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Ein Werber mit Visionen: Patrick Schierholz ist tot

Patrick Schierholz war ein großer Kreativer, der die österreichische Werbung zu neuen Höhenflügen führte. Er starb im Alter von 67 Jahren.

Seine Karriere war steil und schillernd, und die von ihm kreierten Kampagnen dienten Generationen von Werbern als Musterbeispiele für gelungene Kommunikation. Doch am Ende war es ruhig geworden um Patrick Schierholz, den großen Kreativen. Der alles immer neu machen wollte. Am Donnerstag vergangener Woche verstarb er in Wien. Tags darauf war die Webseite von schierholzsaxer ssx überlastet und nicht mehr erreichbar – zu viele wollten sein Schaffen und die Stationen seines Lebens Revue passieren lassen. „Danke für alles Patrick“, schrieb Rudi Kobza auf Facebook. „Für deine Offenheit, mit der du damals einen 18-Jährigen unterrichtet hast – und für alles, mit dem du die Marke GGK und die österreichische Werbung groß gemacht hast!“


Als Schierholz, geboren in Nordrhein-Westfalen, 1983 nach Wien ging und als Geschäftsführer der Agentur begann, hatte er bereits viel Erfahrung gesammelt: Als Assistent für Werbefotografen und als Texter in Deutschland, England, der Schweiz und Österreich. Er war Freelancer und arbeitete für jeden, der bereit war, seine hohen Honorare zu zahlen.


In den Sechzigerjahren war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Der Umbruch in der Gesellschaft verlangte nach einer Haltungsänderung – auch in der Werbung. Es schien keine Grenzen zu geben. „Für jeden Scheißdreck flog man zu tollen Locations, man arbeitete nur mit teuren Fotografen und teuren Firmen. Die Kunden haben brav und gerne bezahlt“, erzählte er dem Extradienst in einem Interview. 


Bei der GGK, die mit Demner & Merlicek um die Vorherrschaft in Österreich ritterte, war Schierholz ein Star und sein Händchen für Kampagnen legendär. Besonders in Erinnerung blieb die Einführung von Lotto, die sich auf Print und Plakat beschränkte, da der ORF Teilhaber des Unternehmens war und TV deshalb außen vor bleiben musste. Die simple Idee, jemanden zu zeigen der arm und nach dem Lottospielen reich ist, ist heute noch Grundlage der Lotto-Werbung. „Der Claim wurde aus einer anderen Kampagne herausgekauft“, erinnert sich Hanns-Georg Saxer, sein damaliger Mitstreiter, mit dem er 30 Jahre in Verbindung blieb um später eine gemeinsame Agentur zu gründen. „Ich bin damals vielleicht etwas respektlos ihm gegenüber gewesen, was ihm gefallen hat. Wir haben ein sehr professionelles Freundschaftsverhältnis gehabt, was auch dazu führte, dass ich es wahrscheinlich am längsten mit ihm ausgehalten habe.“ 


Wenn schon, dann richtig


Schierholz war ein starker, in der Arbeit streitbarer und leidenschaftlicher Charakter. „Einfach eine Type, wie es große Kreative meist sind“, erinnert sich Michael Himmer von GroupM, stellvertretender Obmann im Fachverband Werbung. „Er hat Dutzende Texter und Werber ausgebildet und auch so nachhaltig gewirkt.“ 1977 weilten Himmer und Schierholz in New York, um den Deal zu unterzeichnen, mit der die Agentur Heye und Partner in Österreich bei DDB andockte. Als Begrüßungsgeschenk gab es McDonald’s als Kunden dazu, die von Wien aus begannen, Filialen im Osten zu eröffnen. Danach schleppte Schierholz, der Feinschmecker, Himmer in ein Lokal und ließ ihm, ohne es zu sagen, ein Tuna-Steak servieren, das es in Österreich noch nicht gab. Himmer hielt es für Rind und Schierholz amüsierte sich.


Wenn er eine Sache anpackte, dann tat er das mit Haut und Haar. Mit Ferdinand Piech, dem Patriarchen von VW, fachsimpelte der Autofreak über die Antriebstechnik des Audi Quattro. Mit DDB sicherte er sich den Etat der deutschen Audi AG und konnte den Umbau der Marke entscheidend mitgestalten. „Das wäre auch eine Chance für den österreichischen Markt gewesen, ein Player in Deutschland und darüber hinaus zu werden“, sagt Saxer. „Aber leider hat die Branche mehr mit Neid und Missgunst reagiert.“


Eine Kampagne, die ihm besonders im Gedächtnis blieb, war jene für die Generali. „Patrick kam ins Zimmer und meinte, er habe keine Lust, eine Scheiß-Versicherungskampagne zu machen.“ Seine Idee, eine Public-Service-Kampagne zu machen, erklärte das Prinzip Versicherung genauso und funktionierte noch besser. Die beste Versicherung sei nur der zweitbeste Schutz, war das Grundthema. „Er hat anders gedacht und war ein Visionär, der trotzdem immer den praktischen Kern der Aufgabe erfüllte.“ 


Die Globalisierung und Erosion des Marktes prägte das Ende von Schierholz’ Karriere, der kein guter Geschäftsmann war. Als sich die Agentur ssx ganz auf einen Kunden – Forstinger – konzentrierte, und dieser Konkurs anmelden musste, riss das 2004 die ganze Agentur mit. Das Telefonieren mit Anwälten hatte ihm den Spaß an der Arbeit verdorben. Eine Zeit lang saß er noch in einem kleinen Büro bei Ogilvy, in einer Unit namens David. Aber seine große Zeit war vorbei. Eine Legende wird er bleiben.
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