D,M&B kehrt in den CCA zurück
 

D,M&B kehrt in den CCA zurück

C. Gstettner
Mariusz Jan Demner hofft, dass der CCA wieder zu „jenem Selbstverständnis und Glanz zurückfindet“, der ihn früher umgeben hat.
Mariusz Jan Demner hofft, dass der CCA wieder zu „jenem Selbstverständnis und Glanz zurückfindet“, der ihn früher umgeben hat.

Nach dem Zerwürfnis zwischen dem CCA und Demner, Merlicek & Bergmann reicht der Kreativclub der Agentur die Hand. Gemeinsam will man nach vorn blicken.

Es war einer der Branchenaufreger im Jahr 2015 und hat auch in den darauffolgenden Monaten noch seine Spuren nach sich gezogen: der Eklat im Vorfeld der CCA-Gala rund um eine Einreichung von Demner, Merlicek & Bergmann. Zur Erinnerung: Die Wiener Kreativschmiede hatte die zuvor vielfach und international dekorierte Arbeit „Rote Nasen – Red Button“ in sieben Kategorien der CCA-Awards eingereicht. Es handelte sich dabei mehr um eine technologische Mechanik als um eine klassische Werbung, die es erlaubte, mittels der roten Taste auf der Fernbedienung von A1 TV zwei Euro an die Roten Nasen zu spenden – ohne Kreditkarte, sondern einfach und direkt über die Monatsrechnung.


 Dieses Projekt wurde allerdings nach der Einspruchsfrist vom damaligen Vorstand des CCA rund um Ex-Präsidentin Gerda Reichl-Schebesta als Doppelgänger disqualifiziert. Die Agentur bezeichnete dies als „lapidare Vorwürfe“ und zog alle eingereichten Arbeiten aus dem Wettbewerb zurück. Zudem entschieden sich die elf in der Agentur tätigen CCA-Mitglieder, dem Vorstand ihr Misstrauen auszusprechen. Was zusätzliches Öl ins Feuer goss: Eine vom ehemaligen CCA-Vorstand abgehaltene Pressekonferenz, in der interne Vorkommnisse bei Demner, Merlicek & Bergmann kommentiert wurden. 


Die Wogen glätten 


Heute, rund anderthalb Jahre später, sitzt an der Spitze des Creativ Club Austria keine Präsidentin mehr, sondern ein gänzlich neuer Vorstand, der einiges anders machen will und darum bemüht ist, die Wogen zu glätten. In einer Anzeige im HORIZONT vom 15. Mai 2016 drückte der CCA sein Bedauern aus und unterstrich sein Bestreben, einen transparenten und fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Mariusz Jan Demner empfand dies als „einen großen Schritt für den CCA, aber einen überschaubaren Schritt für die Menschheit“ und brachte zum Ausdruck, dass er eine stärkere Geste einfordere, um das Geschehene vergessen zu machen. 


CCA verurteilt Vorkommnisse 


Eine Geste, die Mitte September folgte, als Alexander Hofmann, CCA-Vorstandssprecher und Executive Creative Director bei Young & Rubicam, ein Schreiben veröffentlichte, das die Geschehnisse des Vorjahres explizit verurteilt. In diesem ist etwa das Urteil eines Schiedsgerichts angeführt, das unter anderem feststellte: „Die vorgebrachte Argumentation eines technologischen Doppelgängers war nicht zulässig, ein Doppelgänger konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.“ Zudem spricht sich der heutige Vorstand deutlich gegen die damals abgehaltene Pressekonferenz aus und meint, dass es dem CCA „ein Anliegen ist, explizit und öffentlich festzuhalten, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen dürfen“. 


Wie man dem vorbeugend entgegenwirken will? Mit einigen neuen Regeln, wie Hofmann gegenüber HORIZONT festhält: „Wir haben als neuer Vorstand als eine unserer ersten Maßnahmen entschieden, das Entscheidungsrecht über Doppelgänger bei den Jurys zu belassen“, sagt er und ergänzt: „Was der entscheidet, pickt“, denn die Jury sei die beste und letzte Instanz. Zudem wurde festgesetzt, dass es keine Einspruchsfrist mehr geben wird. „Die implizite Bitte um Melden von Verdächtigungen empfanden wir als falsches Signal“, begründet Hofmann. Auch werden in Zukunft verstärkt externe Juroren eingeladen, um den Vorwürfen entgegenzuwirken, „dass sich im CCA immer nur Mitglieder gegenseitig auszeichnen“, sagt der Kreativdirektor und schließt damit, dass man nun nach vorne blicken und die Angelegenheit fortan nicht weiter kommentieren wolle. 


Demner will die Hand ergreifen 


Und was sagt nun Mariusz Jan Demner? „Demner, Merlicek & Bergmann begrüßt den guten Willen des aktuellen CCA-Vorstandes, den Club endlich wieder dorthin zu bringen, wo er vor den bedauerlichen und durch nichts zu rechtfertigenden Aktivitäten von früheren Vorstandsmitgliedern gebracht wurde. Es hat eineinhalb Jahre gedauert, bis das Unrecht, dass den CCA-Mitgliedern bei Demner, Merlicek & Bergmann – einigen der Top-Kreativen dieses Landes – widerfahren ist als solches nicht nur durch das Schiedsgericht erkannt, sondern nun auch öffentlich bedauert wurde. Und ich sage aus diesem Anlass in aller Deutlichkeit, dass nicht – wie vom früheren CCA-Vorstand gegenüber der Presse behauptet – ‚Mariusz Jan Demner seine eigenen Leute um die Bühne gebracht hat‘ – sondern vielmehr ehemalige Vorstandsmitglieder in unlauterer Absicht manipulativ die Aberkennung von nicht weniger als sechs Veneris (viermal Gold, einmal Silber und einmal Bronze) betrieben haben. Sie haben den wichtigsten Kreativwettbewerb des Landes zur Wettbewerbsverhinderung missbraucht und das Ansehen des CCA schwer geschädigt.“


Doch der Werber ist bereit dazu, die Sache nun ad acta zu legen und fügt abschließend hinzu: „Der neue Vorstand hat mit seiner öffentlichen Distanzierung eine Hand ausgestreckt. Wir werden diese ergreifen und wieder aktiv in den CCA zurückkehren. Und wir werden jetzt, wo die Scherben weggeräumt wurden, auch unseren Beitrag leisten, damit der CCA wieder zu jenem Selbstverständnis und jenem Glanz zurückfindet, der ihn Jahrzehnte umgeben hat: die Plattform zu sein für die Interessen der Kreativen und für die Förderung des Stellenwertes kreativer Kommunikation im Lande.“
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