FV & APA: Demner antwortet
 

FV & APA: Demner antwortet

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M. J. Demner: "Es ist also völlig korrekt vorgegangen worden und ich ersuche Sie, dies entsprechend wiederzugeben." (c) DM&B
M. J. Demner: "Es ist also völlig korrekt vorgegangen worden und ich ersuche Sie, dies entsprechend wiederzugeben." (c) DM&B

Fachverbands-Obfrau Angelika Sery-Froschauer meldete sich gestern Dienstag, den 17. August, zum leidigen Thema „Ausschreibungen und Etatvergaben der öffentlichen Hand“ zu Wort – HORIZONT-Online kommentierte die Aussendung (die im Wortlaut beigefügt war) – dazu eine weitere kommentierende Betrachtung von Herwig Stindl.

Wie es – leider – bei komplexen Themen allzugerne (des Effekts wegen?) passiert:Ein virulentes Thema der Kommunikationsbranche wird in der Kolportage diskreditiert. Dass im Sinne der Kommunikationsbranche (aber auch von öffentlichen Stellen) das sogenannte „Bundesvergabegesetz“ dringend reformiert werden sollte und eine Überarbeitung (samt verbindlichen Anwendungs-Pflichten) des vom Fachverband vor über fünf Jahren vorgestellten „Kodex K“ als Richtlinie für faire (und sinnvolle) Ausschreibungen von Kommunikationsetats seitens öffentlicher Stellen ansteht – allerhöchster Handlungsbedarf. Dass bei Anregung dieses Themas mehr Kolportage als Faktizität entsteht - s´wär net Wien (hier wirklich von Rest-Österreich zu trennen).

Also: Sery-Froschauer regt an, die APA kolportiert - etat.at schreibt nach - und Mariusz Jan Demner antwortet auf Abfrage von HORIZONT Online sinngemäß: Das lasse ich so auf mir nicht sitzen, ich bin erzürnt und wehre mich!

HORIZONT Online präsentiert die Genese:

Als Kammervertreterin sind für Sery-Froschauer alle Mitglieder „gleich“, sie hat Neutralität zu wahren. So tut sie sich bei der Benennung von Anlassfällen schwer – „unter 3“, wie wir Schreiberlinge (soweit wir ein Stückchen Presse-Kodex in Leib und Hirn haben) es nennen, wurden seitens Gesprächspartnern aus der Kammer (nicht Sery-Froschauer) die Ausschreibungen der ÖW und der Münze Österreich aus dem Frühjahr, weiters konkret die 100-Millionen-Umsatz-Hürde in der Ausschreibung des Media-Etats der Nationalbank (bei einem ausgeschriebenen Volumen von 1,5 Millionen Euro) sowie, last but not least, die (aktuelle) „Regierungskampagne“ unter der Headline „Für Österreich erreicht“ genannt – samt „kolportierten 5 Millionen Euro“ Budget. Dieses wäre freihändig und ohne Ausschreibung an D, M & B sowie deren Media1 vergeben worden.

Der Ordnung halber: HORIZONT Online wurde "unter 3" darauf aufmerksam gemacht, dass der FV und Sery-Froschauer ihre Aussendung nicht zuletzt als Reaktion auf Beschwerden von Kammermitgliedern rund um aus deren Wahrnehmung intransparente oder diskriminierende Ausschreibungen/ Vergaben (soweit dies zutrifft, Anm. hs) im Dunstkreis der genannten vier und weiteren öffentlicher Stellen formulierte.  

Die APA „kolportiert“  

Die Kollegen der APA waren fleißig, und so sieht ihre Textierung aus (bitte mit dem Original – nachzulesen hier – vergleichen!):
 

„Kommunikationsbranche zürnt Bundesregierung wegen Inseratenvergabe   Fachverband: Imagekampagne ohne Ausschreibung =  

Wien (APA) - Die Kommunikationsbranche ist verstimmt wegen der Vergabe von Aufträgen durch die Bundesregierung. Stein des Anstoßes ist die Imagekampagne der Koalition, die Anfang August im großen Stil unter dem Motto "Für Österreich erreicht" fast flächendeckend in Tageszeitungen für die eigenen Leistungen warb. Der Auftrag für die Kampagne sei ohne Ausschreibung freihändig vergeben worden, kritisierte der Fachverband für Werbung und Marktkommunikation am Dienstag.  

Die Vergabe für die Gestaltung der Kampagne ("Kreativleistung") wie auch der Auftrag für die Mediaplanung - also die Schaltung der Inserate - sei ohne Ausschreibung vonstattengegangen. Der Auftrag hatte ein kolportiertes Volumen von fünf Millionen Euro, zum Zug kam dem Vernehmen nach Demner, Merlicek und Bergmann sowie eine nahestehende Mediaagentur.  

Ein weiterer Fall betrifft die Nationalbank, die bei der Ausschreibung für einen Mediaplanungsauftrag als Bedingung für die Bewerber festschrieb, dass diese einen Mindestumsatz von 100 Mio. Euro haben müssten. Bei einem geschätzten Auftragsvolumen von 1,5 Mio. Euro sei dies viel zu hoch angesetzt. Üblich sei höchstens das vierfache des Auftragsvolumens, also in dem Fall ein Jahresumsatz von bis zu sechs Millionen Euro. Mit der Schwelle 100 Mio. Euro kämen höchstens sechs potenzielle Bewerber infrage, hieß es aus der Wirtschaftskammer. Fachverbandsobfrau Angelika Sery-Froschauer fordert eine Reform des Vergaberechts und der Vergabepraxis.
(Schluss) pwi/bru/ham APA0436    2010-08-17/16:25“  

Zitat Ende.  

Etat.at und Der Standard legen nach  

Zitat Zwei, das machen dann „Onliner“ draus (Zitat aus derStandard.at/etat):


„Regierungskampagne: Fachverband protestiert 17. August 2010, 18:49 Freihändig Werbe- und Mediaaufträge vergeben

Wien - Freihändig vergab die Bundesregierung Werbe- und Mediaaufträge: Das bringt Angelika Sery-Froschauer, neue Chefin des Fachverbands Werbung, auf die Palme: "Diese Aufträge müssen daher nach klaren und nachvollziehbaren Regeln vergeben werden. Alles andere ist Verschwendung von Steuergeldern."
(red/DER STANDARD; auch wortgleich, Anm.hs in der Printausgabe, 18.8.2010)  

Zitat Ende.  

Vielleicht sollte man den beim Anlassfall „Regierungskampagne“ be- aber nicht angesprochenen Mariusz Jan Demner zu Wort kommen lassen. Nachstehend Demner zu HORIZONT-Online im Wortlaut:  


Mariusz Jan Demner antwortet, von HORIZONT Online gefragt  

„Unsere Agentur ist im Falle der erwähnten Kampagne für die Bundesregierung tätig geworden. Das von ihnen (sorry, von der APA, Anm. hs) kolportierte Schaltvolumen lag - jederzeit nachvollziehbar - tatsächlich bei einem Bruchteil der ihnen genannten Summe, das Agenturhonorar weit unter jener Grenze, die eine Ausschreibung bedingen würde.
Von unserer Leistungsfähigkeit konnte man sich u.a. auch im Rahmen einer Ausschreibung für eine Regierungskampagne im Vorjahr überzeugen, zu der mehrere Agenturen geladen waren. Diese Ausschreibung wurde nach erfolgter Konzept-Abgabe widerrufen, weder wir noch andere Agenturen haben einen Auftrag bekommen. Die beabsichtigte Kampagne wurde damals nicht durchgeführt.
Es ist also völlig korrekt vorgegangen worden und ich ersuche sie, dies entsprechend wiederzugeben.
Dem "zürnenden" Fachverband empfehle ich, vor der Verbreitung sachlich nicht haltbarer Anwürfe mit seinen betroffenen Mitgliedern Kontakt aufzunehmen, um den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Wir fühlen uns von unserer Vertretung in diesem Fall nicht vertreten sondern diskreditiert.“  

Zitat Ende.  

Ad 1: Die Ausschreibungs- und Vergabe-Praxis der öffentlichen Hand hat einen zu großen Stellenwert, um im Gerede zu sein – Sery-Froschauer ist zu wünschen (und der Fachverband zu unterstützen), dass der „Kodex K-neu“ (und Verbindlich!) ehestmöglich kommt.  

Ad 2, allerdings: Der Nachsatz von M. J. Demner sollte genauso auf der Agenda stehen. Leider sind auch Kommunikatoren vor dem allzumenschlichen Laster des Neidgefühls nicht gefeit – Nachfragen bei „Gemunkel“ über Etat-Größen & -Vergaben sollte eigenlich Pflicht sein.
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