Stopp dem Ausverkauf

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Da gibt es die Dummen, die anspruchsvolle Inhalte für teures Geld erstellen„ und die “Schlauen, die Inhalte von anderen kopieren und kostenlos anbieten, um sie durch Werbung zu vermarkten„. Das skandierte Mathias Döpfner, CEO des Springer-Verlages und Präsident der deutschen Zeitungsverleger. Er kritisiert: Medienpolitik solle nicht mit Subventionen kalmieren, sondern endlich Rahmen festlegen zum Schutz des geistigen Eigentums. Döpfner warnt vor einem Triangel von “Staatsfernsehen, Staatspresse und einem Internetmonopolisten„, das mehr mit Nordkorea als mit lebendiger Demokratie zu tun habe. Und er warnt davor “Facebook zu einem Medium zu adeln„, indem man inhaltliche Verantwortung von ihm verlange - wie bei der Zensur von Hasspostings. Damit mache man Facebook zu etwas, was es nicht ist: Ein Medienunternehmen.

Nun ist es aber Döpfner selbst, der mit seinen Medien Facebook exklusiv mit Meldungen gratis ausstattet. Im Grunde aber hat er mit seinen Worten aber Recht. Wenn klassische Medien nicht mehr den Anspruch auf Meinungs- und Nachrichtenhegemonie stellen, sondern sich als digitale Warenhäuser verstehen, geben sie sich selbst auf.

Das ist der Grund, warum der Schutz des geistigen Eigentums so wesentlich ist. Für Döpfner ist die herrschende Politik zu unwissend, zu sehr in alten Denkrastern verhaftet und nicht in der Lage, die Gefahr durch Internetmonopolismus zu erkennen. Besteuerungsdrohungen und der Versuch, inhaltliche Verbote auszusprechen, seien untaugliche Mittel der Zensur. Er stemmt sich mit aller Kraft gegen eine Macht, der er hilflos ausgesetzt scheint. Seine Offensive in Richtung Digitalbusiness ist langfristig keine Zukunftssicherung, das ahnt er. Amazon, Google und Co könnten es sich aus der Portokasse leisten, seine mühsam zusammengetragenen und gekauften Rubrikenportale - von Immobilien, Job, Auto bis Reisen - aufzukaufen und dann vom Markt zu nehmen. Oder sie zu kopieren und nach millionenschweren Investments in kürzester Zeit zum Marktführer zu machen. “Zeitungen und Verlage sind kein Naturgesetz„, sagt Döpfner ehrlich.

Vielleicht rüttelt er damit auf. Eine starke EU müsste selbst in der Lage sein, autochthone IT- und Kommunikationsmodelle zu schaffen. Europäische IT-Konzerne und Creative Industries wie SAP zu formen, Know-how und Geld wären da. Es muss Gegengewicht zu den Monopolisten aus den USA und Asien aufgebaut werden. Noch spüren wir Baidu und Alibaba wenig. Noch hat Europa historisches Wissen, das Google absaugen und scannen muss, um seinem Allmachtsanspruch gerecht zu werden. Es geht vor allem um eines: Wir müssen den Ausverkauf von Wissen stoppen.

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