‚F*** it, I’m a comedian now!‘
 

‚F*** it, I’m a comedian now!‘

stefan nützel
Für das zweite Programm wird gerade Promo-Material produziert: Fotos, Videos und mehr. 2016 geht ,WTF?‘ nach Deutschland.
Für das zweite Programm wird gerade Promo-Material produziert: Fotos, Videos und mehr. 2016 geht ,WTF?‘ nach Deutschland.

Der Brite Patrick Lamb ist gelernter Illustrator, werkte als Englischlehrer für Kinder und Manager, ist Voice-over-Actor und nun mit seinem zweiten English Language Stand-up-Comedy-Programm ‚WTF?‘ auf Tour. Etwa am Samstag den 14. November in Wien

Für die BBC Comedy schreiben, das sei der Traum jedes Briten, der glaubt, dass er lustig ist. Mittlerweile ist es für Patrick Lamb ein Ziel, das gar nicht so fern scheint: Am Samstag, dem 14. ­November, gastiert er im Vindobona in Wien mit seinem zweiten Programm „WTF?“ Zu Redaktionsschluss dieses HORIZONT waren die Tickets fast ausverkauft, sagt er. In den folgenden ­Wochen gibt es English Language Stand-up-Comedy by Patrick Lamb zudem in Ljubljana, Zagreb und Budapest. 2016 soll WTF? in mehreren Städten Deutschlands zu sehen sein. Zwecks Promotion werden dafür schon eifrig Videos und Fotos für ­Social Media produziert.

Dass ein in Wien lebender und in der Werbebranche arbeitender Brite von hier aus einmal ins Comedy-Fach mit internationaler Perspektive startet, war nicht geplant. Obwohl ihm heute viele sagen würden: „Why did you ever do anything else?“, kam Lamb 1999 in anderer Mission nach Wien: Sein hier studierender Bruder – er selbst hatte gerade seine Ausbildung als Illustrator in New Jersey absolviert und war wieder in seiner Heimatstadt Sheffield – lockte ihn. „Das Bier ist billiger, die Leute sind freundlicher, mehr brauchte er mir nicht zu sagen“, erinnert sich Lamb, „es war Sommer, da kann man in Wien ja viele coole ­Sachen machen“. 

Publicis und BBDO
Er blieb. Jobs, etwa für Storyboards von TV-Spots, gab es nicht zu Hauf, aber bald reichte es, dass Lamb nicht mehr als Magazin-Layouter arbeiten musste. Aufträge, etwa von Jung von Matt, Publicis oder BBDO (nicht nur für deren Dependancen in Österreich) folgten, das Geschäft lief bald so gut, dass Lamb mit einer Agentur und in Kooperation mit Sepp Auer bis zu acht Illustratoren in der halben Welt beschäftigte. „Der Zeitunterschied zu San Francisco war auch ein Asset in der Auftragsabwicklung.“ Aber ab 2008, im Sog der Finanzkrise, gingen Illustrator-Aufträge, wie er sie konnte und liebte, unter. „Ich war in der Krise und hatte keinen Plan B“, erzählt er. Lamb besann sich auf seine anderen Kernkompetenzen, übersetzte, werkte fortan als Englischlehrer in Kindergärten wie auch für Manager der größten Unternehmen des Landes, denen er etwa Verhandlungstechniken auf Englisch beibrachte. „Dabei liegt mir persönlich das Verhandeln, das Tarnen und Täuschen, das Netzwerken, wie es in Österreich üblich ist, überhaupt nicht. Auch als ich die Illustratoren-Agentur hatte, an das Feilschen um den Preis gewöhnte ich mich nie. ,I’m about the work‘, das ist meine Arbeiter-Mentalität aus Sheffield‘“, meint er. 

Der erste Sprecher-Job ergab sich durch Zufall („du hast ja so eine schöne Stimme“) für die Druckerei gugler*. Mittlerweile hat Lamb oft über die Cosmix Studios Spots und Imagefilme für Siemens, Gösser, Swarovski oder Real Madrid, im Auftrag von IPIC aus Abu Dhabi, auf seiner Referenzliste. Diese Investmentgesellschaft ist globaler Partner der Real Madrid Schools of Football. Voice-over-Actor ist aktuell Lambs Brotberuf (siehe hier), auch Englisch-Trainings in ­kleinen wie großen Firmen gehen sich daneben aus. Manche alte Kunden als ­Illustrator wurden neue Auftraggeber als Sprecher, in gepflegt-seriöser Vertonung mit tiefer Stimme. Ausgerechnet in Zagreb, wo der Wahlwiener eine Zeit lang seinen Zweitwohnsitz hatte, kam die komödiantisch-professionelle Erleuchtung: „Ich war ja gerne in geselligen Runden der Schmähführer und hatte mir schon immer unzählige Notizen gemacht, über alltägliche Beobachtungen, beim Taxler in Hernals bis zur Kantine auf der WU Executive Academy. Mein Gehirn ist eigentlich ständig im Comedy-Modus.“ 

Cate Blanchett und Guinness-Bier
Mit wenigen Testläufen im kleinen Rahmen entstand 2013 das erste ­Programm „The Tao of Beer“ und es bestand die Feuerprobe: Lamb wurde als Gewinner einer Ausscheidung Warm-up für den irischen Stand-up-Comedian Dylan Moran im Gartenbaukino. „Das Gefühl dieses Auftritts vor 730 Menschen war ,intoxicating‘. Die Leute lachten zwar zum falschen Zeitpunkt, aber das war mir egal. Ich dachte: ‚F*** it, I am a comedian now,‘ und entdeckte die Rampensau in mir.“Im neuen Programm WTF? geht es nun um Beziehungen, Gendern, Sex, die EU, nationale Klischees „und natürlich Wikinger und Möbel“.

Auf die Britishness und das Talent allein verlässt sich Lamb weder als ­Illustrator, noch als Sprecher und Comedian: Ausbildung an der Akademie Deutsche Pop als Sprecher, Synchronsprecher und Theater-Improvisation, Schauspiel mit Svenja Schreiber, Sprechen mit Werner Sejka von Puls 4. Close-up-Aufnahmen mit Stefan Nützel sollen die Mimik verbessern – „Ich wurschtle schlampig auf der Bühne herum und bewege meinen Kopf noch zu viel, Cate Blanchett ist da mein Vorbild.“ Perfektionismus und Arbeiter-Mentalität aus Sheffield und jedenfalls very british: „Einmal möchte ich einen Spot für Guinness drehen.“ 
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