Die CCA-Streitfälle
 

Die CCA-Streitfälle

Andreas Putz, Creative Director, von Weber,Hodel,Schmid,Wien ist ziemlich zerknirscht. Statt doppeltem CCA-Gold für ihn und seine Agentur gibt es nun den Vorwurf, er habe seine Kampagne für die Obdachlosenzeitung Augustin abgekupfert.

Andreas Putz, Creative Director,

von Weber,Hodel,Schmid,Wien ist ziemlich zerknirscht. Statt doppeltem CCA-Gold für ihn und seine Agentur gibt es nun den Vorwurf, er habe seine Kampagne für die Obdachlosenzeitung Augustin abgekupfert.




Kupfer-Vorwürfe





Der Kupfer-Vorwurf sei von mehreren Seiten an den Creativ Club Austria (CCA) herangetragen worden, berichtet CCA-Präsident Chrigel Ott. Von der einen oder anderen Agentur, sickert durch, nur in indirekter Form: "Man habe gehört, die Kampagne soll geklaut sein." Einer, der namentlich auf das angebliche Kupfern aufmerksam machte und sich auch dazu bekennt, ist Johannes Newrkla, CD von Demner, Merlicek & Bergmann. Als CCA-Repräsentant im ADC of Europe sei es für ihn eine besondere Verpflichtung, auf Kampagnen hinzuweisen, die eventuell abgekupfert seien, argumentiert Newrkla. "Selbst wenn es eine Arbeit von uns gewesen wäre, hätte ich etwas unternehmen müssen." Ob gekupfert oder nicht, "die Optik ist immer fatal", meint er. Er wollte keinen öffentlichen Wirbel entfachen, so Newrkla, sondern die Angelegenheit "dorthin bringen, wo sie hingehört, in den Vorstand des CCA". Außerdem habe er darum gebeten, vor einer Entscheidung mit der betroffenen Agentur zu sprechen.

Besonders inkriminiert wurde die Tatsache, dass nicht nur die Augustin-Optik frapant an die Kampagne aus Miami erinnere, sondern auch der Slogan fast wortident sei. Original: "When you're homeless, you see the world differently." Angebliche Kopie: "Die Welt sieht anders aus für einen Obdachlosen."





Reinhold Webers Kritik am CCA





"Was mir nicht gefällt, ist der Schmuddel, man hätte mit mir reden können", kommentiert Reinhold Weber von Weber,Hodel,Schmid,International die Angelegenheit. "Es ist die Art und Weise, die mich stört, nicht die Tatsache, dass unsere Arbeit aus dem Bewerb genommen wurde." In einem Brief an den CCA schreibt Weber: "Wir wollen keine schlechten Verlierer sein (das sind wir ja ohnehin nicht, wir sind

auch nach Aberkennung allenfalls schlechte Gewinner), aber was da abgeht in Wien, ist nur sehr schwer zu verstehen und auszuhalten." Er habe mit der Agentur Kontakt aufgenommen, entgegnet CCA-Präsident Chrigel Ott, schließlich gäbe es neben Aberkennen auch noch die Möglichkeit, eine Arbeit zurückzuziehen. Das wiederum wollte Weber,Hodel,Schmid, nicht, da seitens der Agentur ein Rückzug als Eingeständnis des Kupferns angesehen worden wäre.

"So wie sich das darstellt, ist es für mich extrem unangenehm und bitter", kommentiert Andi Putz, der betroffene CD, die Angelegenheit. Er habe die Kampagne "nach besten Wissen und Gewissen" konzipiert und von dem Doppelgänger nichts gewusst. "Hätte ich die Kampagne jemals gesehen, würde ich mich daran erinnern. Würde ich etwas kupfern, wäre ich nicht so blöd und würde die Arbeit bei einem Wettbewerb einreichen. Ich glaube, dass ich in den letzten zehn Jahren bewiesen habe, dass Kupfern nicht mein Stil ist."
In einer weiteren Sitzung zu den Ergebnissen der ursprünglichen Jury-Runde hat der CCA-Vorstand zwei Tage vor der Venus-Verleihung weitere nachträgliche Änderungen bei den Preisträgern beschlossen. In der Kategorie Tageszeitungsanzeigen wurde letztendlich doch aus dem bisherigen Silber Gold und aus Bronze Silber. Zusätzlich rückte der bestplatzierte Nominee zu Bronze auf. (Bárci & Partner, für eine Image-Anzeigen der Gebrüder Weiss) Die Jury habe noch vor der geheimen Abstimmung,wer Gold bekommen soll, beschlossen, in jedem Fall eine goldene Venus zu vergeben, erklärt Mag. Gerd Babits, der den Vorsitz in der Tageszeitungs-Jury führte. Ein Nachrücken der Arbeiten sei daher nur sinnvoll.





Misstöne





In der Kategorie Musik wurde der ursprüngliche Sieger (Demner, Merlicek & Bergmann für Meinl) disqualifiziert, weil die Arbeit angeblich aus dem Jahr 1998 stammt und damit nicht den Einreichbedingungen entspräche. Auch bei der Musik wurde aus Silber Gold und aus Bronze Silber. Auf den Bronze-Platz konnte niemand nachrücken, dass es in dieser Kategorie keine Nominees gibt. "In Cannes war das Pinkelsujet die bestplatzierte österreichische Arbeit - beim CCA ist sie nicht mal ins Buch gekommen: Tja, Cannes ist eben auch nicht mehr das, was es einmal war", sieht Mariusz Jan Demner den eigentlichen Skandal ganz wo anders.

stats