"Arbeit ist das wichtigste Thema"
 

"Arbeit ist das wichtigste Thema"

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Politische Parteienwerbung. Zu Besuch bei der SPÖ in der Löwelstraße: Kommunikationschef Stefan Hirsch spricht über eine durchwegs rote Kampagne

Hier im Empfangsraum in der Löwelstraße merkt man nicht wirklich, was sich ein paar Räume weiter hinten ­abspielt. Hier ist es relativ ruhig. Laura Rudas läuft völlig entspannt vorbei. „Hallo“, sagt sie und verschwindet in den Raum, in den auch Norbert Darabos verschwindet, nachdem er sich die Zeitung vom Empfangsschalter geholt und unter den Arm geklemmt hat. Mit einer kleinen Verspätung und sichtlich gestresst bittet schließlich Stefan Hirsch, Kommunikationschef der SPÖ, in ein Besprechungszimmer. Hirsch ist erst seit Mitte März in dieser Position tätig, zuvor war er Pressesprecher von Renate Brauner, wechselte dann ins Verteidigungsministerium. Nun managt er gemeinsam mit Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos die ­Öffentlichkeitsarbeit und den Wahlkampf der Sozialdemokraten.

Die nächste Plakatwelle ist gerade draußen, die roten Fahnen wehen an Wiens Haus- und Plakatwänden. „Für ­klassische Werbung arbeiten wir mit Demner, Merlicek & Bergmann. Sie begleiten die SPÖ schon seit Längerem, haben auch den Wahlkampf 2008 gemacht. Damals haben sie die Stimmung der Bevölkerung mit dem Slogan ‚Genug gestritten‘ gut getroffen“, erklärt Hirsch. 2008 war das wichtigste Anliegen für die Bevölkerung, dass die Regierung endlich aufhören soll, zu streiten. Das ist heute nicht mehr so, heute ist das wichtigste Thema Arbeit. Und dieses Thema wurde auch gezielt in den Mittelpunkt der Kampagne befördert. Mit dem Ergebnis ist man bei den Sozialdemokraten höchst zufrieden, die Zusammenarbeit mit der Agentur war erfolgreich. „Es war ein gegenseitiges Befruchten, bis man zu einem guten Ergebnis kam“, so Hirsch. Mariusz Demner, Geschäftsführer Demner, Merlicek & Bergmann, beschreibt die Zusammenarbeit als spannend. „Sie müssen in wenigen Wochen Menschen im Sinne ihres Auftrag­gebers bewegen – bei anderen Kunden haben sie dafür Monate, ja Jahre Zeit. Ein Plakat wirkt auf den ersten Blick oder gar nicht.“

Heißer Vorwahlkampf

In der Vorwahlkampfphase hat man ­sogleich mit Sujets gestartet, die für ­etwas Verwirrung unter der Bevölkerung gesorgt haben. Von einer sicheren Hand war da geschrieben, aber keine zu sehen. „Die Linie bringt in ­ihrer Reduktion das Wesentliche auf den Punkt. ‚Mit sicherer Hand‘ ist doch sprichwörtlich, wer braucht da eine Hand zu sehen, wenn sie sich auf kleineren Formaten nicht ausgeht?“, kontert Demner. „Das war das Wahlkampfkonzept, nämlich mit der Botschaft zu starten, dass der Bundeskanzler Österreich gut durch die Krise geführt hat. Wir haben die niedrigste Arbeitslosenrate in Europa und die niedrigste ­Jugendarbeitslosigkeit in Europa, er hat sichere Hand bewiesen und uns gut durch die Krise geführt“, meint Hirsch.

Das Foto des Kanzlers solle Verlässlichkeit und Stabilität ausdrücken. Alleine die Tatsache, dass über die fehlende Hand gesprochen wird, zeigte, dass das Plakat seine Wirkung erzielt hat. „Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, keine Hand zu zeigen, weil wir mit diesem Sujet Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit ausdrücken wollten und den ­Slogan nicht mit einem dynamischen Foto konterkarieren wollten. Wir stehen gut da in Europa, das kommt nicht von ungefähr.“ Dies habe nämlich mit der sozialdemokratischen Führung zu tun, mit dem Bundeskanzler, und das wollte man damit ausdrücken. Weiter ist die SPÖ im Mai bereits eine große Kampagne gefahren, mit der man sich gezielt an die Kernwählerschicht gewandt hat – und zwar mit den Slogans: „Arbeit, von der man leben kann“, „Mieten, die man sich leisten kann“ und „Gegen die Herrschaft der Milli­ardäre“.

"Zum Budget kann ich nichts Genaues sagen"

Die nächste Plakatwelle kam dann Anfang August, quasi die erste Plakatwelle des Intensivwahlkampfs. Die nächste Welle wird in der ersten ­Septemberhälfte gezeigt und die dritte Welle in der zweiten Septemberhälfte. „Wir gehen auf das Signalrot, schalten Printinserate, bespielen TV, Radio und Online, das volle Programm also. Wir fokussieren auf die Themen Pensionen, Wohnen und Bildung. Es gibt Sujets mit und ohne Bundeskanzler.“ Die Spots folgen dem Prinzip der Straßenbefragung. Bürger werden beispielsweise gefragt: Wer kämpft Ihrer Meinung nach um jeden Arbeitsplatz? Betrachtet man all dies, tut sich eine Frage auf. Und zwar die nach den Ausgaben für diesen enorm umfassenden ­Wahlkampf. Nun ja, alles, was vor dem 9. Juli passiert ist, zählt nicht zur Intensivwahlkampfphase und ist für den gesetzlichen Rahmen von sieben Milli­onen Euro nicht relevant. „Ich kann dazu nichts ­Genaues sagen, aber wir schöpfen den Budgetrahmen voll aus“, erklärt Hirsch kurz und bündig.

Social Media im Visier

Ein grüner Politiker hat vor nicht allzu langer Zeit gesagt, Social Media müsse man lernen wie eine Sprache. Auch die SPÖ hat sich da schön öfters im Voka­bular oder der Grammatik vergriffen. Erst kürzlich echauffierten sich die Twitteria und Facebook-Gemeinde ob der geposteten Topfpflanze des Kanzlers – und zwar so lange, bis diese wieder vom Facebook-Profil genommen wurde. „Im Online-Bereich arbeiten wir mit der Agentur datenwerk, die uns im Bereich Internet und Social Media berät. Hirsch zeigt sich sicher, dass in zehn Jahren ein Großteil des Wahlkampfbudgets in den online-Bereich fließen wird. „Das ist jetzt aber noch nicht so, wir buttern den Löwenanteil immer noch in klassische Werbung.“

Grundsätzlich werde koordiniert, was, wo gepostet wird. Im Zeichen der Moderne steht zum Beispiel die kürzlich auch auf Facebook verlautbarte Heldinnen-Geschichte der Pro­tagonistin Hannah und ihrer Familie. Durch ständiges Scrollen mit der Maus begleitet man die junge Dame und sieht, mit welchen Problemen und Herausfor­derungen sie konfrontiert ist. „Den klassischen SPÖ-Wähler in der Form gibt es nicht, er oder sie ist in allen gesellschaftlichen Schichten ­vorhanden, und es wäre falsch, nur bestimmte Gruppen anzusprechen“, erklärt Hirsch und ergänzt: „Im Grunde sind wir die größte und stärkste Partei in Österreich und sind somit nicht auf wenige Gruppen festzumachen.“

Worte über andere

Wie äußert sich ein Vertreter der stärksten Partei über die Konkurrenz und ihre Werbemaßnahmen? „Stro­nachs Plakate sind handwerklich gut gemacht, sind gute Fotos. Weiter sind mir die Faymann-Steuern jedenfalls aufgefallen, also der Copy-paste-Wahlkampf der ÖVP“, so Hirsch. Die ÖVP wird von der deutschen Agentur Butter betreut. „Die waren dann ­erfolgreich, wenn sie eine Persönlichkeit vermarkten durften, wie Klaus ­Wowereit, Hannelore Kraft oder ­Gerhard Schröder, aber Spindelegger kann sich da unserer Meinung nach nur schwer einreihen. Da wird die Agentur Butter ihre Probleme haben.“
Zwischen Schwarz und Rot herrscht also nicht die beste Stimmung, aber klar, es ist auch Wahlkampf. Werden die beiden Parteien miteinander ­koalieren (müssen), dann wird die Stimmung ­sicher schlagartig besser werden. ­Bestimmt.

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