlau durchdachten Strategie.“

Umfassende Erfahrung im kreativen Bereich bringt Feichtinger als ehemaliger CD bei Jung von Matt (unter anderem Gewinner des ersten CCA Grand Prix), sowie aus seinen zahlreichen Freelance-Projekten für renommierte Adressen Österreichs mit, während Markus Wieser bedingt durch viele Jahre im Ausland (u.a. bei VCCP Berlin, Jung von Matt Hamburg, BBDO Berlin und OMD London) internationale Perspektive und medienübergreifendes Know-How einbringt. „Angesichts der immer komplexer werdenden Mediennutzung ist es durchaus hilfreich, wenn man hier kompetent konzipieren kann. Schließlich beeinflusst die Mediaplanung das kreative Produkt maßgeblich“, meint Feichtinger, worauf Wieser ergänzt: „Was uns eint, ist die große Leidenschaft für das, was wir tun. Wir sind eigenwillige Köpfe, bewegen uns in unseren jeweiligen Disziplinen recht sicher und wissen, was zu tun ist. Die Partnerschaft zwischen uns ist ideal, weil wir uns auch als Persönlichkeiten ergänzen und unterschiedliche Stärken haben.“

Team aus ‚modernen Hybriden‘

Heimat Wien, das sind längst nicht nur die beiden Managing Partner, sondern ein soweit siebenköpfiges Team an „Mitstreitern in guter Sache“, wie Markus Wieser sie nennt. „Uns war von Anfang an klar, dass wir nach modernen Hybriden mit verschiedenen Backgrounds und bereichernden Perspektiven suchen, nicht nach festgefahrenen Fachidioten“, erklärt Wieser die Herangehensweise bei der Zusammenstellung der Belegschaft. „Wir freuen uns weiterhin auf viele frische Talente und Querdenker, die mit Konventionen brechen wollen und Veränderung suchen.“ hängt Feichtinger an.

Was die Endausbaustufe betrifft, hat Heimat Wien keine quantitative Größenordnung festgelegt – das Ziel sei es, groß genug zu werden, um weitere große Marken ganzheitlich führen zu können, „andererseits aber klein genug zu bleiben, um als kreativer Hot-Shop wirklich nur die Projekte annehmen zu müssen, für die wir der 100 Prozent richtige Partner sind“, ergänzt Wieser. Entgegen verschiedener Gerüchte steht bereits seit einer Weile fest, wo die neue Agentur ihre Zelte aufschlagen wird – und zwar im zweiten Wiener Gemeindebezirk. „Derzeit sind wir mit Künstlern, Designern und Architekten zu Gange und gestalten unser Zuhause ganz nach unseren Vorstellungen und entsprechend unserer Arbeitsweise. In der Zwischenzeit haben wir uns in einem Co-Working-Space einquartiert – eine sehr bereichernde Erfahrung, da wir so im permanenten Austausch mit jungen Start-Ups stehen. Dadurch ist ein Spirit entstanden, den wir uns auch für die Zukunft erhalten wollen. Bis wir umziehen, dauert es wohl noch ein paar Wochen, aber das ist uns egal – wichtig ist, dass wir schon voll am Machen sind“, so Wieser.

Bipa-Etat geht an Heimat Wien

„Voll am Machen“, das ist Heimat Wien bereits seit Frühjahr dieses Jahres. Großteils hält sich die Agentur, was ihre Kunden betrifft, noch bedeckt und will über die Aufträge erst dann sprechen, wenn Ergebnisse zu sehen sind. On Air ist mittlerweile die Kampagne für mjam, eine Zusammenarbeit, die sich „so ergeben hat, wie man es sich als Agentur nur wünschen kann und wie es in Zukunft hoffentlich öfter ablaufen wird. Wir haben uns zum Kennenlerngespräch getroffen und uns schon im Zuge dessen statt der üblichen Selbstvermarktung lieber der Herausforderung gewidmet, eine merkfähige und merkwürdige Kampagne zu launchen, die mjam als Online-Essens-Bestellportal in möglichst kurzer Zeit und nachhaltig in aller Munde bringt. Wir konnten damit so schnell überzeugen, dass vom geplanten Pitch abgesehen wurde und uns der Auftrag an Ort und Stelle zugesagt wurde“, erzählen die beiden Managing Partner. Herausgekommen ist eine Kampagne, die polarisiert und von sich reden macht – „das ist für einen Werber die schönste Belohnung. Und beweist auch einmal mehr: wer auffallen will, darf nicht allen gefallen wollen“, sagt Wieser.

Und was ist nun dran an den Gerüchten, Heimat Wien habe sich den Etat der Rewe-Drogeriemarktkette Bipa gekrallt? „Viel und darüber freuen wir uns sehr. Wir befinden uns hier schon mittendrin im Arbeitsprozess, der nicht auf klassische Kommunikation beschränkt ist. Gemeinsam mit dem Kunden sind wir in vielfältigen Handlungsfeldern tätig. Als Agentur sprechen wir nicht gerne über ungelegte Eier, was wir aber sagen können ist, dass wir uns mit Bipa so richtig viel vorgenommen haben und es auch richtig gut wird – aber mehr dazu Anfang 2016“, zeigt sich Wieser begeistert – man darf also gespannt sein.

Breites Kundenportfolio

Heimat Wien will sich, das betonen die beiden Teilhaber immer wieder, nicht auf bestimmte Branchen beschränken. Was das Kundenportfolio betrifft, kann man für die Bereiche Retail, Telekommunikation, Finanz und Technologie zwar die entsprechende Erfahrung und Ressourcen anbieten, allerdings will man, „ein ausgewogenes Portfolio aufbauen, um eine möglichst breite Klaviatur bespielen zu können und nicht immer ausschließlich das Gleiche zu machen“, erläutert Wieser. Georg Feichtinger wiederum würde sich in Zukunft auch über Projekte im kulturellen Bereich freuen, ebenso über weitere Aufträge mit gemeinnützigem Ziel, ähnlich wie im Frühsommer in Kooperation mit der Plattform gegen-unrecht.at, einer Initiative der Caritas, Amnesty International, dem SOS Kinderdorf, der Diakonie und dem Österreichischen Roten Kreuz. Für diese Plattform hat Heimat Wien eine Social Media-Kampagne umgesetzt, die im Frühsommer auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam gemacht hat, darüber hinaus verantwortete die Agentur im Zuge des Welt-Flüchtlingstags am 20. Juni gemeinsam mit dem Standard eine „ebenso berührende wie innovative Inszenierung. User, die eine Anzeige oder einen Banner der Initiative wegklicken wollten, wurden dadurch überrascht, dass alle redaktionellen Bilder gegen Bilder von hilfesuchend aus dem Wasser ragenden Händen ausgetauscht wurden“, so Georg Feichtinger über eine Umsetzung, die den beiden ein persönliches Anliegen war. Im Gespräch mit HORIZONT deutet die Agentur außerdem an, maßgeblich Erneuerung des Magazins Wiener mit den neuen Eigentümern beteiligt zu sein – auch davon wird man in den kommenden Monaten sicher mehr hören.

Was sich mit Blick auf die bereits bekannten Kunden zeigt, und sich auch im Gespräch mit Heimat Wien bestätigt: die Agentur will nicht als lokaler Erfüllungsgehilfe für bereits bestehende Heimat-Kunden fungieren, sondern sich vorrangig eigene Mandate erarbeiten. Dazu erklären die beiden Managing Partner: „Wenn es einmal Bedarf geben sollte, eine deutsche Kampagne für Österreich anzupassen, dann machen wir das natürlich gern. Aber es ist nicht unser vorrangiges Ziel.“

Eigene Handschrift bewahren

Mit dem Namen Heimat sind im deutschsprachigen Raum, nicht zuletzt durch die allseits bekannte Hornbach-Kampagne und der mehrfachen Auszeichnung als „Agentur des Jahres“, hohe Erwartungen verbunden – und damit auch hoch gesteckte Ziele. „Mittelfristig wollen wir natürlich weitere, interessante Aufgabenstellungen als Agentur lösen dürfen und langfristig haben wir uns das Ziel gesetzt, dabei der junge, von Leidenschaft getriebene, kreative Start-up-Haufen der wir heute sind, zu bleiben. Wir wollen die Top-Adresse für kreative wie relevante Veränderung in Österreich werden, mit demselben Anspruch, den man auch an Heimat Berlin stellt – aber mit eigener Handschrift“, erklären Markus Wieser und Georg Feichtinger abschließend.
Für die Plattform gegen-unrecht.at hat Heimat Wien im Frühsommer eine Social-Media-Kampagne umgesetzt.
Heimat Wien/gegen-unrecht.at
Für die Plattform gegen-unrecht.at hat Heimat Wien im Frühsommer eine Social-Media-Kampagne umgesetzt.
Die neu gegründete Agentur ist maßgeblich an der Erneuerung des Magazins Wiener beteiligt – mehr dazu in den nächsten Monaten.
Heimat Wien/Wiener
Die neu gegründete Agentur ist maßgeblich an der Erneuerung des Magazins Wiener beteiligt – mehr dazu in den nächsten Monaten.
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