ORF auf YouTube: Es geht um Details

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Beim Business Communication Lunch der IAA, unter der Ägide von Präsident Richard Grasl, sprach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz unter anderem über seine Pläne im nonlinearen Segment. Auf YouTube wolle er präsent sein, unter anderem in Form von „Snippets und Begleitmaterial“. Damit würde die TVthek nicht kannibalisiert werden, so Wrabetz.

Auch zusätzlicher Content soll geschaffen werden, Inhalte würden außerdem – so heißt es im ORF-Papier – erst nach Ablauf von sieben Tagen auf YouTube abrufbar sein. Dann also, wenn sie nicht mehr in der TVthek zur Verfügung stehen. Ein Antrag auf Bewilligung sei gestellt, Gespräche mit dem VÖP sollen folgen, so Wrabetz in Richtung von VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm, die im Publikum saß.

Erst kürzlich bekundete der VÖP, dass die ORF-YouTube-Pläne „nicht genehmigungsfähig“ seien und ortete „negative Wettbewerbseffekte“. Der ORF muss sich im digitalen Bereich behaupten dürfen. Über die Details sollte aber noch gesprochen werden. Statt Inhalte des Öffentlich-Rechtlichen – wohl Splitter und Sendungsankündigungen – auf der Plattform YouTube zu verbreiten, und ihr damit im übrigen die Vermarktungsrechte freizugeben, wäre alternativ ein fundiertes eigenes Programm für den Channel sinnhaft.

Von einer eigenen Redaktion gestaltet und inhaltlich an Themen gelehnt, die dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen. So ist es in Deutschland: ARD und ZDF haben mit dem Projekt „Funk“ Mut bewiesen. Der Jugendsender ist ein reiner Streaming-Channel – mit eigenen Inhalten, laufend neuen Formaten – bringt aber durchaus auch Themen, die aus den Segmenten des öffentlich-rechtlichen Auftrags stammen.

So kann man Menschen erreichen – natürlich auch via YouTube. Nach einem halben Jahr zog die Geschäftsführung von „Funk“ Bilanz und zählte rund 150 Millionen Abrufe auf YouTube und Facebook. Jetzt will man nachjustieren, analysieren und das Programm fokussieren.Das so genannte „Begleitmaterial“ sowie Archiv-Bewegtbild könnte der ORF etwa in der APA-Videoaustauschplattform zur Verfügung stellen. Der Zusatzcontent könnte einen Mehrwert für die Onlineportale anderer Medien darstellen. Und bei Verwendung würde der ORF auch auf diese Art neue Zielgruppen erreichen. Einen Gedanke wäre es wert.

Die Bereitschaft für gemeinsame Projekte signalisierte Wrabetz bei der IAA im übrigen auch durch seine Überlegungen, im Bereich Programmatic Werbeumfelder gemeinsam anzubieten – also auch mit anderen Marktteilnehmern. Wir warten gespannt auf die Details.

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