"Empfänge alleine sind nicht genug"
 

"Empfänge alleine sind nicht genug"

Johannes Zinner
Michael Grof-Korbel ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur bettertogether.
Michael Grof-Korbel ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur bettertogether.

Kommunikation für Botschaften und internationale Organisationen bietet das neue "International Relations Team" von bettertogether. Die Thematik werde angesichts der außenpolitischen Lage immer wichtiger.

Das vollständige Interview lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 12/2016 vom 25. März 2016. Hier geht's zum Abo

HORIZONT: Was hat es mit dem "International Relations Team" auf sich? 
Michael Grof-Korbel: In Wien sind derzeit etwa 250 Botschaften, ständige Vertretungen und internationale Organisationen zu finden. Viele von ihnen hängen, was die Kommunikation betrifft, im luftleeren Raum – und es gibt in Österreich niemanden, der speziell auf sie zugeschnittene Beratung bietet. Wir haben im Team von bettertogether zwei Mitarbeiterinnen, die bei der UNO und in Botschaften tätig waren, und mit Ambros Kindel, dem langjährigen Leiter des außenpolitischen Ressorts der APA, sowie dem unabhängigen Berater Thomas Goiser das "International Relations Team" gegründet, das internationale Organisationen und Botschaften unterstützen kann. Wir wissen, wie diese ticken, was ihnen wichtig ist, und zeigen, wie sie mit den Medienmechanismen in Österreich umgehen können. 


Was gab den Anstoß dazu, das Team ins Leben zu rufen?
Ambros Kindel: Die Anforderungen an Medienarbeit haben sich grundlegend geändert. Man darf Botschaften nicht unterstellen, keine Medienarbeit zu leisten, sie können aber Inputs brauchen, was der aktuelle Diskussions- und Informationsstand in der Öffentlichkeit im Detail benötigt. Es reicht nicht mehr, Journalisten zu Empfängen einzuladen, heute gilt es, auf umfassende Kommunikation zu setzen, statt auf reine Information. Dabei muss man auch auf die Ängste, Sorgen und Befindlichkeiten der ­Öffentlichkeit im Gastland eingehen. 


Wo genau könnte die Kommunikation denn besser laufen?
AK: Denken Sie an die Flüchtlingstragödie und den aktuellen Diskurs über die Westbalkanroute. Hier werden die unterschiedlichsten Länder in einen Topf geworfen – ein Land wie Slowenien, das zu Mitteleuropa gehört, müsste eigentlich aufschreien und sofort jede Menge Klarstellungen anbringen. Ein zweites Beispiel wäre der sogenannte "arabische Frühling", dabei werden Staaten wie Tunesien, Libyen und Ägypten in einem Atemzug genannt, auch hier darf man nicht pauschalisieren. Wir werden keine Propaganda betreiben und können aus Staaten, die keine Musterdemokratien sind, auch keine Musterdemokratien machen. Aber wir können dabei helfen, ein nachvollziehbares und differenziertes Bild zu zeichnen. 


MGK: Man muss bedenken, dass internationale Organisationen durch die Medienwelt ihrer Heimat sozialisiert sind, und nicht durch das Gastland Österreich. Das heißt, dass sie auch kommunikativ so agieren, wie sie es in ihrer Heimat tun würden. Der Entwicklungsgrad der externen Kommunikation ist somit sehr unterschiedlich – während Länder wie die USA hier weit vorne sind, kommunizieren andere noch eher traditionell und etwas langsamer. Empfänge, Pressebriefings und Kommuniqués sind jene drei Tools, die Botschaften am intensivsten nutzen – das ist auch recht so, reicht allerdings nicht und funktioniert in Zeiten von Social Media auch nicht mehr schnell genug.

Thomas Goiser: In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Welt mehrfach verändert; neue Akteure mit neuen Interessen sind auf den Plan getreten. Viele Einstellungen sind aber nach wie vor klischeegetrieben oder veraltet, was einfach schade ist. Hier kann der Dialog miteinander – auf allen verfügbaren Kanälen – helfen, mehr Verständnis zu schaffen.


Auf welchen Ebenen der Kommunikation werden Sie den Kunden konkret behilflich sein? 
MGK: Unser Angebot beinhaltet Medien- und Kommunikationstrainings ebenso wie klassische Pressearbeit, Social-Media-Betreuung, Eventkonzeption und -management sowie ­Public Affairs. Ein zentraler Punkt sind auch die Websites der Botschaften, die derzeit primär als Service­kanal genutzt werden. Der Onlineauftritt vieler Länder ist rudimentär, es wird ein großer Bogen rund um ­Aktualität gemacht. Dabei wäre es bei großen, wichtigen Themen durchaus relevant, diese auf der Website aufzugreifen und über soziale Netzwerke einen Diskurs zu ermöglichen. 


AK: Eine Botschaft vertritt natürlich ihr eigenes Land und hat sich an Vorgaben aus der eigenen Hauptstadt zu halten. Die Message kommt vom Sender, daran werden auch wir nichts ändern. Wir können aber behilflich sein, die Inhalte in der richtigen Form, zum richtigen Zeitpunkt über die richtigen Kanäle zu kommunizieren. Und wir können diese Inhalte mit Blick auf Nachhaltigkeit und Kontinuität portionieren und takten, damit die Botschaft auch ankommt und wahrgenommen wird.


TG: Auch im Bereich der Aufbereitung von Informationen und deren Visualisierung – etwa für Dossiers, Stakeholder-Maps oder die Besonderheiten der Medienlandschaften in den einzelnen Bundesländern sehen wir Potenzial. Unser Gesamtangebot wird durch die Kompetenzen und Breite der Erfahrungen im Team sehr interessant. Wenn ich daran denke, was wir voneinander in der Vorbereitung gelernt haben … 


Gibt es Staaten oder Organisationen, für die Sie nicht kommunizieren ­würden? 
MGK: Es gibt, ohne Namen nennen zu wollen, sicherlich Staaten, für die wir aus moralisch-ethischen Gründen nicht kommunizieren würden. Aber diese Einschätzung kann sich im Lauf von Gesprächen oder etwaigen politischen Entwicklungen auch wandeln. Erst vor Kurzem hatten wir ein Treffen mit einem Botschafter, bei dem man aufgrund seiner Sozialisierung von der irrigen Annahme ausgehen hätte können, dass ihm das Verständnis für den Fortschritt fehlt – und wurden dann eindrucksvoll vom Gegenteil überzeugt. Wenn jemand zum Ziel hat, Fortschritt zu bewirken und aktiv Kommunikation zu betreiben, die darauf hinausläuft, wäre es doch moralisch ebenso falsch, ihn in dieser Bereitschaft nicht zu unterstützen.
Thomas Goiser Kommunikationsberater und Teil des "International Relations Teams".
Luiza Puiu
Thomas Goiser Kommunikationsberater und Teil des "International Relations Teams".
Ambros Kindel, Ex-APA-Außenpolitik-Chef und Mitbegründer des neuen Teams.
pro.media
Ambros Kindel, Ex-APA-Außenpolitik-Chef und Mitbegründer des neuen Teams.
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