EIB-Umfrage: Über die Hälfte der österreichis...
 
EIB-Umfrage

Über die Hälfte der österreichischen Unternehmen wollen wegen Corona weniger investieren

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Die Europäische Investitionsbank hat in Partnerschaft mit dem globalen Marktforschungsunternehmen Ipsos MORI eine detaillierte Analyse der Investitionstätigkeitvon Unternehmen erarbeitet, die, bedingt durch COVID-19, massive Rückgänge erwarten lässt
Die Europäische Investitionsbank hat in Partnerschaft mit dem globalen Marktforschungsunternehmen Ipsos MORI eine detaillierte Analyse der Investitionstätigkeitvon Unternehmen erarbeitet, die, bedingt durch COVID-19, massive Rückgänge erwarten lässt

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat erneut ihre jährliche Umfrage zur Investitionstätigkeit und -finanzierung durchgeführt. Daraus geht hervor, dass sich die Pandemiekrise stark negativ auf die Investitionen österreichischer Unternehmen auswirkt.

54 Prozent der Unternehmen in Österreich geben an, pandemiebedingt 2020 weniger zu investieren als ursprünglich geplant – europaweit sind es 45 Prozent. Dabei sind Großunternehmen eher geneigt als KMU, ihre Investitionspläne zusammenzustreichen (62 Prozent gegenüber 47 Prozent). Auch für die nahe Zukunft sind die Unternehmen in Österreich skeptisch. Sie sind deutlich pessimistischer geworden, was das Wirtschaftsklima, die Geschäftsaussichten in der Branche und die Verfügbarkeit interner Finanzierungsmittel betrifft. Auf die Frage nach langfristigen Investitionshindernissen halten fast acht von zehn Unternehmen (77 Prozent) die Unsicherheit über die Zukunft für den größten Hemmschuh. Hier liegt der Anteil allerdings – obgleich gegenüber der letztjährigen Umfrage (von 65 Prozent) gestiegen – nach wie vor unter dem EU-Durchschnitt (81 Prozent).

65 Prozent aller Unternehmen in Österreich haben die digitalen Technologien, zu denen sie befragt wurden, vollständig oder teilweise eingeführt. Besonders hoch ist der Anteil bei Großunternehmen (77 Prozent). Aus der Umfrage geht auch hervor, dass sektorübergreifend 55 Prozent der österreichischen Unternehmen die stärkere Nutzung digitaler Technologien als die wichtigste Langfristfolge von Covid-19 betrachten. Damit liegen sie leicht über dem EU-Durchschnitt von 50 Prozent.

39 Prozent der österreichischen Unternehmen haben laut der Umfrage im Rahmen ihrer Investitionstätigkeit im vergangenen Jahr neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen entwickelt oder eingeführt. Das entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt von 41 Prozent. Fast 20 Prozent geben an, Innovationen entwickelt oder eingeführt zu haben, die für das Land oder den Weltmarkt neu waren. Bei den künftigen Investitionen legen pandemiebetroffene Unternehmen in Österreich die Priorität jedoch in geringerem Maße auf neue Produkte und Dienstleistungen als der EU-Durchschnitt (22 Prozent gegenüber 30 Prozent) und als nicht betroffene Unternehmen (29 Prozent).

Klimawende als Chance?

Ein hoher Anteil österreichischer Unternehmen (57 Prozent) hat die Auswirkungen physikalischer Klimarisiken bereits zu spüren bekommen. Fast jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) gibt an, dass diese Auswirkungen erheblich waren. Die Klimawende wird in Österreich von einer bedeutenden Anzahl von Unternehmen eher als Chance denn als Risiko erachtet. Mehr Unternehmen in Österreich erwarten, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Zukunft eher positiv als negativ für ihren Ruf (22 Prozent) und ihre Marktnachfrage (19 Prozent) ist, sich in den nächsten fünf Jahren aber eher negativ als positiv auf ihre Lieferkette (-15 Prozent) auswirken wird. Fast sieben von zehn Unternehmen (69 Prozent) haben bereits in Maßnahmen gegen die Auswirkungen von Wetterereignissen und zur Minderung des CO2-Ausstoßes investiert oder planen dies für die nächsten drei Jahre. Das entspricht in etwa dem EU-Durchschnitt von 67 Prozent. Auf die Frage nach Verbesserungen der Energieeffizienz gaben 49 Prozent der österreichischen Unternehmen an, im letzten Geschäftsjahr bereits in solche Maßnahmen investiert zu haben.

"Die Pandemie dämpft die Investitionen, sodass Europa möglicherweise schlechter in der Lage ist, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen", erklärte EIB-Vizepräsident Thomas Östros. "Wir brauchen ein abgestimmtes europäisches Vorgehen, um die Unsicherheit zu überwinden – jetzt, aber auch für die Zeit nach der Erholung. Das gilt nicht zuletzt für die Klimawende und den digitalen Wandel. Als Klimabank der EU und einer der größten Investoren Europas in Innovation kann die EIB-Gruppe eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen spielen und helfen, Investitionen auf den Weg zu bringen."
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