Effie-Gala 2012: Die Bilder!
 

Effie-Gala 2012: Die Bilder!

UPDATE: Laudatio von Dagmar Lang und Rede der "Marketerin des Jahres" Kristin Hanusch-Linser

Zum 28. Mal vergab heuer das Austrian Chapter der IAA die Effie Awards. Abräumer des Abends Bi-Oil mit der Agentur Waltraud Groll bekam den Platin Effie und einen Gold-Effie. Ingesamt wurden sieben Gold Effies, acht Silber Effies, drei Bronze Effies und sieben Anerkennungen vergeben. Sämtliche Preisträger in Wort und Bild finden Sie in Horizont 47/2012. Die Effie-Gala fand am 22. November in der Aula der Wissenschaften in Wien statt.

Kristin Hanusch-Linser ist "Marketerin des Jahres"

ÖBB-Marketing-Chefin Kristin Hanusch-Linser wurde von der IAA und dem HORIZONT-Publikum zur "Marketerin des Jahres" gewählt und im Rahmen der Effie-Gala ausgezeichnet:

Die Laudatio von Dagmar Lang, Geschäftsführerin des Manstein Verlags, im Wortlaut:

"Sehr geehrte Damen und Herren, darf ich Sie erinnern, worum Sie Oliver Voigt vor einer Stunde gebeten hat: um etwas Ruhe und Aufmerksamkeit. Geben Sie mir die Chance in vier Minuten die Marketerin des Jahres zu würdigen. Sie ist eine Frau, die gerne viel arbeitet, sehr verlässlich und belastbar ist, sichtbar unaufgeregte Gelassenheit ausstrahlt und einen der spannendsten Kommunikationsjobs dieses Landes innehat. Sie sagt, was sie macht und sie macht, was sie sagt. Das gilt im Umgang mit Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Aufgewachsen ist sie in der französischen Schweiz, das hat ihren Lebensstil geprägt: Sie ist heute noch immer der Meinung, zuerst die Arbeit dann das Vergnügen.

Nach der Matura kommt sie nach Wien zurück. Sie studiert Politikwissenschaften und Kommunikationswissenschaften, absolviert ein Auslandssemester an der Hochschule St. Gallen für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften sowie an der Freien Universität Berlin. Erste berufliche Sporen verdient sie sich in EDV-lastigen Unternehmen, schon 1991 wird sie Alleingeschäftsführerin der RDB Rechtsdatenbank. Fünf Jahre lang ist die Vorsitzende der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Manz, dann zwei Jahre Geschäftsführerin Verkauf, Marketing und Vertrieb bei Heute, in jener Zeit als Eva Dichand ihr zweites Kind bekommt und schließlich Vorstand Verkauf, Marketing und Kommunikation der RMA, bis ihr die Eigentümersituation zu ungemütlich wurde.

Dann ereilte sie das Jobangebot eines Mannes, für den zu arbeiten sie als sie spannendste und größte Herausforderung ihrer Karriere bezeichnet: Christian Kern, CEO der ÖBB holt Kristin Hanusch-Linser als seine Konzernkommuniationsleiterin an Bord. In nur zwei Jahren hat sie das Image des Unternehmens in der Öffentlichkeit gedreht: Ihr eigenes Motto umgewandelt auf die ÖBB: "Wir sagen, was wir tun und wir tun, was wir sagen."

Das nennen wir authentische Kommunikation! Kein Tag ist wie der andere, immer wieder gilt es eine neue schwierige Situation zu kommunizieren. Es geht darum Mythen zu beseitigen: Milliarden Schulden, Milliarden Zuschüsse, Milliarden Steuergeld. Die ÖBB sind unpünktlich - in Wirklichkeit jedoch die pünktlichste Bahn Europas.

Fragt man Kristin Hanusch Linser nach ihrem Erfolgsfaktor, so sagt sie es ist Chistrian Kern, CEO. Er ist das exzellente Produkt, das ich vermarkte. Für die witzige Werbekampagne, die einfach Botschaften klar formuliert, hat sie gerade zwei Effies bekommen.

In nur kurzer Zeit wurde ihre Arbeit auch international gewürdigt: mit dem Deutschen PR-Preis 2012 und dem Deutschen Preis für Online Kommunikation. Schon 2011 gewann sie den PR-Staatspreis in der Kategorie Social Media. Auch organisatorisch blieb in den ÖBB in den letzten zwei Jahren kein Stein auf dem anderen: Als sie kam, hatte das Unternehmen 17 Pressesprecher, über das gesamte Land verstreut, heute sind es sieben und es gibt keine unkoordinierten Aussagen mehr. Auch die Marketingbudgets wurden gebündelt, zum Leidgewesen geschickter Anzeigenverkäufer, die früher die ÖBB an vielen Stellen anzapfen konnte. Zwei Millionen an dadurch nicht lukriierten Rabatten konnte Kristin Hanusch Linser für das Unternehmen retten.

Ihren Zorn zieht man sich zu, wenn Journalisten nicht recherchieren, absurde dumme Fragen stellen und irgendeinen aufgeschnappten Topfen veröffentlichen. "Das hat deutlich abgenommen", erzählte mir Kristin vor einigen Tagen. Denn offensichtlich sind die ÖBB kein mediales Freiwild mehr, weil man sich seit zwei Jahren laut und deutlich mit Fakten zur Wehr setzt. Dabei ist sie knallhart in der Sache, aber immer verbindlich im Ton.

Hanusch Linser hat alles im Griff, außer vielleicht ihrer Work-Life-Balance, denn sie ist sich bewusst, dass es der Job verlangt, 365 Tage 24 Stunden in Bereitschaft zu sein. Ihr Blackberry scheint an ihrer Hand angewachsen und sie dreht ihn auch ganz selten ab. Ihr Motto ist: "Tommorow is the first day of the rest of the week." Aber irgendwie scheint sie das ja auch zu brauchen: "Mir wird schnell langweilig, wenn die Dinge einfach laufen." Bei den ÖBB warten jedenfalls noch genügend Herausforderung auf die Marketerin des Jahres 2011 - herzlichen Grüßwunsch, liebe Kristin für diese mehr als verdiente Auszeichnung."

Und die anschließende Rede von Kristin Hanusch-Linser:

"Danke Dagmar Lang, für die besonders warmherzige Laudatio. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Viele von Ihnen kennen mich schon sehr lange aus meinen 20 Jahren in der Medienbranche. Diese Branche zu verlassen, um als "Amtsträgerin" in einem öffentlichen Unternehmen zu landen, war damals keine einfache Entscheidung:

Ich habe mich nicht für den Job, nicht für das Unternehmen, sondern für die Person entschieden. Eine Person, die all das, woran ich in meiner Profession glaube, in sich vereint: "Haltung". Dem ÖBB-CEO Christian Kern. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut und die heutige Auszeichnung bestätigt mich.

Es ist das erste Mal, dass ein Staatsunternehmen die wichtigste Marketingauszeichnung des Landes erhält. Bis vor nicht allzu langer Zeit war jeder von Ihnen - wenn er mit der Bahn gefahren ist - ein "Beförderungsfall". Dass Sie sich jetzt als Kunden empfinden können, liegt daran, an der deutlich veränderten, marktorientierten Unternehmensausrichtung.

Hinter diesem Herkules-Programm - aus den ÖBB ein Markt- und kundenorientiertes Unternehmen zu machen-, steht ein Mann: Christian Kern. Und David Ogilvy hatte Recht wie er sagte "Nichts bringt ein schlechtes Produkt schneller um als gute Werbung". Bei den ÖBB gilt das ganz besonders.

Wir haben heute ein gutes Produkt und machen gute Werbung! Marketing kann nämlich nur funktionieren, wenn Produkt, Werbung und - in unserem Fall ganz besonders - "Kommunikation" zusammenpassen. Wenn ein Unternehmen "kommuniziert", dann geht es heute nicht mehr darum, Botschaften und Informationen zu verbreiten. Es geht viel mehr darum, das öffentliche Bild einzufangen und im Gleichklang mit der Realität zu formen.

Wir müssen uns von dem mechanistischen Gedanken verabschieden, dass wir das, was über unser Unternehmen gesagt, berichtet, gepostet wird, steuern - oder gar kontrollieren - können. Was wir aber können, ist den Dialog mit und um unser Unternehmen zu organisieren. Eigentlich ist das nichts Neues: Benjamin Franklin - übrigens gelernter Drucker und Verleger - der bekanntlich den Blitzableiter erfunden hat und vielleicht weniger bekanntlich die US-Unabhängigkeitserklärung (1776) mitgeschrieben, hat sagt: "Erzähl mir etwas, und ich werde es vergessen, unterrichte mich, und ich werde mich erinnern. Aber wenn du mich involvierst, dann werde ich lernen." Diesen Gedanken kann man heute mit Hilfe von Social-Media erstmals professionell und im großen Stil umsetzen.

Was will die Öffentlichkeit? Was wollen wir alle? Wir wollen Glaubwürdigkeit. Warum? Das Produkt, die Information tritt in den Hintergrund. Die Meinung darüber hingegen zunehmend in den Vordergrund. Menschen suchen nach Meinungen und Orientierung und nicht mehr nur nach Angeboten. Und: Die richtige Antwort auf Vorurteile ist Transparenz. In öffentlichen Debatten gewinnen nämlich meistens die großen Vereinfacher. Und weil sich die ÖBB nicht für Vereinfachungen eignen, müssen wir mit Klarheit und offener Kommunikation dagegen halten.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, steckt in diesem Konzept auch eine gute Portion "Notwehr" - unserem öffentlichen Status geschuldet: Wir müssen uns oft gegen vereinfachte und falsche Aussagen wehren, die leider auch von Leuten kommen, die es besser wissen sollten. Die heutige Auszeichnung darf ich daher auch dafür annehmen, dass uns diese schwierige Übung einigermaßen gut gelingt. Ich weiß: Eine solche Auszeichnung gehört niemals einem allein. Sie gehört nicht nur einer Marketingabteilung, sondern immer dem ganzen Unternehmen.

Ich nehme diese Auszeichnung mit Freude und Stolz für unsere - auch Ihre - Österreichischen Bundesbahnen entgegen. Und ich teile die Auszeichnung mit meinem gesamten Team, allen voran Manfred Oschounig, Sonja Horner und Barbara Tichy. Die tagtäglich (oftmals auch rund um die Uhr) dafür kämpfen, die Leistungen unserer, Ihrer aller ÖBB, transparent und ehrlich zu kommunizieren.

Bei Christian Kern bedanke ich mich dafür, dass ich in diesem bis in die letzte Hierachie-Ebene reglementierten und vielerorts auch fremdbestimmten Unternehmen den Freiraum bekomme, auch bei täglichem Gegenwind den Kurs zu halten.

Ganz zum Schluss freue ich mich auch besonders darüber, dass die professionelle Fachöffentlichkeit und die relevanten Marketingpersönlichkeiten des Landes diese Anstrengungen und unsere Leistungen nicht nur wahrnehmen, sondern auch auszeichnen. Sie ermutigen damit, Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Situationen und Unternehmen - die auch wissen, wie es ginge - es aber nicht dürfen.

Daher besonderer Dank an IAA-Präsidentin Martina Hörmer, an den Juryvorsitzenden Hans-Jörgen Manstein und ganz besonders an die Jury für das einstimmige Voting. Und irgendwann in näherer Zukunft, werde ich meinem Mann - der ja auch in der Jury sitzt - seine Stimmenthaltung verzeihen..."
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