Der hungrige Kobza
 

Der hungrige Kobza

Kobza, Ina Aydogan
Markensymbol von KTHE ist das Auge, bestehend aus zwei „hungry eyes“.
Markensymbol von KTHE ist das Auge, bestehend aus zwei „hungry eyes“.

Mit der neuen Agenturgründung ‚Kobza and the hungry eyes‘ will Rudi Kobza nun in der Kreativszene punkten. Gegenüber HORIZONT erklärt er die Hintergründe, seine Ziele und was sich seit seinem Ausstieg beim internationalen Agenturnetzwerk verändert hat.

Auf seiner neuen Visitenkarte steht nun „Curious“ unter seinem Namen, und die neuen Agenturräume an der Lehargasse 7 in Wien erinnern an Großraumredaktionen von Tageszeitungen. Meterlange Tische stehen da Kante an Kante, darauf drapiert, nebeneinander, unzählige Computer, Telefone, Kaffeetassen.

Tastenklappern, Sesselknarzen und Telefonläuten durchdringt immer wieder die loftartige Ebene. „Kreativ-Redaktion“ nennt Agenturchef Rudi Kobza diesen Ort, und seine 45 Mitarbeiter kennt er nun alle beim Namen – das sei früher bei mehr als 100 Personen weitaus schwieriger gewesen. Seit er im vergangenen Jahr aus dem internationalen Agenturnetzwerk ausgestiegen ist, hat sich sein Leben verändert.

Denn: Kobza ist nicht nur umgezogen – er hat auch wieder gegründet. Diesmal: „Kobza and the hungy eyes“, kurz: KTHE. Um die, wie er sagt, „Schockstarre in der Branche aufzulösen“. Konnte er das im Agenturnetzwerk nicht? „Was in der Branche fehlt, ist der Hunger. Deshalb habe ich die neue Agentur gegründet“, sagt Kobza gegenüber HORIZONT und ergänzt: „Ich habe den Schritt nicht gesetzt, weil ich unbedingt aus der IPG weg wollte, sondern weil ich etwas Neues machen will.“

Zur Erinnerung: Im Sommer 2016 verkaufte Kobza seine Anteile an den IPG-Agenturen GGK, McCann und FCB Neuwien – zu einem Zeitpunkt, an dem das Werbekonglomerat der Gruppe einen Höhepunkt erreichte. Netzwerkagenturen hätten ihre Vorteile, sagt Kobza heute, er allerdings habe sich eben für den anderen, eigenen Weg entschieden. Wie viel Geld er für die Anteile erhalten hat, behält er für sich, ebenso Details zu Verträgen rund um den IPG-Ausstieg, verrät aber: „Die Investitionskosten für die neue Location haben etwa 200.000 Euro ausgemacht.“

Ausland im Fokus

Zurück zur neuen KTHE: Acht Mitarbeiter zählt die neue Agentur bereits, doch in Kürze soll noch ein wenig aufgestockt werden. Die Kernkompetenzen: Strategic Focus, Creative Drive, Digital Natives, International Mindset. Das Leistungsportfolio dreht sich um Strategie, Design, Kampagnen, Content und Marktforschung. Also konkret um Research and Insights, Brand Strategy, Brand Design and Identity, Communication Strategy, Integrated Campaigns, Social Strategy, Branded Content, Experience Strategy, Experience Design. Neben Kobza ist Niko Pelinka Gesellschafter der neuen Agentur.

Kunden gebe es bereits, so Kobza, auch wenn er die Namen noch nicht offiziell nennen möchte. „Einer kommt etwa aus dem Handelsbereich“, verrät er dann doch etwas mehr. Und: Er geht nicht nur im Inland auf Kundenfang, sondern fokussiert auch das Ausland. „Warum sollte eine österreichische Agentur nicht einen Kunden aus Deutschland oder Ungarn betreuen. Im grenzüberschreitenden Denken liegt noch viel Potenzial“, so der Agenturchef. Zu seinen Zielen hält sich Kobza bedeckt: „Wir haben keine konkreten Umsatzziele, sondern nur Qualitätsziele für dieses Jahr.“ 

Partnerschaften

Offen sein will er nicht nur örtlich, sondern auch gedanklich. Die KTHE soll als Schnittstelle zu den Kreativen der gesamten Branche werden, Partnerschaften – auch mit anderen Agenturen – wären für Kobza vorstellbar. „Ich bin überzeugt, dass dadurch völlig neue Ideen und Konzepte entstehen, die zeitgemäßer sind.“ Was Werbeguru Mariusz Jan Demner dazu sagt, der von seiner Agentur zwei Häuser weiter nun quasi Kobza zuwinken könnte? Wir werden es sehen.
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