CCA kritisiert ÖGB-Ideenwettbewerb
 

CCA kritisiert ÖGB-Ideenwettbewerb

Offener Brief des Creativclub Austria an den Österreichischen Gewerkschaftsbund.

Wie HORIZONT online gestern berichtete, schreibt der Österreichische Gewerkschaftsbund einen mit 1.000 Euro dotierten Wettbewerb aus, in dem Kreative einen 30-sekündigen Werbespot kreieren sollen, mit dem Ziel die Vorteile einer Mitgliedschaft beim ÖGB hervorzuheben. Dieser Aufruf veranlasste den Creativ-Club-Austria (CCA) zu einem offenen Brief, den Sie hier im Wortlaut nachlesen können.










"Als uns die Meldung über Ihren Wettbewerb, in dem Sie demjenigen tausend Euro bieten, der sich den besten Werbespot für den ÖGB ausdenkt, erreicht hat, so wussten wir nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Schließlich kamen wir zur Ansicht, dass man gegen etwas, das sich wie ein schlechter Scherz liest, aber nicht als solcher gemeint ist, mit Kritik wahrscheinlich nicht weit kommt. Deshalb ein paar Worte zur Aufklärung:










1) "Der ÖGB ist eine überparteiliche Interessenvertretung unselbständiger Erwerbstätiger mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern. Der ÖGB und seine Einzelgewerkschaften vertreten die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Interessen aller ArbeitnehmerInnen gegenüber Arbeitgebern, Staat und Parteien." Das müssten Sie wissen, denn so steht es auf Ihrer Website.










2) Die österreichische Kommunikationsbranche ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, in dem zigtausende kreative Menschen arbeiten. Menschen, die dafür bezahlt werden, dass sie gut ausgebildet und hochprofessionell Kommunikationsaufgaben lösen. Menschen, deren Interessen Sie vertreten wollen.










3) Diese Menschen finden auch deshalb Arbeit, weil für ihre Leistung üblicherweise ein angemessenes Entgelt entrichtet wird. Üblicherweise. Deshalb können es sich Unternehmen leisten, diese kreativen Menschen zu beschäftigen. Und zwar nicht welche, die sich als "Hobbyautoren" verstehen, sondern z.B. solche, die österreichische Ausbildungseinrichtungen für kreatives Schaffen absolviert haben, wie z.B. Schulen, mehrjährige Lehrgänge, Fachhochschulen oder Hochschulen. Oder talentierte junge Menschen, die ihre Begabung durch fundierte Ausbildung in einer Agentur um strategisches Know-how und Kenntnisse der Wirkungsweise von Kommunikation erweitern konnten.










4) Diese Menschen leisten seit vielen Jahren harte Aufklärungsarbeit, dass Unternehmenskommunikation eine wichtige, strategisch anzulegende Aufgabe ist, die in die Hände von Profis gehört. Und sie kämpfen gegen die Geringschätzung des Wertes von Ideen, des Wertes von Kreativität. Ein Kampf, den der ÖGB eigentlich mittragen und unterstützen sollte. Im Interesse dieser Menschen.










5) Ein ordentliches Haus baut man mit Architekt und Baumeister. Natürlich, man kanns auch selbst auf einen Schmierzettel kritzeln und von den "Nachbarn" bauen lassen. Dafür gibt es in Österreich ein wunderschönes Wort: Pfusch. Wenn in einem Markt, der vom Respekt vor der kreativen Leistung lebt, eine riesige Institution diesen vermissen lässt, so ist Feuer am Dach. Wir laden Sie sehr höflich ein, dieses Feuer zu löschen und gemeinsam eine vernünftige Ausschreibung für Ihre Kommunikationsaufgabe zu organisieren.










Eduard Böhler Präsident des Creativ Club Austria"
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