Quo Vadis Veritas: Ein guter Schritt

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Während die Pläne für „Global TV“ auf Eis gelegt wurden, ruft Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz eine neue Rechercheplattform ins Leben. Die Stiftung Quo Vadis Veritas will sich um ein „vollständigeres Bild der Wirklichkeit“ engagieren.

Etwas ähnliches hatte vor einigen Jahren E-Bay-Gründer Pierre Omidyar in Folge der Snowden-Papiere getan: Er finanzierte „The Intercept“ für den Ex-Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, der den Inhalt als erster veröffentlicht hatte – in einem weltweiten Verbund von Printmedien.

Omidyar hat kürzlich 100 Millionen US-Dollar für Anti-Fake-Research gespendet und unterstützt auch Pew Research, eines der kritischsten Markt- und Meinungsforschungsunternehmen in den USA. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos hat Geld in die Hand genommen, in seinem Fall für die Washington Post. Die Medienbranche rätselte, warum er im Jahr 2013 rund 250 Millionen Dollar dafür bezahlte – viele mutmaßten, dass er sich gesellschaftliche Relevanz kaufen und radikal vermarkten wollte.

Gut, digitales und analoges Geld verdienen wollen alle Verleger. Im Falle der Washington Post gelingt dies zunehmend auch – über kritischen Journalismus. 2017 hat die Zeitung den Pulitzerpreis für die Berichterstattung der Trump-Enthüllungen erhalten, die Abozahlen steigen.

Sind es die neuen Philanthropen, die in der Medienwelt Fuß fassen? Sie engagieren sich nicht mehr ausschließlich in sozialen Bereichen oder der Kunstförderung, sondern haben Medien für sich entdeckt: als letztes Bollwerk der Demokratie gewissermaßen. Als Instrument der Aufklärung.

„Ich widersetze mich dem Meinungsdiktat“, sagte Mateschitz in einem Interview mit der Kleinen Zeitung zum neuen Projekt und spricht von einer „sogenannten intellektuellen Elite, bei der man bei bestem Willen weder einen wesentlichen wirtschaftspolitischen noch einen kulturpolitischen Beitrag für unser Land erkennen kann“. Das polarisiert.

Dass Philanthropen zunehmend Medien für sich entdecken, mag vor allem mit ihrem zivilen Widerstand zu tun haben, und dem Versuch, neue diktatorische und nationalistische Tendenzen zu bekämpfen. Dazu braucht es Gegenöffentlichkeit. Sie holen sich Querdenker und bieten ihnen Raum. Das ist gut so.

„Informationen liefern, aber keine Meinungen ausbreiten“, sagt Mateschitz. Was nicht angesprochen wird, ist das Missing Link. Es geht um Wissen. Um die Kunst, Informationen in Erkenntnis zu verarbeiten. Dazu aber braucht es: Bildung, Bildung, Bildung. Es wäre schön, wenn sich private Investoren auch auf diesem Feld stärker engagieren würden.

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Kommentare

1 Postings

  • Österreichischer Staatsbürger
    "Bildung, Bildung, Bildung. Es wäre schön, wenn sich private Investoren auch auf diesem Feld stärker engagieren würden."

    Sie sind selber Gutverdiener und sollten wissen wie hoch die Lohnnebenkosten sind.
    Für 2.000 Euro netto die ein Angestellter erhält muss der Unternehmer 3.509 Euro bezahlen.
    Inklusive KFZ-Steuer, Umsatzsteuer, usw. zahlt ein arbeitender Bürger oder Unternehmer
    bis zu 80 % Steuern. Arbeitseinkommen sind durchschnittlich (!) mit 47 % besteuert.

    Was möchten Sie noch? Wieso gehen Sie nicht zu den Verursasacherinnen des "Bildungsproblems"?

    Es sind Grüne und Linke. Wenn man über Jahrzehnte bildungsferne und augenscheinliche (siehe NZZ Artikel zu "Austrotürken") bildungsunwillige Bevölkerungsschichten aus der halben Welt nach Österreich holt, dann kann keine bessere "Bildung" rauskommen. (s.a. Werte des durchschnittlen IQs von Staaten, WHO-Bericht)
    Siehe Schulen in Wien (90 % nichtdeutsche Muttersprache)
    s.a. PISA Bericht besonders für Wien (Migranten, besonders Moslems haben unterdurchschnittliche Deutschkenntnisse)
    Es liese sich diese Liste unendlich erweitern.
    Aber Sie sind ja Journalistin sie könnten - oder müssten! - das alles wissen! Wieso tun Sie es nicht?!

    Ich hoffe nur, dass diese "Rechercheplattform" dann diese Arbeit übernimmt und entsprechend öffentlich verbreitet.
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