Agenturen-Manifest: Fachgruppe Werbung und CC...
 
Agenturen-Manifest

Fachgruppe Werbung und CCA gründen 'Fair Work'-Charta

leisure communications/Mila Zytka
Helena Luczynski, Isabel Gabor und Lisa Eppel beim Startschuss der Fair-Work-Charta in Wien.
Helena Luczynski, Isabel Gabor und Lisa Eppel beim Startschuss der Fair-Work-Charta in Wien.

Gemeinsam mit der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation startet der Creativ Club Austria die Initiative 'Fair Work' für faire Arbeitsbedingungen und Chancengleichheit aller Geschlechter in der Kommunikationsbranche. Input gab es beim Kick-off im Wiener Talent Garden auch seitens des Ad Girls Club aus Deutschland.

Weitere Details zur Charta und was die 'Ad Girls' Isabel Gabor und Lisa Eppel im Gespräch mit HORIZONT zu latentem Sexismus, 'bequemen Argumenten' von Agenturchefs, Lohngleichheit und Frauen in Führungspositionen sagen, lesen Sie in der Ausgabe 15-16/2022 des HORIZONT ab 22. April. Noch kein Abo? Hier klicken.

Die Auftragsbücher sind voll, die Bewerbungen halten sich in Grenzen. Lange Arbeitszeiten, Sexismus und familienfeindliche Karrierestrukturen machen es überdies nicht nur Eltern schwer, in der Branche zu bleiben, sondern halten auch junge Talente vom Einstieg in die Werbewelt ab oder lassen sie in andere kreative Berufe abwandern, heißt es seitens der Fachgruppe Werbung in der Wirtschaftskammer Wien sowie des CCA, die in Wien gemeinsam ihre Initiative „Fair Work“ präsentierten. Auch die Arbeitgeber:innenseite stehe zudem vor Herausforderungen im Employer Branding.

Die Initiative soll sich in mehreren Workshops und Veranstaltungen in den nächsten Monaten neuen Strategien und Maßnahmen zu fairen Arbeitsbedingungen und Gehältern, Geschlechtergleichheit und neuen Arbeitsmodellen widmen. Das Ziel: Eine gemeinsame Haltung, die in der „Fair Work“-Charta manifestiert wird, zu der sich Agenturen künftig bekennen.

'Schließlich sind wir das System'

„Mit ‚Fair Work‘ möchten wir die Kreativwirtschaft unterstützen und gemeinsam tragfähige Konzepte erarbeiten. Employer Branding entscheidet über die Zukunftsfähigkeit von Agenturen. ‚Fair Work‘ wird der Leitfaden für eine Neupositionierung von innen heraus“, beschreiben die Mitglieder der Creativ-Club-Austria-Arbeitsgruppe, Melanie Pfaffstaller (Mel P Filmproductions), Rita-Maria Spielvogel (BBDO Wien) und Doris Christina Steiner (Jung von Matt/Donau) die Intention des Projektes. „Es gibt keine allgemeingültige Lösung, aber wir können eine gemeinsame Haltung definieren und an Schrauben drehen, damit sich das System langfristig ändert – schließlich sind wir das System“, ergänzt Helena Luczynski (Frau Text) im Namen der Fachgruppe Werbung.

Sexismus-Vorfall als Auslöser für den 'Ad Girls Club'

Zu Gast war auch der Ad Girls Club aus Deutschland, der seit vergangenem Jahr Agenturen von der Unterzeichnung ihres Manifests überzeugen will, welches an gewisse Bedingungen geknüpft ist. Das Ziel: ein gerechter, frauenfreundlicher Arbeitsmarkt. Auslöser für die Initiative war ein Sexismus-Vorfall in der großen deutschen Agentur Scholz & Friends, der zum Austausch Betroffener in einer Telegram-Gruppe führte. Das habe schnell gezeigt, dass es sich um keine Anhäufung von Einzelfällen, sondern ein strukturelles Problem in der Branche handle. Binnen kurzer Zeit äußerten sich über 600 Betroffene zu persönlichen Erlebnissen.

Nur 18 Prozent der Geschäftsführungspositionen in Deutschland seien weiblich besetzt, während die Frauenquote in der Agenturlandschaft bei 60 Prozent liege. Der Gender-Pay-Gap liege in der Bundesrepublik bei 6,5 Prozent. „Die Kreativwirtschaft hat mit ihren Narrativen und Kampagnen einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft und kann Veränderungen auslösen“, sind die „Ad Girls“ Isabel Gabor und Lisa Eppel überzeugt. Das Manifest des Ad Girls Clubs steht unter anderem gegen Sexismus und für eine Frauenquote von 50 Prozent in der Geschäftsführungsebene, Lohngleichheit, genderneutrale Sprache, die Vereinbarkeit von Kind und Karriere sowie Vertrauens-Ansprechpartnerinnen ein.

 

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