Agentur schafft Anwesenheitspflicht ab: "Frei...
 
Agentur schafft Anwesenheitspflicht ab

"Freiheit und Kontrolle betrifft nicht die Anwesenheit"

Dimo Dimov
Wien-Geschäftsführer der goldenen Hirschen: Herbert Rohrmair-Lewis.
Wien-Geschäftsführer der goldenen Hirschen: Herbert Rohrmair-Lewis.

Die Agenturmarke Zum goldenen Hirschen hat anlässlich der Corona-Krise besschlossen, die ständige Anwesenheitspflicht für Mitarbeiter für alle Standorte abzuschaffen. Dabei gehe es um die individuelle Freiheit sowie darum, den Mitarbeitern diesbezüglich nichts vorzugeben. So soll die Flexibilität erhalten bleiben, die von allen sehr begrüßt werde. Wien-Geschäftsführer Herbert Rohrmair-Lewis spricht mit HORIZONT über die Beweggründe, Ausformungen dieser Regeln und wie sich das Business verändern wird. 

HORIZONT: Die Goldenen Hirschen skizzieren in einem Leitfaden aus zehn Punkten die neue Zukunft des Arbeitens. Zentraler Punkt ist die Abschaffung der ständigen Anwesenheitspflicht: Wie schwer fällt die Gratwanderung zwischen Freiheit und Kontrolle?
Herbert Rohrmair-Lewis: Die Gratwanderung Freiheit und Kontrolle betrifft eigentlich nicht die Anwesenheit. Wir mussten gar nicht soviel umstellen, denn wir haben schon davor den Mitarbeitern nicht ständig über die Schulter geschaut. Der Anspruch an Eigenverantwortung ist seit der Agenturgründung ein wesentlicher Eckpfeiler. Grundsätzlich sind die Mitarbeiter gerade aber beim remoten Arbeiten eher bereit Ihren jeweiligen Entwicklungsstatus – gerade bei den Kreativleistungen – zu teilen. Spannender Weise läuft dies exzellent.

Sind Vertrauen in die Mitarbeiter und das Erfüllen ihrer Bedürfnisse zu zentralen Erfolgskriterien aufgestiegen und wie viel an Zugeständnissen kann in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch gemacht werden?
Wir sehen es nicht als Zugeständnis. Wir haben seit jeher dezentral gearbeitet, hatten in der Branche die höchsten Reisekosten. Wir finden es spannend, dass nun auch die Wahrnehmung und Akzeptanz bei den Kunden dafür gestiegen ist. Das ist ein großer Wettbewerbsvorteil im Moment. Wir mussten eigentlich nichts umstellen.

Wie sehr hat die Agentur Corona getroffen – in welchem prozentuellen Ausmaß sind die Umsatzrückgänge?
Wir sind glücklicherweise deutlich im Plus. Mitgeholfen hat die Corona-Kampagne für die Ärztekammer Wien und Niederösterreich – welche wir nicht in unserer Planung hatten. Die Kampagne ist übrigens 100 Prozent im Homeoffice bei uns und beim Kunden entstanden. Briefing, Idee, Konzept, gremiale Präsentationen, Umsetzung wie Reinzeichnung, Programmierung und Verhandlung mit den Medien. Alles von zu Haus aus.

Ein Blick auf die Werbebranche an sich: Was wird nach Corona dauerhaft bleiben? Seht ihr substantielle strukturelle Umwälzungen?
Ja. Wir sind froh, dass wir in Wien und bei fast allen Standorten die Kurzarbeit verhindern konnten und sehen uns bestärkt mit unseren Mitteln und unserer Vision nach vorne zu gehen. Es wird sich die Transformation in der Branche auf jeden Fall beschleunigen. Wir sehen auch ein Ende des Preisdumpings. Irgendwann müssen sich auch die Kunden fragen, wie resilient ihr Partner ist.
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