Active, Engaged, Realtime – Live!
 

Active, Engaged, Realtime – Live!

Erwin Vaskovich, CEO, und Oliver Ellinger, COO VivaKi/ZenithOptimedia und Starcom, über 2013 nach L´Oréal – und die ZenithOptimedia-Proposition „Live ROI“ – Active Understanding, Dynamic Engagement, Realtime Performance.

Interview-Fassung des Berichts in HORIZONT 03-2013 am 18.01.2013.

HORIZONT: Wie war das Jahr 2012 für die Agenturen in der VivaKi?

Erwin Vaskovich: Es war keinesfalls schlecht, wenngleich sehr anstrengend und herausfordernd - ich denke, wir haben uns gut geschlagen. Aus unserer Agentursicht war 2012 wirtschaftlich ein stabiles Jahr, aber aus den Rahmenbedingungen heraus sehr hektisch und herausfordernd.

HORIZONT: Ab 2013 steht Paradekunde L´Oréal nicht mehr auf der Kundenliste der ZenithOptimedia... (in einem Pitch für die D-A-CH-Region setzte sich WPP durch, Anm.hs).

Vaskovich: Ich kann nur für unseren Österreich-Anteil sprechen - natürlich ist so ein Abgang, noch dazu eines traditionellen Paradekunden, schmerzlich, aber wir werden für 2013 durch Restrukturierungen einerseits, aber auch Neukundengeschäft, den Kundenverlust Großteils kompensieren können, Ich würde sogar sagen wollen, dass unsere Schlagkraft 2013 besser sein wird, trotz des Verlusts von L´Oréal - das hat auch mit dem Stichwort ,Live-ROI' zu tun, mit neuen Tools und Apps.
Und: Wir werden auch unseren Mitarbeiterstand 2013 versus 2012 relativ stabil halten können, die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen sind großteils bereits umgesetzt. Dazu kommt auch, dass wir als CEE-Hub eine übergreifende Verantwortung wahrnehmen, sodass wir einen sehr gesunden Mix aus nationalem und internationalem Geschäft plus überregionaler Koordinierungsfunktion wahrnehmen.

Oliver Ellinger: Gerade das CEE-Geschäft und unsere Koordinationsarbeit in dieser Region - das geht von Slowenien bis Russland - ist in den letzten Jahren gewachsen. Für Samsung haben wir das jahrelang gemacht, die Raiffeisenbank International und C&A haben wir für diese Region aus Österreich heraus gewonnen und sind weiterhin Dreh- und Angelpunkt.

Vaskovich: Diese CEE-Funktion für uns hier in Wien ist auch sehr wichtig für unser Standing im Network, unsere Erfolge sprechen für sich. Das ist eines der Ziele für 2013, unsere Hub-Funktion für CEE sukzessive weiter auszubauen. Wir arbeiten da sehr eng mit dem Prager Headquarter - das ist im Network operativ für CEE zuständig , wir als Vienna Hub gehören zu Westeuropa im Network und koordinieren regionenübergreifend. Das ist eine sehr befruchtende Zusammenarbeit, die für uns sehr spannend ist und vor allem von Kunden honoriert wird.

HORIZONT: Zur ZenithOptimedia, eine der beiden Mediamarken mit Starcom unter dem Dach der VivaKi in der Publicis Groupe...

Vaskovich: Vorher noch: Wir sehen uns als Gesamtgruppe, wiewohl ZenithOptimedia natürlich historisch gewachsen einen überwiegenden Anteil der Gruppe in Österreich hat (Optimedia ist die klassische Mediaagenturmarke von Publicis, Zenith kam durch die Akquisition von Saatchi & Saatchi hinzu wie auch Starcom bei Übernahme von Leo Burnett, Anm. hs).
Aber: Gerade unser Schwesternetwork Starcom - übrigens als Einzelmarke nach wie vor die größte Mediaagentur der Welt! - ist zwar in Österreich noch relativ jung, aber in den letzten Jahren sehr stark gewachsen - 2008 kam Samsung als ein großer Network-Kunde, mittlerweile sind da Kunden wie Emirates, Honda oder GlaxoSmithKline im Portfolio.
Und vor zwei Jahren hat die Publicis Groupe mit VivaKi ein strategisches Dach als Servicecenter für die beiden Agenturmarken geschaffen, vor allem was Entwicklungen im Digitalbereich betrifft - aber die beiden Marken mit ihren sehr ausgeprägten Propositions - ZenithOptimedia mit europäischen Wurzeln, Starcom mit US-amerikanischen Wurzeln - eigenständig bestehen lässt. Für ZenithOptimedia haben wir die bestehende Proposition The ROI Agency zu Live ROI erweitert...

HORIZONT: Gutes Stichwort: ZenithOptimedia ist seit jeher als "The ROI-Agency" strategisch positioniert - Return on Investment. In einer neuen strategischen Positionierung in der zweiten Jahreshälfte 2012 wurde dieser Claim im Rahmen einer so bezeichneten "globalen Positionierungsstrategie" zu "Live ROI" erweitert ... was heisst das für ZenithOptimedia Austria?

Vaskovich: Das ZenithOptimedia-Network hat seit Frühsommer 2012 die ROI-Propositon der ZenithOptimedia als erneuerte Proposition ,Live-ROI' Agency ausgerollt. Live-ROI ist im Prinzip die Transformation von der bestehenden Positionierung - die ROI-Agency-Positionierung ist eine der ältesten Positionierungen am Markt und besteht seit über einem Jahrzehnt - in die nunmehr digitale Welt.
Dabei ist ein zentrales Schlagwort ,Realtime' - und ein anderes zentrales Schlagwort ist ,Big Data'. Das sind die zwei wesentlichen Eckpunkte zum Szenario, in dem sich diese Re-Positionierung bewegt. Der Hintergrund dazu ist einfach, dass die Digitalisierung, die digitalen Medien und das gesamte Konsumverhalten - also nicht nur das Mediennutzungsverhalten, sondern das Konsumverhalten - die Einstellungen des Konsumenten, den Zustand und das Verhältnis des Konsumenten vor allem zu Marken so verändert haben und kontinuierlich transformieren, dass diese ROI-Proposition einfach entsprechend angepasst werden musste.
Heißt ganz einfach: die Digitalisierung fordert andere Zugänge - und bietet auch andere Möglichkeiten, die Effizienz - dafür steht ja ROI als Return on Investment - anzulegen, wahrzunehmen, zu gestalten und auch zu messen. Das ist Live-ROI. Das spielt sich vor allem im digitalen Bereich ab.
Es gibt aber nach wie vor die sozusagen ,alte' ROI-Positionierung mit den Tools, die das Network zu den klassischen Medien entwickelt hat.
Das ZenithOptimedia-Network hat zu den klassischen Medien in den letzen eineinhalb Jahrzehnten eine ganze Reihe Tools, Zugänge und realen Erfahrungen entwickelt, die sozusagen ,klassische' ROI-Thematik abzubilden. Das war seit Beginn der 2000er-Jahre ein zentraler Kernbereich für die ZenithOptimedia-Marke. Was jetzt mit 2012 mit Live-ROI passiert, ist die Nutzung des digitalen Bereichs: Neue Prozesse und Tools - die konsequenter Weise bei uns nunmehr auch ,Apps' heissen - sind entwickelt worden ...

HORIZONT: Tools, die Apps heissen oder Apps sind, wie ich sie am Smartphone habe?

Ellinger: App ist ja eigentlich nur ein Neudeutsches Wort für ein Programm. Nachdem sich Tool als Bezeichnung für Programme etabliert hat, die Daten aus der sozusagen ,alten' Welt aufbereiten, nennen wir die Programme, die speziell die in der digitalen Welt entstehenden Daten verarbeiten, Apps. Aber eine Gemeinsamkeit zu den Smartphone Apps gibt es schon - diese Programme sind sehr benutzerfreundlich gestaltet und äußerst schnell... .

HORIZONT: Was heisst das für Beratung, Planung, Strategie - Konsequenzen daraus?

Vaskovich: Wir können mit den speziell für die digitale Welt konzipierten Tools - richtig: Apps - nunmehr noch schneller und adäquater Daten zum Konsumentenverhalten und Markenverhalten generieren. Das Prinzip - besser: der Prozess - zur Proposition ,Live-ROI' umfasst drei Kernpunkte: ,Active Understanding' - das ist im Prinzip der Bereich Big Data.
Also: Digitale Kommunikation und digitale Medien - denken wir an Kundenkarten und Scanner-Kassen, an Traffic auf einer Site oder Online-Shopping - generieren Unmengen von Daten in sehr kurzer Zeit und großer Vielfalt, und die müssen erfasst und verarbeitet werden - und die sind, im Gegensatz zu den Daten in der klassischen Welt, sofort und gleich verfügbar.
Diese Daten müssen erfasst systematisiert und interpretiert werden - zu ,Consumer Insights', also zu verstehen, wie insbesondere digitale Medien und digitale Kommunikation das Verhalten der Konsumenten ändert, wie es überhaupt in den digitalen Medien stattfindet, wie die Bedürfnisse von Konsumenten sind, wie das Verhältnis zu Marken und Produkten ist und sich verändert.
Das können wir alles aus den Daten herausholen, und dazu brauchen wir Know-how, dazu brauchen wir Spezialisten und natürlich die Programme - im Prozess ,Live-ROI'-Apps genannt - die das alles verarbeiten können.
Das ist der eine wesentliche Teil - daraus folgt der eigentlich essentielle zweite Bereich: Wie fliessen diese alle Erkenntnisse in die Kommunikationsplanung ein? Und zwar nicht nur monothematisch digital, sondern in das Gesamtkonzert der Kommunikationsplanung unter der Berücksichtigung des Zusammenspiels von Offline und Online, Above und Below-the-media ... . Also: wie können alle diese Kanäle so verknüpft werden, dass intelligente und effiziente Kommunikation entsteht - um, wie es so schön als Überbegriff heißt, Engagement zwischen Konsument und Marke zu beeinflussen und zu verstärken?
Diesen Prozessteil, dieses Engagement des Konsumenten zur Marke je nach Kommunikationsziel entsprechend zu beeinflussen, nennen wir ,Dynamic Engagement'... . Dann kommt der eigentliche ROI-Bereich als Drittes - das Messen, was die Maßnahmen - ob Kommunikation oder Marketing - ausgelöst haben, welcher Return on Investment erreicht wurde. Das Entscheidende dabei sind die Metrics, die Kennziffern.

HORIZONT: Das sind also nicht nur quantitative Ergebnisse - wieviel Geldeinsatz für welche Reaktion - sondern kann auch qualitative sein, wievel Geld für wieviel Aufmerksamkeit oder Zustimmung?

Ellinger:
Kampagnen haben ja sehr unterschiedliche Ziele, es kommt darauf an, dass wir eine Metric, eine Kennziffer, als Ziel definieren. Das kann der Preis sein - Motto ,Günstig einkaufen', das kann bloss Wahrnehmung, also Awareness sein, das kann eine Facebook-Engagement-Rate sein.
Ein Beispiel zum ersten Bereich, Active Understanding, in dem es um Consumer-Insights geht: Da ist beispielsweise Facebook eine sehr valide Quelle, da der Konsument sich da recht wahrhaftig mit Marken und Produkten auseinandersetzt und sagt, was er mag und entsprechend kommentiert wenn er etwasnicht mag. Was oft gemacht wird, ist die Anzahl der Fans oder die Anzahl der Postings zu messen - wir glauben, dass das weniger wichtig ist, sondern das Engagement das Kriterium ist: Also beispielsweise wieviele Fans reagieren auf ein Posting der Marke oder von anderen Fans, wie hoch ist das im Vergleich zum Mitbewerb und so weiter. Oder im Search-Bereich: Die Analyse, welche Key-Words der Konsument benutzt, welche die Konkurrenz besetzt und so weiter - und daraus entsprechende Strategien abzuleiten.
Dieses Understanding führt zur Formulierung der Kampagnenziele, dem Engagement: Ist es Ziel der Kampagne, Awareness zu schaffen, Involvement zu schaffen oder Active Consideration auszulösen? Um zielorientierte Touchpoints auszuwählen, verfügen wir mit dem "Touchpoint-Tracker" über ein wirklich einzigartiges Tool: Auf Basis von über 500 Studien weltweit für über 7000 Marken können wir sehr genau optimieren, welcher mediale Touchpoint - Touchpoints jeder Natur, Stichwort paid, owned, earned - für die jeweilige Kategorie wichtig ist. Das sind zentrale Informationen, ob, beispielsweise, TV-Werbung für Autos genauso gut wirkt und für den Konsumenten relevant ist wie für Fertigprodukte. Daraus ergibt sich - je nach definierten Zielen - die Auswahl der Medien und Maßnahmen - hier muss man die Tochpoints umfassend verstehen, man denkt dabei nicht nur paid Medien - das was wir als klassische Werbemedien verstehen - mit, sondern auch Touchpoints aus dem earned und owned Bereich, also etwa Homepages, Facebook, Foren Blogs bin hin zum Packaging.
Der letzte Teil ist immer das Messen der Real-Time-Performance: Wieviel haben wir erreicht? Welche Engagement-Rate auf Facebook wollten wir und haben wir erzielt? Wieviele Downloads haben erreicht? Wie stark ist die Awareness gestiegen? Das ist dann ein Kreislauf, der auf Daten basiert, die sehr schnell und fast in Real-Time zur Verfügung stehen.

HORIZONT: Welche Rolle spielt das das Werbemittel - das ihr ja nur bedingt in der Gestaltung und Aussage beeinflussen könnt?

Vaskovich: Das hängt sehr von der Kundenbeziehung ab, also von durchaus mittelbar bis kaum oder gar nicht... .

Ellinger: Was immer häufiger passiert ist, dass der Kunde Werbemittel-Variationen ins Rennen schickt, und wir unterstützen bei der Optimierung - aber wie schon gesagt, das ist, im klassischen Sujet-Bereich, sehr unterschiedlich. Was jedoch zunehmend an Bedeutung gewinnt für uns als Mediaagentur ist das Thema Content... .

HORIZONT: Das Thema Content?

Ellinger: Da geht es darum, mit dem Kunden gemeinsam -eventuell in Kooperation mit einem Medienpartner- ein Erlebnis zu produzieren, eine Geschichte, einen Event, ein Gewinnspiel - und wir bieten den auf unseren Insights basierenden kreativen Input.

HORIZONT: Die gute, alte Soap-Opera also?

Ellinger:
Ja, aber noch ein Stück weiter - ich würde sagen es geht um Weltenbau: Szenarien zu schaffen, die dem Konsumenten die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Marke beziehungsweise dem Produkt ermöglichen. In einer sehr einfachen Form ist das beispielsweise die Nutzung des Rückkanals bei TV-Events wie ,Schlag den Raab' oder ,Wetten dass...'.
Wenn bei solchen sehr attraktiven TV-Live-Events eine Marke positioniert werden kann und dem Konsumenten nutzt, hat das ganz unglaubliche Wirkungen. Dass messbar bei bestimmtem TV-Informationsdruck die entsprechenden Suchabfragen steigen, ist ja fast schon Allgemeinwissen - dazu geht es um die flankierenden Maßnahmen.

HORIZONT: Das klingt nach einer fragmentierten, ja fast fraktalen Form der Kommunikationsformen weit über die klassische Werbung hinaus - wie verwirrend ist das für den Kunden?

Vaskovich: Es gibt einen Bedarf, der sich einfach aus der Situation ergibt, und ZenithOptimedia hat mit Tools und Apps sehr früh und sehr konsequent darauf reagiert, mit den Möglichkeiten, die sich aus ,Big Data' und digitale Interaktion ergeben, die entsprechenden Beratungs- und Analyseangebote zu schaffen. Es geht nicht darum, auf jedem medialen Kirchtag auch zu tanzen - aber die medialen Angebote sind da, der Konsument nutzt sie und unsere Kunden wollen und müssen wissen, wie sie zusammenspielen und welche Angebote wie mit welchem Ergebnis zu nutzen sind. Das gewährleistet ,Live ROI'.

Ellinger:
Das ist eben eine der Kernaufgaben einer Mediaagentur: Interdisziplinär die Daten aus unterschiedlichen Quellen nicht nur miteinander zu verbinden, sondern Ableitungen und Verknüpfungen herzustellen.

Vaskovich:
Selbst wenn digitale Medien für eine Kampagne nicht genutzt würden - es geht ja auch um die Erfassung von Wirkungen und Beeinflussungen. Das ist ein zentrale Aufgabe einer Mediaagentur - mit den Touchpoint-Studien haben wir Erkenntnisse für die klassischen Medien, mit ,Big Data' können wir das Wechselspiel mit und in den digitalen Medien erfassen und analysieren, und das mitunter praktisch ,Live' - so wird Big-Data eigentlich auch zu Quick-Data - und das erfassen wir mit ,Live ROI'.

Ellinger:
Wobei wichtig ist, dass ,Live ROI' modular aufgebaut ist und je nach den spezifischen Kundenbedürfnissen schrittweise und je nach Sinnhaftigkeit sozusagen maßgeschneidert werden kann. Beispiel: Neben dem verschiedenen Analyse-Apps umfasst Live-ROI auch methodisch definierte Szenarien zur Integration von Erkenntnissen aus Fokus-Gruppen.
Das beispielsweise ist ein Part, den unsere Kunden immer stärker nutzen, gerade 2012 haben wir soviele gemacht wie noch nie. Es ist zum Teil unglaublich, wieviel Wissen und welche Wahrnehmungen Konsumenten zu Marken und Produkten haben - aber auch, welche Marken und Produkte als Konkurrenz gesehen werden. Das sind sehr wertvolle Erkenntnisse, daher sind Fokus-Gruppen im Live-ROI ein modulares Element.

HORIZONT: Wie live kann ,Live' sein?

Ellinger:
Live ist kein Selbstzweck. Was nutzt mir die Erkenntnis aus dem täglichen Teletest, wenn ich nicht auch täglich umbuchen kann? Unser Tracking hat als Mindesteinheit eine Woche als Zeitmaß - wir müssen ja auch sehen, dass Kommunikationsmaßnahmen einem bestimmten Aufbau unterliegen. Letztlich hängt das Live-Maß vom KPI ab - dem Kampagnenziel.
Je stärker das Interaktions-getrieben ist, desto kürzer das Zeitmaß für das Tracking. Abverkaufskampagnen sind digital sehr unmittelbar messbar.

HORIZONT: Das aktuelle Handeln des Konsumenten ist wahrer als seine Aussagen oder Absichten...

Ellinger:
Für uns als Mediaagentur ist es extrem wichtig, den Konsumenten zu verstehen. Das Internet beziehungsweise die digitale Welt ist ein Quantensprung an neuen Möglichkeiten, dieses Verstehen zu vertiefen und zu sehen, wie Konsumenten sehr ungefiltert über Produkte und Marken denken und wie sie mit ihnen in Verbindung treten.
Das macht schon einen großen Unterschied aus.

HORIZONT: Ist nun der Konsument doch ein anderer...?

Vaskovich: Das hat schon mehrere Aspekte: Der Großteil der Konsumenten ist auch durch und mit den digitalen Medien selbstbewusster, unabhängiger und kritischer geworden; weil sie sich informieren, bereit sind, viel schneller andere Optionen zu wählen, wenn ein Produktversprechen nicht funktioniert oder wenn Markenimages nicht so strahlen wie sie sollten, dann ist er sehr schnell illoyal.

HORIZONT: Ein volatiler Konsument eben.

Vaskovich:
Gleichzeitig gibt uns der Konsument in der digitalen Welt Möglichkeiten an die Hand, dieses Verhalten zu sehen, nachzuvollziehen, analysieren, auch gegensteuern zu können. Das ist also fast schon ein dialektisch zu nennendes Verhältnis. Einmal verändert sich etwas im Konsum- und Medienverhalten durch die Digitalisierung - das schlägt aber auch auf die bestehenden klassischen Medien offline durch, auch da verändert sich nicht nur etwas im Nutzungsverhalten, sondern auch in der Bedeutung und Funktionalität dieser anderen Medienkanäle in Relation zu den digitalen Angeboten.
Aber nicht nur das Kommunikationsverhalten, auch das Konsumverhalten ändert sich - und wir sehen das über die digitalen Kanäle sehr schnell. Damit ändert sich qualitativ und quantitativ nicht nur für uns Mediaagenturen, sondern für die gesamte Kommunikationsbranche das Geschäftsfeld und Handlungsinstrumentarium.

HORIZONT: Die Daten dazu - zeitnah - kommen aber vor allem aus der digitalen Welt...

Vaskovich: Naja, deshalb ist ja ein Projekt wie der Media Server so wichtig: Als Thema der Integration von Leistungsdaten. Das hat zwar weniger mit dem Thema ,Live' zu tun - weil der Mediaserver per Definition aufgrund der Natur der sehr unterschiedlich miteinander verbundenen Mediengattungen nicht live sein kann - aber das wesentliche Thema ist die Integration. Also das Touchpoint-Thema in einer anderen Dimension: Daten zu bekommen über die Interaktion und die vernetzte Funktionalität von unterschiedlichen Kommunikationskanälen für Konsumenten in ihrem Verhältnis zu Produkten und Marken.
Das ist das Thema. Also vom Silo-Denken wegzukommen zu einer integrierten Datenbasis zur Planung zu kommen, die sich auch den Konsumenten konzentriert.
Das ist das Modell Mediaserver: Dass wir mehr und aktueller darüber lernen, wie das Kommunikationsverhalten des Konsumenten über das gesamte Spektrum der verfügbaren Medien funktioniert - im Tagesablauf, in der konsekutiven Nutzung, in der zeitgleichen Nutzung, in der Gewichtung von Funktionalitäten... .
Das sind die großen Themen nicht nur für uns Mediaagenturen - sondern für den gesamten Werbe- und Kommunikationsmarkt. Unsere Kunden brauchen das und, das muss ich immer wieder betonen, die Medien brauchen diese Erkenntnisse selber! Es ist ja kein Opfer, das die Medien bringen müssen für uns böse Agenturen und die unverschämten Kunden. Sondern die Medien brauchen diese Erkenntnisse selber, um sich zukunftsfähig zu machen. Gerade die Printmedien brauchen diese Insights, um zu sehen, welche Rolle sie in diesem Konzert mit ihrem Printprodukt spielen, welche Rolle ihre Online-Marke spielt. Dieses Wissen brauchen Medien - nicht nur Print - wie einen Bissen Brot, um überlebensfähig und zukunftsfähig zu sein.
Dieses Bewusstsein ist nach meiner Wahrnehmung bei vielen Medienpartnern in dieser Form noch sehr gering ausgeprägt. Manche sehen das sehr präzise, wollen diese Informationen aber nur für sich selbst aber nicht auch anderen zur Verfügung stellen. Manche sehen das als Win-Win-Situation und manche haben den Kopf im Sand und hoffen, dass dieser Kelch an ihnen vorübergehen wird - aber ich glaube, dass diese Hoffnung eine sehr trügerische ist, denn die Welt hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Es geht nicht allein um Quantitäten - es geht um Mehrdimensionalität.

HORIZONT: Das beschriebene System Live-ROI ist ja ein Mehrwert, den die Agentur den Kunden bietet - auch eine Honorar-Einkommenschance?

Vaskovich: Es ist auf jeden Fall ein Mehrwert für den Kunden, den er auch so wahrnehmen wird. Es ist aber nicht einfach on-top-revenue - der Live-ROI ist ein integraler Bestandteil unserer Services, einzelne Elemente beziehungsweise Module davon sind mit zusätzlichem Revenue verbunden.
Also Beispielsweise eine Touchpoint-Studie für ein bestimmtes Produkt für Österreich - das wäre eine Zusatzleistung. Bestandskunden zahlen jetzt nicht mehr Geld - wir können jedoch zusätzlich Leistungen aus dem Live-ROI anbieten wie zum Beispiel bestimmte Reportings, Datenaufbereitungen und ähnliches im Bereich Dataservices.

HORIZONT: Welche Perspektiven bietet 2013?

Vaskovich: Wir werden im Wesentlichen stabil bleiben und daran arbeiten, unsere Basis konsequent zu verbreitern. Was die Media-Entwicklung angeht: Wir hatten zweifelsohne 2012 eine gewisse Zurückhaltung, eine Stagnation. Immer unter der Voraussetzung, dass die sogenannte Eurokrise ihren Höhepunkt überschritten hat - wir können, denke ich, ein mindestens stabiles, wenn nicht sogar, was das zweite Halbjahr 2013 angeht, verbesserte Stimmung erwarten.

,The ROI Agency' definiert ,Live ROI'
Das Media-Network ZenithOptimedia (gehört mit 250 Büros in 74Ländern zur Publicis Groupe) hat seit Frühjahr 2012 seine strategische Positionierung überarbeitet: Mit dem Markenzusatz "The ROI Agency" bekannte sich ZenithOptimedia als - nach eigenen Angaben - erste Mediaagentur bereits im Jahr 2002 zu dem obersten strategischen Ziel, Werbungtreibenden klare Wirkungsbeweise und messbaren ROI (Return on Investment) für ihre Marketinginvestitionen zu liefern.

Dieser Anspruch bleibt bestehen, aber: Die Prozesse, um ROI zu messen und nachhaltig zu steigern, haben sich durch die Komplexität einer zunehmend digitalen Welt radikal verändert. Der ROI erhält angesichts fragmentierter Zielgruppen und einer explodierenden Zahl neuer, digitaler Kontaktpunkte, an denen Konsumenten mit Marken interagieren, nochmals einen Bedeutungszuwachs.

Gleichzeitig wird deutlich, dass ROI nicht am Ende einer Strategie oder einer Kampagne stehen kann, sondern Teil des Prozesses ist. Wo sich Consumer Insights aus neuen, digitalen Quellen schöpfen lassen und sich die Wirkung von Kommunikation immer häufiger in Echtzeit verfolgen lässt, wird auch der ROI zum Live ROI. Deshalb definiert ZenithOptimedia "Live ROI" als Nukleus seiner strategischen Positionierung als ROI Agency.


Die Positionierung "Live ROI" wird inhaltlich gestützt von eigenentwickelten modernsten Tools, Technologien, Methoden und Applikationen wie beispielsweise dem "Touchpoints ROI Tracker", eine der wichtigsten Entwicklungen von ZenithOptimedia zur Bestimmung des spezifischen Einflusses einzelner Kontaktpunkte auf das Markenerlebnis der Konsumenten.

Der "Touchpoints ROI Tracker" erstellt Wirkungszusammenhänge unterschiedlicher Kontaktpunkte und kann den ROI einzelner Kampagnen oder Kommunikationsmaßnahmen belegen. Laut ZenithOptimedia ist die auf über 570 Projekte für 7.600 Marken in 44 Ländern angewachsene Datenbank die größte ihrer Art. "Touchpoints ROI Tracker" wurde im Zuge von Live ROI konsequent in die Bereiche "Owned" (Branded Content, Corporate Communication, etc.) und "Earned Media" (Social Media, User Generated Content) verlängert, so dass ZenithOptimedia-Kunden im Zuge eines "Touchpoints"-Projekts nun Analysen ihrer Kommunikationswirkungen über alle Kontaktpunkte aus den Bereichen Paid, Owned und Earned erhalten können.
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