Corona-Krise: Die Stimmen zum 300-Millionen-S...
 
Corona-Krise

Die Stimmen zum 300-Millionen-Schutzschirm für die Veranstaltungsbranche

EMBA
EMBA-Vorstand (v.l.n.r.): Franz X. Brunner, Herwig Straka, Wolfgang Peterlik, Martin Brezovich, Ivo Franschitz, Oliver Kitz
EMBA-Vorstand (v.l.n.r.): Franz X. Brunner, Herwig Straka, Wolfgang Peterlik, Martin Brezovich, Ivo Franschitz, Oliver Kitz

Die Branchenvereinigungen begrüßen den von der Bundesregierung präsentierten Schutzschirm, betonen aber auch die Bedeutung des Fixkostenzuschusses Phase II. Die Oppositionsparteien bezweifeln, dass die Hilfen auch tatsächlich ankommen.

Die Bundesregierung stellte am Freitag einen mit 300 Millionen Euro dotierten "Schutzschirm" für die von der Corona-Pandemie gebeutelte österreichische Veranstaltungsbranche bereit. Dieser soll Anfang November in Kraft treten und umfasst Veranstaltungen, die gemäß der jeweils geltenden COVID-19-Bestimmungen geplant wurden oder werden. Der Einigung ging Verhandlungen mit dem Event Marketing Board Austria (EMBA), dem Austria Event Pool (AEP) und Experten der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) voraus. Die Abwicklung wird laut Tourismusministerin Elisabeth Köstinger über die Österreichische Hotel und Touristik Bank (ÖHT) abgewickelt.


"Der nun beschlossene Schutzschirm ist in meinen Augen die wichtigste Maßnahme für die Veranstaltungswirtschaft. Einerseits wird die für diese Branche so wichtige Perspektive geschaffen, um den Motor wieder anzuwerfen. Andererseits wird die gesamte Wertschöpfungskette bei Veranstaltungen bedient. Somit garantieren wir Live-Erlebnisse und viele Jobs gleichermaßen", erklärt EMBA-Vorstand Herwig Straka (e|motion group). "Nova Rock"-Veranstalter Ewald Tatar (Barracuda Music) zeigt sich irritiert von Aussagen der Staatssekretärin Andrea Mayer: "Äußerst beunruhigend ist jedoch eine Anmerkung von Staatssekretärin Mayer bezüglich großer Festivals und Open-Air-Veranstaltungen, dass diese womöglich nicht für den Schutzschirm in Betracht kämen. Warum? Denn gerade diese sind die mitunter besucherstärksten Kultur-Veranstaltungen in unserem Land. Ich hoffe sehr, dass diese Aussage nur ein verbaler Irrläufer war und natürlich auch diese Kultur-Flaggschiffe Österreichs unter diesem Schutzschirm fallen werden. Alles andere wäre völlig unverständlich – um nicht zu sagen absurd."

"Die Klärung aller Details wird bei einer so heterogenen Branche eine große Herausforderung sein. Es wurde auch die Breite des Schutzschirms angesprochen, welche nicht nur Großveranstaltungen schützen soll, sondern auch die vielen kleineren Veranstaltungen. Das zurzeit keine Veranstaltungen möglich sind, ist allen klar. Jedoch der Kampf ums Überleben einer ganzen Branche hängt vom Zusammenspiel des Fixkostenzuschusses Phase II und dem Schutzschirm ab. Ebenso die flexible Handhabung von Corona-Kurzarbeitsmodellen für die Branche, die auch von der WKO mit den Sozialpartnern vereinbart (Einzelfallprüfungen) wurde, wird dabei helfen, die Event-Branche wieder aufzurichten", hebt Erik Kastner, Gründer des Austria Event Pools und Agenturchef von OPUS Marketing GmbH, hervor.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer zeigte sich am Freitag erfreut, "dass die Regierung das WKÖ-Konzept für den Schutzschirm übernimmt". Die Veranstaltungswirtschaft trage mit 8,9 Mrd. Euro 3,4 Prozent zur Wirtschaftsleistung Österreichs bei und sichere 144.000 Arbeitsplätze, erklärte Mahrer laut Mitteilung. Mit Zulieferern seien es 250.000 mit dem Sektor verknüpfte Jobs. Mit der nun zugesagten staatlichen Unterstützung werde die dringend nötige Planungssicherheit für die Eventbranche und viele vor- und nachgelagerten Bereiche und Branchen geschaffen, sagte Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf. "Um Messen, Kongresse oder Tagungen veranstalten zu können, braucht es oftmals viele Monate oder sogar Jahre Vorlaufzeit für die Planung. Aufgrund von Corona leben die Betriebe in ständiger Unsicherheit, ob und unter welchen Auflagen ein Event stattfinden kann."

Gemischte Reaktionen von der Opposition

Im Vorfeld hatten SPÖ und NEOS eindringlich vor einer kulturellen Wüste in Österreich gewarnt, sollte die Bundesregierung sich dieses Bereichs nicht endlich annehmen. Ignoriere man die Lage der Kulturinstitutionen und Veranstaltungsbranche weiterhin, stehe man vor "kulturellen Mondlandschaften", sagte SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda vergangene Woche in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Neos-Kollegen Sepp Schellhorn.

Von den Oppositionsparteien fielen die Reaktionen teils zustimmend aus. "Grundsätzlich begrüßt" wurde die Maßnahme von den Neos, jedoch sei es "absurd, einen Schutzschirm zu präsentieren, ohne gleichzeitig auch nur irgendetwas Konkretes dazu zu sagen", ärgerte sich Schellhorn. Es sei unklar, wer unter welchen Umständen den Schutzschirm in Anspruch nehmen kann. Drozda freute sich, dass "der Protest der Kultur- und Veranstaltungsszene und auch der Druck der Opposition erfolgreich" gewesen sei. "Wesentlich ist nun, dass es nicht nur bei vollmundigen Ankündigungen bleibt, sondern die Hilfen auch ankommen."

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