30 Stunden arbeiten, volles Gehalt - so geht ...
 

30 Stunden arbeiten, volles Gehalt - so geht die Rechnung auf

Alexander Kaiser (lichtlinien.at)
Die GF Klaus Hochreiter (l.) und Thomas Fleischanderl
Die GF Klaus Hochreiter (l.) und Thomas Fleischanderl

Die oberösterreichische Online-Marketing-Agentur eMagnetix stellt auf kürzere Arbeitszeit bei vollem Gehalt um. Was sind die Hintergründe dieses Modells?

Dieser Beitrag ist zuerst in Ausgabe Nr. 13/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Am Anfang stand ein Thema, das viele Agenturen beschäftigt: Fachkräftemangel. Im oberösterreichischen Bad Leonfelden im oberen Mühlviertel ist dieser eine besondere Herausforderung. „Im Herbst 2016 waren wir auf Mitarbeitersuche, und die war schwer für uns“, erzählt Klaus Hochreiter, Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur eMagnetix dem HORIZONT. So studierte man internationale Best-Practice-Beispiele und leitete daraus einen Maßnahmenkatalog mit 20 Punkten ab. Einer davon erregte besonderes Aufsehen: Nach einem Zwischenschritt mit 37 Stunden ab 1. Juni wird ab Oktober die 30-Stunden-Woche eingeführt – bei vollem Gehalt. Eine erste Testphase brachte vielversprechende Ergebnisse, meint Hochreiter. Die 22 Mitarbeiter von eMagnetix konnten wöchentlich auf freiwilliger Basis Feedback abgeben. Das Fazit: Die Angestellten nutzten die zusätzliche Freizeit für ihre Familie, Haushalt und Behördengänge, aber auch für Arztbesuche, Sport, bewussteres Einkaufen und gesünderes Kochen. „Die Mitarbeiter arbeiteten besser, weil sie motivierter waren“, fasst Hochreiter zusammen.

Drei Gründe für 30 Stunden
Bleibt natürlich die Frage: Wie rechnet sich das Modell? Der eMagnetix-Geschäftsführer nennt drei Gründe für das Gelingen: Zum einen gab es am Beginn gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Phase der Prozess-Optimierung, schließlich sollte die Leistung nicht verringert werden. Die 30-Stunden-Woche sei ein großer Anreiz gewesen, Ideen zur Optimierung einzubringen. Zweitens ermöglichte die Digitalisierung die Verringerung von manuellen Aufgaben, etwa bei der Datenauswertung. Und drittens nimmt die Agentur einen Gewinnrückgang von einem Prozent in Kauf. Man sehe das „als langfristige Investition in unsere Mitarbeiter“, sagt Hochreiter, „denn die sind unser wichtigstes Kapital“. Der Erfolg gebe der Agentur schon jetzt Recht. Für eine Stelle als Projektmanager, für die wochenlang keine einzige Bewerbung eingelangt sei, gebe es seit der Bekanntgabe der 30-Stunden-Woche im Februar nun schon derer 20. Auch wenn es nicht auf jede Firma umlegbar sei, der Fachkräftemangel sei einfach spürbar. „Und wer sich da nichts einfallen lässt, wird durch die Finger schauen“, sagt Hochreiter.

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