Total Video ist nicht nur ein Begriff

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

In Deutschland ist es ein großes Thema: ARD und ZDF fordern das „öffentliche Netz“. Und meinen damit, dass es öffentlich-rechtlichen Sendern gestattet sein sollte, was Private tun: die Inhalte den sozialen Medien zur Verfügung zu stellen, in Messenger einzubinden, über neue Kanäle zu distribuieren.

Man spricht von „Cloud TV“, das lineares Programm mit On Demand verbinden soll, um sich gegen die internationalen Giganten wie Amazon und Netflix zu wappnen. Aus Sicht der Öffentlich-Rechtlichen ist die Forderung nachvollziehbar. Kaum ein Anbieter hat so viel digitales Material im Fundus wie sie – damit sollen neue Zielgruppen erschlossen werden, die sich zunehmend in die mobile Nutzung und in soziale Netzwerke verlagern.

Dazu haben ARD und ZDF ein neues Format aus dem Boden gestampft: „Funk“. Es wird nicht über klassische Channels ausgestrahlt, sondern bewusst als On-DemandAngebot über das Social Web. Ein Experiment, das rund 40 Millionen Euro kostet – was aber nur ein Bruchteil des Gesamtbudgets der Öffentlich-Rechtlichen ist. Es ist ein Funken auf ein heißes Pflaster.

Wie das Experiment ausgeht, ist ungewiss. Sicher ist aber: Auch in Österreich werden die Diskussionen zu dem Thema nicht verebben. Privatsender kämpfen um ihr Privileg, im Gegensatz zum ORF, alle Kanäle nutzen zu dürfen und pochen dennoch auf einen Schulterschluss gegen die internationalen Giganten. Das momentane Griss um die Gebühren rückt in den Hintergrund, was wesentlich ist: den gemeinsamen Plan gegen Amazon, YouTube und Co, die zunehmend Zuseher und Werbevolumen absaugen.

Ja, es braucht eine neue finanzielle Lösung, um Medienvielfalt national erhalten zu können, aber es braucht auch eine Lösung für die Nutzer sämtlichen Content – auch jenen des ORF – auf den neuen Distributionskanälen abrufbar zu machen. Es bräuchte ein Aufeinander-Zugehen statt ein Verharren im eigenen Schrebergarten und ein Verteidigen der eigenen Zäune.

Von einem klugen nationalen Sharing-Modell für gemeinsame Online-Channels könnten alle Sender profitieren: die Privaten durch zusätzliche Werbeeinnahmen via Pre-Rolls und der ORF durch das Verbreiten seines Contents ohne Grenzen. Es könnte ein Detail einer neuen Medienabgabe sein. Das ist es, worüber wir nachdenken sollten.

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