Führen lernt man, indem man es tut
 

Führen lernt man, indem man es tut

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Die IAA-Marketerin des Jahres heißt Tanja Sourek, Bereichsleiterin Marketing Communications A1 Telekom Austria AG. HORIZONT hat sie interviewt.

HORIZONT: Gratulation zur Auszeichnung. Wie sehr freut es Sie, Marketerin des Jahres zu sein?

Tanja Sourek: Freut mich sehr, weil es zwar viele Werbepreise gibt, aber nur wenige, die wirklich eine Auszeichnung bedeuten wie diese.

HORIZONT: Sie sind bereits sehr lange in einer Marketingfunktion im Telekom-Geschäft aktiv. Ist Marketing, auch ­wegen der Vielfalt der Kommunikationskanäle, heute schwieriger als noch vor ein paar Jahren? Verliert man da gar die Übersicht?

Sourek: Nein, die Übersicht verliert man nicht, weil es viele Erfahrungswerte gibt. In unserem Business ist die Taktung sehr schnell. Die Netzbe­treiber haben dementsprechend viele Kampagnen on air. Unsere Aufgabe ist es, sehr rasch Bekanntheit für ein ­bestimmtes Thema aufzubauen. So spielt Netzqualität bei uns eine wichtige Rolle und dieses Thema findet sich in jeder Kampagne. Wir bedienen uns ­eines bestimmten Mediamixes, bei dem es einige fixe Parameter gibt, von denen wir wissen, wie sie funktio­nieren. Aber wir probieren auch neue Dinge aus.

HORIZONT: Was bedeutet das konkret auf Kanäle umgelegt?

Sourek: Für uns sind Fernsehen und Online die Haupttreiber. In den letzten Jahren diskutieren wir hingegen den Anteil von Print immer wieder. Wir ­setzen mittlerweile crossmediale Kampagnen auch mit einem bedeutend ­geringeren Printanteil um. Unsere Post-Tests und Sales-Zahlen zeigen, dass dies sehr gute Kombinationen sind. So etwas hätten wir vor zwei, drei Jahren noch nicht angedacht. In bestimmten Bereichen – etwa für das Business-Segment – ist Print wiederum höchst relevant.

HORIZONT: Wird Print im Werbemix unwichtiger?

Sourek: Ich glaube, dass eine Tageszeitung als Medium natürlich eine hohe Qualität hat, nämlich die haptische Qualität, die nach wie vor Relevanz hat und in Zukunft haben wird. Ich selbst lese Nachrichten allerdings ausschließlich online. Aber am Wochenende gönne ich mir die Lektüre einer Tageszeitung. Und das sehe ich als Chance für die Verleger, die sie nützen sollten. Eine solche Lesesituation ist deutlich qualitätsvoller, als wenn man kurz ­etwas im Internet recherchiert oder dort nur die neuesten Nachrichten durchsieht.

HORIZONT: Ihre erste berufliche Station war die Grafik bei der Salzburger Werbeagentur Grill und Gull. Wie kommt man von dort ins Marketing?

Sourek: Für mich war nach der Matura klar, dass ich in der Kreation arbeiten möchte. Also habe ich in Linz das zweijährige Kolleg für Grafik- und Kommunikationsdesign gemacht. Dabei habe ich mich sehr intensiv mit Typografie, Illustration, Fotostilistik und der­gleichen auseinandergesetzt. Danach wollte ich noch studieren. Mich hat der theoretische Background zu Kommunikation interessiert – und ich habe dann Kommunikationswissenschaften in Salzburg studiert. Im Nebenjob habe ich bei Grill und Gull gearbeitet. Einer der Kunden war die Wirtschaftskammer – mit ihren vielen Sektionen und Fachverbänden und mit einem neuen Corporate Design. Für die mussten wir den gesamten Auftritt auch Windows-kompatibel machen – eine Heiden­arbeit! Aber damals habe ich gelernt, Produktionsabläufe einzuschätzen und auch, was in der Bildbearbeitung wirklich möglich ist. Auch wenn die Technologie heute eine andere ist.

HORIZONT: Sie haben gleich nach dem Studium bei der mobilkom austria ­angefangen.

Sourek: Ja, damals war bei der mobilkom austria eine „Mitarbeiterin Corporate Identity“ ausgeschrieben. Es ging auch um die Umsetzung der Grafik im Haus und Agentursteuerung für Corporate Design. Durch meine Ausbildung war das ideal für mich. Das war dann mein erster fixer Job. Danach bin ich von der mobilkom austria zur Telekom Austria und dann kurzzeitig zur OMV. Von der OMV bin ich wieder ­zurück zur Telekom Austria und war für die klassische Werbung verantwortlich. Als 2006 mein Sohn geboren wurde, habe ich mich für ein Jahr ausgeklinkt. 2007 kehrte ich wieder zurück, gerade rechtzeitig, um die nächste Umorganisation mitzuerleben! Damals wurde Hannes Ametsreiter, der damals CEO der mobilkom austria war, auch Generaldirektor der Telekom Austria. Das war dann der Startschuss für die Fusion der beiden Unternehmen, die 2010 stattgefunden hat.

HORIZONT: Wie haben Sie dieses Jahr erlebt?

Sourek: Das war für mich dann sicher das spannendste Jahr meiner bis­herigen beruflichen Laufbahn. Denn Hannes Ametsreiter hat mir die ­Bereichsleitung anvertraut, worüber ich mich sehr gefreut habe, auch wenn mir gleichzeitig klar war, dass ich weniger Zeit für meinen kleinen Sohn haben werde.

HORIZONT: Wohl aber auch eine riesige Herausforderung, schließlich mussten Sie zwei Teams aus zwei verschiedenen Unternehmenskulturen zu einem formen.

Sourek: Ich wusste, dass die Arbeitstage lang werden. ­Beruflich habe ich in dieser Zeit gelernt, dass der Erfolg nicht unbedingt ausschließlich im Kosteneffizienz-Management liegt, sondern in der Geduld und im Gehör für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – verbunden mit einer klar formulierten Vision und klar formulierten Zielen. In einer solchen Phase lernt man Führung, indem man es tut.

HORIZONT: Wie ist eine solch extreme berufliche Herausforderung mit dem Familienleben vereinbar? Können Sie hier Tipps geben?

Sourek: Leider nein, weil ich finde, es geht eigentlich nicht. Bei uns kommt noch dazu, dass mein Lebensgefährte und ich beide aus Oberösterreich sind und wir daher kein „Oma-Netzwerk“ in Wien haben. Mein Lebensgefährte ist selbstständiger Architekt. Er hat auch phasenweise extrem viel zu tun und manchmal weniger, aber darauf kann man keine regelmäßige Kinderbe­treuung aufsetzen. Wir wollten deshalb unbedingt eine dritte Bezugsperson für meinen Sohn haben, also haben wir uns für eine Leihoma entschieden. Das funktioniert gut – unsere Leihoma ist wie eine dritte Oma. Aber natürlich hätte ich gern mehr Zeit mit meinem Sohn. Die Unternehmenshaltung ist aber sehr hilfreich: Es wird nicht erwartet, dass ich zu bestimmten Zeiten im Büro sein muss oder nicht. Das ist ein Riesenvorteil. Anfangs musste ich aber an meiner eigenen Disziplin arbeiten, nach Hause zu gehen. Mit den mobilen Geräten kann man ohnehin vieles auch erledigen, wenn man nicht im Büro ­anwesend ist, und Videokonferenzen funktionieren bei uns auch sehr gut. Also es geht – irgendwie.

HORIZONT: Sie kennen den Markt und das Unternehmen sehr gut. Ist es in all den Jahren schwieriger geworden, die Marke zu steuern?

Sourek: Das Thema Budgeteffizienz, Mitteleinsatz, welches Ergebnis ich durch einen geringeren Mittel­einsatz erreiche, ist deutlich stärker zu verfolgen als es noch vor fünf oder sechs ­Jahren war. Aber wir haben allein durch die Markenfusion schon viel gespart. Dennoch sind wir jedes Jahr gefordert, denn das Preisniveau in Österreich ist einfach unvergleichlich niedrig. Ich habe ein Lieblings-Chart, auf dem ein typischer Tarif mit 1.000 Minuten, 1.000 SMS und 1.000 MB dargestellt ist. In Österreich kostet dieses Paket um die 20 Euro. In Frankreich, Deutschland oder in der Schweiz fängt der Preis ­dafür bei 50 oder 60 Euro an. Dort sind die monatlichen Umsätze pro Kunde also drei- bis viermal höher. Wir ­müssen also auf der Kostenseite massiv sparen. Und bekanntlich stehen Media und Werbung dabei immer weit oben auf der Liste.

HORIZONT: Nun hat A1 gegenüber den anderen beiden Mobilfunkern den Vorteil, die Festnetz- und Mobile-Welt zu vereinen. Der Trend geht aber in Richtung mobil: mobiles Internet, Firmen kündigen ihr Festnetz und setzen nur noch Handys ein. Hat dieser Vorteil ein Ablaufdatum?

Sourek: Nein, würde ich überhaupt nicht sagen. Im Gegenteil, die Entwicklung seitens der Industrie kommt uns entgegen. Nehmen Sie ein Tablet. Das nutzen Sie mobil mit einer SIM-Karte, sind aber froh, wenn sie dann im Hotel ins WLAN einsteigen können. Ein ­einfaches Beispiel, dass „alles aus einer Hand“ Sinn macht. Die Datenvolumina verdoppeln sich jährlich. Wir wollen für unterwegs die beste Verbindung bieten und investieren sehr viel in die vierte Mobilfunkgeneration LTE. Für richtig große Datenvolumina ist jedoch nach wie vor ein stationärer Anschluss im Büro oder Zuhause notwendig. Dass wir beides aus einer Hand anbieten können, ist ein Riesenvorteil – heute und in Zukunft!

HORIZONT: Mit A1 verfolgt das Unternehmen seit 14. Juni 2011 eine flexible Ein-Marken-Strategie. Wissen Sie, wie viele verschiedene A es bereits gibt?

Sourek: Aktuell gibt es 43. Es kommen immer wieder neue dazu. Es ist wirklich toll, was für eine Kommunikationsleistung dieses flexible Logo erbringt. Wenn wir etwa kommunizieren wollen, dass wir Glasfaser ausbauen, dann nutzen wir unser Glasfaser A. Es geht dabei nicht mehr um Raster, um Platzie­rungen – es geht um die Adaption des Themas, das ich kommunizieren will. Dieser Ansatz erbringt deutlich mehr Kommunikationsleistung als ein normales Logo, das sich nicht verändert.

HORIZONT: Wo bekommen Sie die neuen A denn her?

Sourek: Die A werden von der Branding-Agentur Saffron immer von ein und demselben Designer kreiert. Ich erkenne das sofort, wenn ein A von ­einem anderen Kreativen stammt. Da ist dann die Spiegelung nicht so exakt. Da kommt mein Herz für Grafik-Design durch (lacht)!

Interview: Rainer Seebacher
(Dieses Interview ist im HORIZONT 45/2013 auf Seite 28 erschienen)


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