"Es hilft, die Leidenschaft nicht zu verliere...
 

"Es hilft, die Leidenschaft nicht zu verlieren"

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Cannes 2013: Fung Wei Pai und André Huber berichten im HORIZONT-Interview über das Young Lions Cyber-Briefing und was sie für sich aus Cannes mitgenommen haben

Das Werbefestival in Cannes 2013 ist vorbei, Österreich konnte zwei Silberlöwen mit in die Heimat bringen. Bei dem Bewerb Cannes Young Lions, der vor allem für die jungen österreichischen Kreativen von Bedeutung war, gingen wir leider leer aus. Den Young Lions Printwettbewerb entschied das mexikanische Team für sich, die Media-Medaille holte sich Großbritannien, das Russland-Team errang die Cyber-Goldmedaille, die Young Lions Film-Jury überzeugte das Spanische Team und das beste Young Marketers-Team kommt aus Sri Lanka.

Insgesamt 181 Young Lions-Teams aus 40 Ländern nahmen an der diesjährigen internationalen Competition in Cannes teil. In den Kategorien Print, Film, Cyber, Media und Young Marketers traten auch die österreichischen Young Lions an - in Print Hieronymus Kloss und Manuel Zechner (beide D,M & B), in Film Patrick Vollrath und Robert Summerfield (beide Garde11), in Cyber André Huber und Fung Wei Pai (beide Agency 4e7) und in der Kategorie Media Linda Iroegbu und Sophia Rudnay (beide Mediacom).

Der österreichische Nachwuchs stand zusammen mit ihren Competitors vor der Herausforderung, in nur 24 Stunden - bei Film 48 Stunden - nach einem spezifischen Briefing eine Kommunikationslösung für eine NGO zu erarbeiten.

HORIZONT hat mit Fung Wei Pai und André Huber gesprochen:

HORIZONT: Wie sah das Briefing aus?

André Huber: Das Briefing war folgendermaßen: Wir mussten für eine Anti-Doping Organisation, die gezielt junge aufstrebende Sportler ansprechen wollte, ein Konzept entwickeln. Man sollte sie dazu motivieren, Doping abzulehnen und den Sport fair zu halten. Nicht mit Schock-Werbung, sondern mit Augenmerk auf die innere Motivation. 

HORIZONT: Was habt ihr daraus kreiert?

Fung Wei Pai: Einen Banner mit der Aufschrift "Training for success", eine digitale Laufstrecke, auf der Hürden auf einen zukommen und dann die Aufforderung, einen Shortcut einzugeben, danach erscheint "There is no shortcut for real success".

HORIZONT: Was war euer Highlight in Cannes?

Pai: Die Vorträge, vor allem der großen Social Media Firmen wie Facebook, Twitter und YouTube, wobei letzteres natürlich am unterhaltsamsten war. Und natürlich auch die japanischen Agenturen, die einen ganz anderen Zugang zu Werbung und Design haben als der Rest der Welt, das zeigt sich auch in den Awards, wo die Japaner im Design sehr weit vorne liegen.

HORIZONT: Was sagt ihr generell zu Österreichs Ausbeute?

Huber: Ein gutes Jahr für Österreich – in Vergleich zum Vorjahr. Wenn man bedenkt, dass Österreich 131 Einreichungen hatte und sich dann beispielsweise Brasilien ansieht, wo eine Agentur alleine 131 Einreichungen vorweisen kann, dann darf man sich nicht wundern, wenn wir weniger Löwen bekommen. Ich finde es toll, dass wir zweimal mit Silber ausgezeichnet wurden.

Pai: Dass Österreich nunmal kein Leading Country ist, wo es so große Firmen gibt, die Entscheidungsträger sind und das Budget oft zu knapp für wirklich große Kampagnen, die anders sind ist, ist sicherlich eine Erklärung, warum es "nur" zwei Löwen geworden sind. Natürlich fällt das großen Agentur-Netzwerken leichter. Oder man ist so gut, dass der mediale Impact so stark ist, dass man dafür gewaltig siegt. Überraschend sind die zwei Abräumer, "Dumb ways to die" und "The Beauty inside" nicht, was aber interessant ist: beide sind aus einer viralen Idee heraus entstanden und nicht über einen TV-Spot oder eine Anzeige. Bei beiden ist die Mechanik relativ gleich. Die Awards sind natürlich subjektiv, Jurymitglieder sind ja auch nur Menschen. Trotzdem, das Festival ist sehr inspirierend. Es ist ein Ansporn für bessere Leistungen.

Huber: Man muss eigentlich jedem jungen Werber nahe legen hierherzukommen. Wenn man sieht, dass es Werbung gibt, die etwas verändern kann und nicht nur versucht, ein Produkt zu verkaufen, dann ist das großartig und eine schöne Erfahrung. Man möchte sofort heim und am liebsten gleich los starten und die Arbeiten in Angriff nehmen. Es hilft, die Leidenschaft nicht zu verlieren.
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