'Frank wird oft falsch verstanden'
 

'Frank wird oft falsch verstanden'

Noch nie hat es einer gewagt, im Wahlkampf eine Debatte über die Todesstrafe zu entfachen. Er wollte das vermutlich auch gar nicht. Frank Stronach und sein Team fahren eine starke Kampagne, missverstanden fühlen sie sich dabei oft

Eines ist klar: So prunkvoll wurde der HORIZONT selten empfangen. Frank Stronachs Reich in Oberwaltersdorf begrüßt den Besucher nach dem Passieren einer kleinen Pflasterstein­brücke mit einer saftig grünen Baumallee. Weiter hinten liegt der Schlosssee, in dem man den Spitzenkandidaten erst kürzlich halbnackt von einer Boulevardtitelseite lächeln sah. Magna-­Zentrale, Golfklub und ein Villenpark liegen auch hier. Es ist zwar nicht das Wahl-Headquarter, es gibt auch eine Stelle in Wien, aber hier empfängt uns Tillmann Fuchs, Wahlkampfleiter des Teams Stronach und eines der vielen Kinder des bekannten Malers.

Kommunikation ist sein Hauptberuf, und der 48-Jährige kommt auch gleich zur Sache: „Es gibt drei wichtige Punkte, wenn man einen Wahlkampf macht. Erstens: Das politische Anliegen, das ist der wichtigste natürlich. Das unterscheidet das ‚Produkt Politik‘ von ­einem Waschmittel. In der Politik sollte man nur das vertreten, wofür man wirklich steht, und kann sich nur begrenzt daran orientieren, wo die Stimmen herkommen. Danach kommt die Frage: Für welche Zielgruppe könnte das interessant sein? Dann: Wie muss eine Zielgruppe aussehen, damit sie für einen Wahlkampfleiter interessant ist“, führt Fuchs aus. Wichtig sei, dass sie ­einerseits groß genug und andererseits mobil genug sei, was sich in Österreich nicht ganz so einfach gestalte, weil wir per se nicht sehr mobil seien. Auf der anderen Seite sieht er für das Team Stronach gerade ein echtes „Window of Opportunity“. „Das wäre noch vor ein paar Jahren nie möglich gewesen, dass eine neue Partei so viel Zuspruch bekommt.“ Womit er vielleicht recht hat.

‚Der arme Spindelegger‘

Das Team Stronach stehe für Wahrheit, Fairness und Transparenz, und Fuchs sagt, was Frank sagt. „Frank sagt, wenn ich mein gesamtes Handeln diesen Prämissen unterwerfe, dann muss ja etwas Gutes entstehen. Wir wissen nicht, welche Steuergesetze wir in 20 Jahren brauchen, aber wenn wir uns an diese Kriterien halten, wird uns das in jedem Fall weiterbringen.“ Insofern sei das ein grundrichtiger Ansatz. Das inhaltlich Wichtigste im Wahlkampf sei die gesamte Steuergesetzgebung und deren Reformation. „Wir fordern einen Steuerfreibetrag von 12.000 Euro und dann eine sehr flache Progression.“ Am Beispiel der Lehrerdebatte zeigt sich Fuchs mitfühlend. „Was soll der arme Michael Spindelegger denn machen? Er hat den ÖGB am Hals, Neugebauer ist sein Parteifreund, der Mensch kann sich doch keinen Millimeter rühren. Auf der sozialdemokratischen Seite ist es nichts Anderes, was soll Schmied tun? Dieses System ist so in sich fest­gefahren, dass es als solches gar nicht reformierbar ist, sondern wahrscheinlich nur noch ersetzbar durch ein neues.“

Und weil echte Veränderungen nur von außen funktionierten, habe man als einzige Partei die Möglichkeit für große Veränderungen. Fuchs möchte aber nicht alles hierzulande schwarzsehen. „Wir brauchen eine ­Gesellschaft, die kinder- und jugendfreundlich ist, wobei ich finde, Österreich macht das ganz okay. Man soll auch nicht immer alles schlechtreden, sondern auch das Gute erwähnen.“



‚Das Gesicht eines Westernhelden’

Für die Kreativleistung des Teams ist in erster Linie Ekkehard Schitter verantwortlich. „Er hat in der Steiermark eine kleine Agentur (Xact Gesellschaft für Integrierte Kommunikation und Graphik-Design mbH, Anm.) und macht für uns die klassischen Sujets, in der Wahlkampfzeit ruht die Agentur.“ Ein Besuch auf der Website bestätigt dies: Eine große weiße Fläche, auf der „Website in Bearbeitung“ geschrieben steht. Jedenfalls hat Schitter die Sujets mit­entworfen. „Die macht nicht nur er, das machen wir inhouse gemeinsam mit Frank Stronach. Teamarbeit wird bei uns nämlich wirklich großgeschrieben“, erklärt Fuchs und beschreibt die Plakate: „Die zweite Plakatwelle ist ­etwas dynamischer. Frank hat ja aus meiner Sicht das Gesicht eines Western­helden, bleibt aber trotzdem modern.“ Der aufwändige Spot für das private Fernsehen läuft seit Anfang September und werde 78 Prozent der Wahlberechtigten siebenmal erreichen. „Wir haben uns das Konzept ­dafür ein bisschen vom Superbowl-Spot 2008 abgeschaut, die Off-Stimme ist übrigens die deutsche Stimme von Jack Nicholson. Regisseur war Toni Weiss. „Ein sehr guter Mann und ­dadurch, dass Deutsch nicht Franks Muttersprache ist, war das die perfekte Lösung.“

Die Radiospots für das Team Stronach werden von Hary Raithofer gemacht. „Die zahlen auf den TV-Spot ein und sollen ganz zum Schluss noch mal wirken, denn damit kann man erneut Bilder zum Leben erwecken, die man vorher schon erzeugt hat. Wir wollen ja einen Mann präsentieren, der Vertrauen schafft. Vertrauen ist etwas sehr Emo­tionales.“ Die Website werde inhouse gemacht – mit derselben Corporate Identity wie die klassische Werbung von Schitter. Die Team-­Stronach-­Facebook-Seite scheint beliebt zu sein, rund 45.000 Freunde kann sie vorweisen. Betreut wird sie von Laura Schuppert, einer ­Mitarbeiterin. Die Sozialdemokraten hätten einen handwerklich guten ­Wahlkampf. „Sie machen aus Werner Faymann das Beste, was man grafisch aus ihm machen kann. Sie haben eine strikte Linie, die rote Farbe, das ist in Ordnung, aber nicht genial. Das brauchen sie ja auch nicht zu sein. Die ÖVP hat natürlich ihre zig Funktionäre im ganzen Land, die auf Knopfdruck das machen, was Michael Spindelegger sagt, das ist natürlich ein Vorteil, den wir nicht haben.“

Frank ist durchsetzungsstark

Ein Wahlkampf spielt sich nach Fuchs auf drei Ebenen ab: „Hauskampf (Tür zu Tür), dann gibt es darüber die Kampagne, dazwischen liegt der politische Diskurs, der sich in dieser Zeit ergibt. Und da muss man sich gut positio­nieren – das versuchen wir.“ Zu diesem politischen Diskurs zählen auch die TV-Konfrontationen, vor allem das erste ORF-Duell, bei dem Frank Stro­nach auf Josef Bucher (BZÖ) traf, bleibt in Erinnerung. Moderatorin Ingrid Thurnher konnte Stronach nur sehr schwer bis gar nicht konkrete Antworten abringen, er kritisierte das Format, in dem er gerade selbst zu Besuch war, forderte zwei Stunden alleinige Sprechzeit und zeigte sich Josef Bucher gegenüber herabwürdigend. „Ich glaube, Frank hat bewiesen, dass er durchsetzungsstark ist. Über manche Aussagen haben wir natürlich gesprochen.“

Countdown läuft
Anfang September kam die nächste Plakatwelle, dazu auch neue Inserate. Ende September werde dann eine Überklebungswelle, die die Sujets ergänzt, folgen. „Wir sprechen hier von 3.500 Plakatflächen plus 900 mobilen Flächen plus Rollingboards und Dreieckständern, das verdichtet sich alles Ende September. Und der Spot läuft selbstverständlich auch.“ Abschließend: Warum soll man das Team ­Stronach wählen? „Weil wir die einzige Gruppierung sind, die keine Klientelpolitik betreiben muss, die eine echte Reform des Gesamtstaats machen könnte.“
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