RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl: „Wollen bei der Frequenzauktion einen fairen Marktpreis finden.“

Johannes Gungl, Geschäftsführer Fachbereich Telekommunikation und Post der RTR, über den Status quo von 4G – und wie die Vergabe von 5G ablaufen wird.

Dieses Interview ist in gekürzter Form zuerst in HORIZTONT Nr. 38 erschienen.

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HORIZONT: Wie ist Österreichs Breitbandausbau derzeit im Vergleich zu Deutschland aufgestellt?

Johannes Gungl: Österreich ist ein Mobilfunkland, in Deutschland spielt das Festnetz eine größere Rolle. Das bildet sich auch in den Breitbandkarten ab. Bei den festen Anschlüssen liegen wir mit 38 zu 29 Prozent ein bisschen hinter Deutschland, bei den mobilen Anschlüssen liegen wir mit 77 zu 73 Prozent vorne. Deutschland hat 98,3, Österreich 99,2 Prozent Breitbandpenetration in den Haushalten. Dazu muss man auch sagen, dass in Österreich die Nachfrage ein bisschen dem Angebot hinterher hinkt: Wir surfen sehr viel, bestellen aber nicht die hoch-breitbandigen Anschlüsse. Es gäbe bessere Anschlüsse, wir begnügen uns aber mit dem niedrigeren.

Wie ist der Status in Sachen 4G derzeit?

4G ist in Österreich sehr gut ausgebaut mit einer Netzabdeckung von 98 Prozent der Bevölkerung. 2016 hat die Verbreitung von 4G Sim-Karten massiv zugenommen: Von den 14 Millionen Sim-Karten sind sechs Millionen 4G-Karten, es gibt 6,4 Millionen 3G-Karten, 2G liegt bei knapp 1,8 Millionen Sim-Karten. In einem Jahr wird 4G die führende Technologie sein.

Wie weit ist der Breitbandausbau im ländlichen Raum vorangeschritten?

Wir haben 2013 jene der 2500 Gemeinden in Österreich ausfindig gemacht, die schlecht bis gar nicht angebunden sind und Versorgungsauflagen für rund 540 Gemeinden erteilt, die damals sehr schlecht versorgt waren. Wir schätzen, dass mittlerweile 70 bis 80 Prozent dieser Gemeinden eine mobile Breitbandversorgung haben. Für die nächste Frequenzvergabe überlegen wir, wie wir die Versorgungsauflagen gestalten: Gehen wir zum Beispiel in Richtung Flächen- statt Bevölkerungsabdeckung?

Die Frequenzen werden dann für 5G verwendet?

Ja, sobald die Technik verfügbar ist. Diese wird derzeit standardisiert und das Equipment ist vermutlich erst in ein paar Jahren verfügbar. Dann kann man es ausrollen. Bis dahin wird man angesichts des wachsenden Datenverbrauchs die Frequenzen mit anderen Technologien einsetzen. Dem europäischen Fahrplan zufolge sollen 2017 alle Mitgliedsstaaten einen 5G-Fahrplan aufstellen, bis Ende 2020 soll zumindest eine Großstadt 5G-fähig sein, 2025 sollen alle städtischen Gebiete und die wichtigsten Landverkehrswege lückenlos mit 5G abgedeckt werden.

Halten Sie es für realistisch, dass wir das in Österreich schaffen?

Ich halte das 2020- ebenso wie das 2025-Ziel für realistisch. Dazu müssen aber ein paar Dinge gegeben sein: Das hängt zum Beispiel von der Standardisierung ab, sowie vom Datenwachstum und davon, ob wir rechtzeitig die Frequenzen vergeben können.

Wie ist der Fahrplan für die Auktion nächstes Jahr?

Im zweiten oder dritten Quartal wird es eine Versteigerung der 3,4-3,8 Ghz-Frequenzen geben, da konsultieren wir derzeit unsere Ideen mit den Interessenten. Die darauffolgende Versteigerung der 700 Mhz-Frequenzen mit den alten UMTS-Frequenzen wird 2019 passieren. Dafür fehlt uns eine Rechtsgrundlage für die Entschädigung der jetzigen Frequenzinhaber. Die 700 Mhz-Frequenzen werden derzeit für terrestrisches Fernsehen verwendet. Hier hat man sich aber international entschieden, dass diese für Mobilfunk zur Verfügung gestellt werden sollen. Auch in Österreich ist das schon beschlossen, man muss aber natürlich die bestehenden Inhaber entschädigen – denn sie haben investiert auf Basis einer Frequenz-Zuteilung. Es wäre wichtig, dass die Bundesregierung das Gesetz zum Prozedere der Entschädigung schnell beschließt, damit wir hier nicht aufgehalten werden. Da ist uns jetzt möglicherweise die Nationalratswahl dazwischengekommen.

Wird das Geld aus der neuen Auktion für die Entschädigung der bestehenden Inhaber verwendet?

Zuerst muss man entschädigen, erst dann kann man die Versteigerung durchführen. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass der Erlös die Entschädigung deckt.

Mit welchen Erlösen rechnen Sie?

Dazu gibt es keine Spekulation.

Die Mobilfunker sorgen sich, dass für sie die 5G-Versteigerung ähnlich hohe Kosten bringt wie bei 4G und man daher nur langsam ausbauen kann. Sind diese Sorgen berechtigt?

Grundsätzlich wollen wir bei einer Vergabe den Marktpreis feststellen. Wir wissen nicht, wie wertvoll das Spektrum ist; deshalb gibt es die Vergaben in Form einer Auktion, damit bildet der Markt seinen Preis. Darauf richten wir auch das Auktionsdesign aus. Natürlich sind zu hohe Frequenzkosten ein Hindernis für zukünftige Investitionen. Auf der anderen Seite hat die öffentliche Hand Interesse, einen fairen Preis für dieses öffentliche Gut zu erzielen. Und wir versuchen, mit dem Auktionsdesign die Preisfindung so zu gestalten, dass wir den fairen Marktpreis finden und erhalten.

Also wird es ähnlich laufen wie bei vorherigen Frequenzauktionen?

Jede Frequenzauktion ist grundlegend anders. Die letzte Auktion war eine Multibandauktion, da wurden mehrere Frequenzbänder gleichzeitig versteigert. Bei der nächsten Versteigerung haben wir nur ein Frequenzband. Zudem gibt es einen Unterschied, ob man bundesweit vergibt oder ob auch regional Frequenzen erworben werden können. Auch die technische Nutzung kann unterschiedlich sein. Deswegen kann man nicht von einer Auktion auf die andere schließen: Man muss sich jede einzelne Auktion anschauen. Wir konsultieren auch mit den potenziellen Interessenten, was der beste Weg für diese konkrete Frequenzvergabe ist.

Wer ist außer den drei Mobilfunkbetreibern noch interessiert?

Es gibt regionale Breitbandanbieter, die diese Frequenzen bereits nutzen. Sie haben Kunden und Geschäftsmodelle – und die Auktion muss so gestaltet werden, dass das beste Geschäftsmodell gewinnt. Aber nicht wir legen fest, was das beste Geschäftsmodell ist, sondern der Markt über den Versteigerungserlös.

Welche Vorteile ergeben sich durch 5G für Wirtschaft und Gesellschaft?

Es wird Geschwindigkeiten im Bereich der Gigabit geben und Latenzzeiten, die es ermöglichen, die Steuerung von Geräten in Echtzeit machen zu können. Das Internet der Dinge, bei dem viele Objekte miteinander verbunden werden, wird durch 5G massiv angetrieben, weil ich dadurch Fernoperationen, autonomes Fahren und ähnliche Dinge ermögliche. In den Bereichen Gesundheit, Verkehr und Energie erwartet man sich viele neue Geschäftsmodelle. Die EU-Kommission schätzt, dass im Jahr 2025 die Einnahmen, die mit 5G erwirtschaftet werden können, weltweit bei 225 Milliarden Euro liegen. Die Erwartung an eine neue Technologie ist natürlich groß – ob es kommt oder nicht, das wird der Markt zeigen. Jetzt müssen wir alle Voraussetzungen schaffen, dass diese Technologie starten kann.

Aber kann gerade bei Industrie 4.0 ein fixes Glasfaserinternet nicht eine kürzere Latenzzeit und eine stabilere Verbindung bieten als 5G?

Gewisse Dinge werden nur über Funk möglich sein. Autos kann man nicht an ein Glasfaserkabel anhängen. Auf der anderen Seite ist eine sehr gute Glasfaserabdeckung die Voraussetzung für 5G, denn natürlich werden die Mobilfunkstationen mit Glasfaser angebunden sein müssen. Mit Kupfer wird das nicht mehr möglich sein. Das heißt, dass Glasfaser-Infrastruktur absolut notwendig ist.

Wie weit ist der Ausbau von Glasfaser-Internet fortgeschritten?

Glasfaser ist in Österreich noch relativ unterentwickelt, im ersten Quartal 2017 hatten wir in Österreich 42.600 Fiber-to-the-Home-Anschlüsse. Das sind 4,2 Prozent mehr als im vorherigen Quartal – in Relation zu den rund 3,5 Millionen Haushalten sind das aber homöopathische Dosen. Das hat mit einem sehr guten Kupfernetz zu tun, das wir haben. Plus: Wir sind ein Mobilfunkland. Deshalb sind wir bei Glasfaser im Vergleich zu anderen Ländern unterentwickelt. Wir merken aber bereits, dass sich die Entwicklung beim Glasfaserausbau beschleunigt – vor allem durch regionale Initiativen.

Welche Rolle spielt die Breitbandmilliarde dabei, dies voranzutreiben?

Die Breitbandmilliarde ist vor allem für ländliche Gebiet unverzichtbar. Wahrscheinlich wird es hier auch mehr Budget brauchen. Es spielt aber auch die Nachfrage eine große Rolle: Wenn den Unternehmen wegen Glasfaser den ganzen Tag die Tür eingelaufen würde, würde auch der Ausbau schneller vorangehen. In Österreich ist die Nachfrage nicht so groß, daher geht der Ausbau nicht so schnell voran, wie wir es uns wünschen würden.

Gerade für den ländlichen Raum wäre schnelleres Internet aber wünschenswert.

Absolut. Und es gibt auch immer mehr regionale Initiativen, bei denen Gemeinden oder das Bundesland dies als Infrastruktur haben wollen und daher ausrollen.

Manche Marktteilnehmer äußern sich kritisch, dass die Verteilung der Breitbandmilliarde ungerecht ist. Teilweise ist von Marktverzerrung die Rede. Stimmt das, oder ist das Jammern auf hohem Niveau?

Wir äußern uns normalerweise nicht zu den Ergebnissen der Breitbandförderung. Grundsätzlich kann ich aber sagen: Es verwundert nicht, dass derjenige, der die meisten Netzinvestitionen hat, auch die meisten Förderungen kriegt. Wir sehen aber in manchen Bundesländern auch, dass regionale Nicht-Telekom-Betreiber durchaus erfolgreich sein können. Es bekommen auch nur jene Unternehmen eine Förderung, die selbst den Spaten in die Hand nehmen – wenn man also selbst keine Infrastruktur ausbaut, sondern nur anmietet, kommt man nicht in den Genuss von Förderungen.

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