,Die alte Dame bewegt sich‘
 

,Die alte Dame bewegt sich‘

Die Universität Wien inszeniert mit der Agentur Bluetango ihr 650-Jahr-Jubiläum – Und das ist erst der Anfang

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, weiß der Volksmund – und die Universität Wien hält sich daran. 650 Jahre ist es her, dass Rudolf IV. die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis gegründet hat. Den nicht ganz runden Geburtstag nahm die Universität nun zum Anlass, sich „sichtbar zu machen“, wie es Elisabeth Mattes, die Leiterin Kommunikation, Marketing und Sponsoring, im Gespräch mit HORIZONT formuliert. Gemeinsam mit der Agentur Bluetango ging man daran, rund um das Jubiläum eine Kampagne zu schaffen, die weit über das eigentliche Jubiläum hinaus Wirkung entfalten soll. Der Kampagne ging bereits 2012 eine umfangreiche Marktforschung bezüglich der Wahrnehmung der Uni Wien voraus. Dabei trat zutage, dass diese Bildungsinstitution zumeist massiv unterschätzt wird. Rund 93.000 Studierende hat die Universität Wien an mehr als 70 Stand­orten. Zumeist von den Befragten ­geschätzt wurden rund 15.000 Studierende an acht Standorten. „Groß, alt und vielfältig“ wurden als Imageparameter genannt. Diese sollen mit der Kampagne nun positiv aufgeladen werden: zukunftsweisend, traditionsreich und interdisziplinär.

Wer stellt hier die Fragen?

Ganz im Zentrum der Kampagne stehen die Menschen, die mit der Universität in Verbindung stehen: Professoren und Professorinnen, Studierende und Alumni. Sie alle werden in der Kampagne als Menschen dargestellt, die gelernt haben, Fragen zu stellen. Dies geschieht in YouTube-Videos, Inseraten, Digiscreens in Einkaufszentren oder speziellen Formen der Außenwerbung, wie etwa den Säulen in der Straßenbahnstation Schottentor, dem sogenannten Jonas-Reindl. Und eine gebrandete Straßenbahn fährt die Wiener Ringstraße im Kreis. In der Kampagne geben die Testimonials jene Fragen zum besten, die sie in ­ihrer Arbeit am allermeisten beschäftigen. Und so spricht etwa die Bio­chemikerin Renée Schröder in einem YouTube-Clip über die Frage, wer denn nun zuerst da gewesen sei, die Henne oder das Ei. Die Antwort ist gar nicht so schwer, wird aber hier nicht verraten. Die Kampagne hat den nicht unbeabsichtigten Nebeneffekt, dass die Fakultäten der Universität Wien mit ihren zahlreichen Ausnahme-Wissenschaftlern einmal in den Vordergrund gerückt wird. Mattes auf die Frage, wie die Professorinnen und Professoren, die in der Kampagne vorgestellt werden, ausgewählt wurden: „Das war natürlich ein heikles Thema. Wir haben das so gelöst, dass wir jene um einen Beitrag gebeten haben, die entweder internationale Preise erhalten haben oder mit dem Wittgenstein-Preis, dem wichtigsten heimischen Wissenschaftspreis, ausgezeichnet wurden.“

Abgrenzung zu FH und Co.

Der Fokus auf das Stellen von Fragen dient dabei der gezielten Abgrenzung der Universität. „Die Universität ist ein Ort der Bildung, kein Ort der Ausbildung“, erklären Mattes und Johannes Newrkla, Geschäftsführer der betreuenden Agentur Bluetango unisono. Das, was den Universitäten also mitunter vorgeworfen wird, dass sie nämlich zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Arbeitsmärkte nehmen, wird in dieser Kampagne selbstbewusst als Unterscheidungsmerkmal postuliert. Der Claim der Universität „Wir stellen die Fragen. Seit 1365“ soll die Tradition ebendieser Kunst des richtigen Fragens eingängig vermitteln.

Die Kampagne läuft bis Sommer, und dann wieder im Herbst. Dann ist es aber nicht vorbei: Die Universität Wien soll fortan dauerhaft sichtbar sein, das beginnt damit, dass bereits viele der 70 Standorte mit entsprechenden Flaggen ausgestattet wurden. So soll sie Teil des Stadtbilds werden, meint Newrkla. Und abschließend resümiert Mattes zufrieden: „Die alte Dame Universität Wien hat sich jetzt endlich bewegt – selbstbewusst und mit einem Lächeln.“

Dieser Artikel erschien bereits am 27. März in der HORIZONT-Printausgabe 13/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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