Women Leadership Forum – Frau.Macht.Bildung

Beim Women Leadership Forum am 19. September im Novomatic Forum diskutierte Marlene Auer, HORIZONT-Chefredakteurin zu „von der frühkindlichen Erziehung zum leading professional“

Beim Women Leadership Forum des Veranstalters European Brand Institute am 19. September diskutierte Marlene Auer, HORIZONT-Chefredakteurin mit Christoph Trost, Co-Founder UNI spotter, Valerie Höllinger, Managing Director BFI Wien, Sophie Martinetz, CEO Seinfeld/Northcote.Recht und Katharina Aplienz, Dozentin Montessori, Akademie zum Thema „Von der frühkindlichen Erziehung zur leading professional - die Einflussfaktoren und Herausforderungen im 21. Jahrhundert“.

Marlene Auer stellt die Einstiegsfrage nach der Generation Digital Natives und wie damit eine neue Art der Mediennutzung einhergeht. Speziell: Was können moderne Bildungseinrichtungen für einen Beitrag leisten für die nächsten Generationen?

Valerie Höllinger ist seit sechs Jahren Geschäftsführerin des BFI Wien und weiß wie die neue Mediennutzung wahrgenommen wird. „Diese wird geprägt von Change und natürlich auch der neuen Ausrichtung des BFI“, sagt sie. Auch habe sie gemerkt, dass die Bildung durch Social Media und den Einfluss des Internets komplett verändert wird - das werde sich auch weiterhin „verstärkt verändern“. Der Blick in der U-Bahn reiche, um festzustellen, dass „90 Prozent der Menschen in ihrem eigenen Universum sind“. Sie sieht die Digitalisierung als Chance, da „Wissen überall und jederzeit abrufbar ist“.

Sophie Martinetz ist Mutter von drei Kindern und berichtet aus ihrer persönlichen Perspektive: Sie sieht, dass die „richtige Attitude in Zukunft wichtig sein wird“, dass es wichtig sei, das Wissen, das man sich aneignet, in erster Linie durch eine natürliche Neugier aneignet. Besonders als Unternehmerin sei ihr das wichtig, „insbesondere wenn ich neue Mitarbeiter anstelle.“ Und sie gibt zu: „Ich bin abhängig von meinem Handy“. Von ihren Kindern erwarte sie aber in erster Linie den richtigen Umgang mit der „digitalen Flut“. Marlene Auer stellt dann die Frage an Höllinger, ab welchem Alter Kinder an Social Media Plattformen, wie Facebook und Twitter herangeführt werden sollen? „Meiner Meinung nach ist es wichtig zu sehen: je früher desto besser, ich würde sagen, man kann damit schon im Kindergarten anfangen, die Struktur und das Denken im Bereich Social Media zu lehren“. Insbesondere die Kompetenz und die Sensibilisierung sei wichtig, wie mit dem Wissen umzugehen sei.

Christoph Trost von UNIspotter beobachtet hier eine positive Entwicklung, wenn er mit jungen Leuten spricht. Auch erwähnt er, dass die Aufmerksamkeitsspanne von jungen Leuten eine kürzere ist, als noch vor ein paar Jahren - so verhalte es sich auch mit den Social Media Trends. „Es ändert sich ständig und alle halbe Jahre etwas, um am Ball zu bleiben, muss man sich ständig damit beschäftigen“.

Zukunfts-Skills für Kids - bereits heute

Dabei entstehen auch Herausforderungen, die Bildungseinrichtungen am besten an zukünftige Media-Professionals jetzt weitergeben sollte. Auer stellt die Frage: „Welche Skills sollten Kinder sich jetzt aneignen, die sie später im Berufsleben einsetzen können?“ Trost weiß, dass sich „durch die Technologie so viel so rasch ändert, deshalb ist eine Anpassung an diese Schnelligkeit vonnöten“. Dabei ginge es vorwiegend um Flexibiliät und Anpassungsfähigkeit, aber auch um die Neugier immer am Ball bleiben zu wollen. In dieser immer vernetzteren Welt könne man über Grenzen hinweg miteinander kommunizieren. „Diese Möglichkeiten sollte man auch verstärkt nutzen“, sagt er. Und drittens, die Kreativität sollte den Kindern beigebracht werden, „Kinder und Jugendliche sollten kreativ bleiben, gerade weil sich die Technologie so rasch weiterentwickelt.“

Wo das moderne Bildungsinstitut ansetzen sollte Vallerie Höllinger unterstreicht erneut, dass Neugierde der Jugendlichen dazu beiträgt, auch die Individualisierung zu stärken. Konkret: „Das Bildungssystem sollte mehr in Richtung Individualisierung gehen, denn Standardisierung; unser System stammt noch aus der Zeit Maria Theresia's und wenn wir von einer verkürzten Aufmerksamkeitsspanne der Jugend von heute sprechen, sollte das auch im Bildungssystem berüchtigt werden.“ Das BFI bildet jährlich über 100 junge Facharbeiter aus, wobei hier ein spezielles Tool zum Einsatz kommt.

„Das denke ich, ist eine große Wende im Bildungssystem.“ Dieses Tool vermittelt „Wissen in Häppchen“. Der Jugendliche könne sich aussuchen, „wo er welche Lektion macht.“ Dabei ginge es eher um Kooperation mit den Peers, als Konkurrenz. Die Welt gehe zwar vermehrt in Richtung Wettbewerb, solle aber in Wirklichkeit künftig Richtung Kooperation gehen. Gleichzeitig solle Lernen auch Freude bedeuten. Das sieht sie als Grundvoraussetzung im Bildungssystem, denn: „über die Individualisierung kann wieder Freude am Lernen herrschen.“

Kinder und Technologie

Die Welt wird vernetzter, somit sollten Kinder auch möglichst schnell mit den Technologien in Berührung kommen, meint auch Christoph Trost. „Wenn ich daran denke, wie ich selbst Social Media Plattformen nutze, und wenn ich mir ansehe, wie Jugendliche die Plattformen nutzen - wenn sie posten, fühlen sie sich gut, sie bekommen Likes“ - leider könne das auch zur Sucht werden, da „können Kinder und Jugendliche schnell hineinfallen“. Dies sei aber auch bei Erwachsenen so.

Die Frage nach den länderspezifischen Unterschieden im Bildungsmarkt, wie Indien und Österreich stellt Auer an Christoph Trost, der jüngst mit UNIspotter eine App auf dem indischen Markt launchte. „In Indien ist Bildung ein sehr großes Thema, weil die Eltern dort für ihre Kinder viel Geld ansparen müssen, um ihnen eine gute Ausbildung zu bieten.“ Mit dem Ziel, den Kindern „nicht nur eine gute Ausbildung zu bieten, sondern auch künftig die Familie zu versorgen.“

Bei den Einflussfaktoren zu den digitalen Kanälen, sieht Trost auf jeden Fall „dass Indien mobiler ist, da Smartphones vergleichweise auch günstiger sind als bei uns.“ Und: die Jugendlichen wachsen damit auf. Im Bezug auf Social Media und Tools, „verwenden die Jungen in Indien ähnliche Netzwerke, wie wir in Österreich“. Da gäbe es nicht viele Unterschiede. Aus Bildungssicht brauchen Kinder Resilienz und die Fähigkeit Krisen zu managen, um zukünftig als leading professional zu punkten, meint Höllinger. Dabei ginge es vor allem aber auch um „Selbstorganisationskompetenz. Stehaufmanderl, die mit den Unwegbarkeiten des Lebens auch umgehen können.“

Dabei sieht sie die Selbstorganisationskompetenz als Basis dafür, „Menschen später auch führen zu können.“ Ganz wichtig dabei, Kinder und Jugendliche dabei zu ermutigen aus der Komfortzone auszubrechen, insbesondere „junge Frauen“, sagt sie. Aus eigener Erfahrung, sagt sie „kann man das durchaus lernen, man muss nicht unbedingt beliebt sein, man muss nur respektiert werden.“

Bildung muss Rahmenbedingungen schaffen

Auf die Frage, wer mehr Einfluss auf Jugendliche und Kinder zuhause in Sachen Einflussfaktoren durch Social Media hat, spricht Katharina Aplienz von der Montessori Akademie davon, an den „Bildungseinrichtungen die Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass sich jeder in seinem eigenen Tempo entwickeln kann.“ Fest stehe, dass „über das Lernen wir die Zukunft gestalten“, sagt Höllinger. Deshalb sei es wichtig, die sozialen Medien in diesen Prozess einzubinden. Für Martinetz ist es wichtig, zunächst einmal die „Stereotypen und Bilder aus unseren Köpfen zu verbannen“. Damit meint sie, dass man fixe Bilder einer Führungskraft im Kopf hat. Dabei sollte man den Fokus auf sich selbst richten: „Was bin ich selbst für ein Chef, was möchte ich meinen Kindern vermitteln?“

Auch sei sie, gerade als Unternehmerin, davon überzeugt, dass „wir als Frauen nicht alle Verantwortung wahrnehmen sollten.“ Als Abschlusswort des Panels sagt Höllinger, Managing Director BFI Wien, dass die Digitalisierung zwar viel biete, und sie streicht heraus, dass „die Technologie und die Zukunft, weiblich“ seien. Fakt ist, dass sich alle Jobprofile zusehends ändern, und dass „wir immer mehr mit Technik zu tun haben werden“. Technologie habe auch viel mit Kreativität und Kommunikation zu tun, die auch „klassische weibliche Kompetenzen sind“. Man müsse versuchen, den Technikbegriff anders aufzuladen, um das „Coden für alle, und vor allem das Coden für Frauen“ zu ermöglichen.

Weitere Informationen: www.womenleadership.at

(red)

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