FG Wien Vergabe: Shortlist mit Zwischenruf
 

FG Wien Vergabe: Shortlist mit Zwischenruf

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FG Wien erstellt Shortlist mit jeweils sechs Agenturen für PR- und Online-Auftritt-Betreuung – 150 (!) Dienstleister registriert - TeamWerbungWien (SWV) moniert Auswahlverfahren

Noch im April soll es zur ersten Vergabe kommen: Die Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation Wien wird ihre zwei Etats für PR und Online nach dem im Februar präsentieren Vorgaben via Ausschreibung über das eigens eingerichtete Online-Vergabeportal vergeben.

Mit dem Online-Vergabeportal will die FG Werbung & Marktkommunikation Wien unter der Leitung von Obfrau Birgit Kraft-Kinz einen wichtigen Schritt in Richtung objektive Auftragsvergabe setzen - siehe Interview/Bericht dazu hier und hier . Die FG Wien will mit diesem freiwillig gesetzten Schritt auch in Sachen Vergabepraxis und -transparenz Vorbildfunktion einnehmen - das Vergabeprotal wird von allen drei Fraktionen in Wien befürwortet.

Obfrau Birgit Kraft-Kinz übernahm im November für die Mandatsstärkste Fraktion in Wien, Wirtschaftsbund, von Obmann Michael Himmer die Führungsrolle; die Grüne Wirtschaft, die mit dem Wirtschaftsbund in der Wiener Fachgruppe in Koalition die Mehrheit stellt, berief als erste Stellvertreterin Karin Lehmann (in Nachfolge von Elke Zellinger). Der sozialdemokratische Wirtschaftsverband (der Wien auch unter "TeamWerbungWien" auftritt) stellt mit Karl Javurek den zweiten Stellvertreter der Obfrau.

Über 150 (!) Dienstleister registriert

In der Sitzung am 5. März erstellte die Bewertungskommission - jeweils ein Vertreter der drei Fraktionen - die Shortlist mit je sechs Unternehmen für die beiden Aufträge PR und Online, davon sollen die je drei Erstgereihten zur Präsentation eingeladen werden. Nicht ganz einfach, denn via Vergabeportal hatten sich knapp über 150 (!) Dienstleister registriert, die ihr Interesse am Auftrag bekunden): Die Bewertungskommission einigte gemäß Bericht des FG Wien Geschäftsführers Manfred Pichelmayer sich auf folgende Auswahlkriterien zur Erstellung der Short List: Referenzen, Team und Unternehmensgröße (keine Einzelperson); eigentümergeführte Agentur (verlässliche Senior Berater Agentur).

Die Bewertungskommission-Mitglieder nannten in der Folge die aus ihrer Prüfung topgereihten Unternehmen. Gemeinsam wurde die Reihung der Shortlist vorgenommen; die ersten drei genannten werden für ein Briefing eingeladen. Für den Fall, dass ein Anbieter sich im Verfahren auf Basis der Eignungskriterien noch als ungeeignet erweist oder vom Verfahren zurücktritt, rückt der als nächst-gereihte Anbieter nach.

In den nächsten März-Tagen werden die ausgewählten Unternehmen für den PR- und den Online-Etat die Briefing-Unterlagen per E-Mail erhalten. Der Zuschlag der Aufträge ist einer weiteren Sitzung der dann um externe Experten erweiterten Kommission bis Mitte April geplant. Dieser wird öffentlich kommuniziert und nicht beauftragte Agenturen, die im Verfahren angeboten haben, erhalten eine dem Aufwand entsprechende pauschale Abstandszahlung.

Die nächste Ausschreibung der Wien läuft bereits: Für das Projekt "BARCAMP Zukunftsdialog" läuft die Eintragungsfrist läuft bis Freitag, 14. März - Interessierte Unternehmen können sich hier eintragen.

Seite 02: Zwischenruf von TeamWerbungWien/SWV

Marcus Arige, im Zivilberuf Manager von Halle34, ist Mitglied auf der Fraktionsliste des SWV und einer der engagierten Aktivisten rund um Belange der GF Werbung Wien auf der Site TeamWerbungWien und berichtet dort im Blog vom 6. März über eine Wahrnehmung - siehe hier. Eine Agentur - es herrscht Stillschweigen über die Bewerber - sei ihm im Vorfeld bereits als Kandidat genannt worden, und die scheine auch auf den Vorschlagslisten von Wirtschaftsbund und Grüne Wirtschaft auf.

Arige moniert zweierlei: einmal, dass es in einer Sitzung schwierig sei, aus 150 - großteils nicht bekannten - Anbietern eine Shortlist zu erstellen; zum anderen, dass es trotz Objektivitätskriterien anscheindend "Wunschkandidaten" gäbe.

Die von ihm in der Sitzung "entdeckte" Agentur sei ihm bis dato unbekannt gewesen, erfülle jedoch die Kriterien (wie andere auch), sagt Arige im HORIZONT-Gespräch.

Obfrau Kraft-Kinz, die HORIZONT während des e-day in der Wirtschaftskammer erreicht, nimmt den Zwischenruf Ariges zur Kenntnis: Sie hoffe nur, dass "unsere Bemühungen, ein möglichst objektives, sachliches und transparentes Auswahlverfahren zu installieren, nicht gleich im Keim erstickt werden". Kraft-Kinz lege Wert darauf, dass die Shortlist seitens des Wirtschaftsbund-Vertreters nach den vorgegebenen Kriterien erstellt wurde.

Bleibt also abzuwarten, was die finale Entscheidung an allfälligen Kommentaren bringt.

Arige legt im HORIZONT-Gespräch Wert darauf, das Vergabeportal "konstruktiv" begleiten zu wollen - Kraft-Kinz legt Wert darauf, ein intaktes "Role-Model" für Vergaben zu etablieren und praktizieren.

Nachsatz des Autors:

Im März 2015 stehen für die Wirtschaftskammer Wahlen an - gerade in Wien, wo möglicherweise nach den Grünen auch die NEOS als neue Fraktion die Mandatsverhältnisse neu skalieren könnten - sind die Mehrheitsverhältnisse im Gegensatz zu den anderen acht Bundesländern, in denen der Wirtschaftsbund jeweils eine ungefährdete absolute Mehrheit hat, seit gut zwei Wahlperioden volatil. Bleibt zu hoffen, dass das ambitionierte und sinnvolle Projekt "Vergabeportal" nicht in die Wirren von Positionskämpfen gerät, sondern allfällige Kinderkrankheiten in den Prozessen konstruktiv weiterentwickelt werden.
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