Neue Chancen für Print

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Es sind gute Neuigkeiten: Die E-Paper-Auflagen steigen laut aktuellen ÖAK-Zahlen weiter und lassen in Verlegern neue Hoffnungen aufkeimen. Die User sind nämlich zunehmend bereit, für elektronische Zeitungen zu bezahlen. Hinzu kommt, dass der gesamte E-Publishing-Markt Österreichs (von E-Books über E-Magazine bis hin zu E-Papern) einer Erhebung zufolge – sanft aber doch – weiter ansteigt und im Jahr 2021 bei mehr als einer Million Nutzern liegen soll.

Besonders stark im Wachstum der E-Paper-Absätze ist die Kronen Zeitung, die – spät aber doch – offenbar die Zeichen der Zeit erkannt hat. Ebenso vorbildlich: die Kleine Zeitung und die Vorarlberger Nachrichten. Eugen Russ war einer der Onlinepioniere und hat den Transfer ins virtuelle Geschäft geschafft. Die Styria hat sich zum Multimediahaus entwickelt, die Entwicklung der E-Papers von Kleine Zeitung und Presse sind Beleg dafür.

Das zeigt: Die Österreicher setzen zunehmend auf elektronische Ausgaben der Zeitungen, die überall  auf mobilen Endgeräten gelesen werden können. Die ÖAK-Zahlen untermauern diese Nutzungsentwicklung – und wenn die Roamingtarife fallen, kann auch im EU-Ausland auf die heimischen Medien zugegriffen werden, ohne dabei teure Datentarife zahlen zu müssen. Erst kürzlich haben sich die Mitgliedsländer beim letzten offenen Verhandlungspunkt geeinigt und gedeckelte Großhandelspreise festgesetzt.

Der Preis für Datentarife soll bis 2022 nach und nach auf 2,50 Euro pro Gigabyte sinken. Dies gilt für Mobilfunker, nicht für Kunden. Für diese sollen per 15. Juni die Roaminggebühren komplett wegfallen. Einzig: Wer zu Hause einen besonders günstigen Datentarif hat, könnte von seinem Anbieter beim Surfen im Ausland begrenzt werden.

Für Verlage bringen die verstärkte Nutzung der E-Papers neue Abo-Einnahmen und die Möglichkeit, neue Vermarktungsmodelle zu etablieren. Zwar gelingt es noch kaum einem Medium, sinkende Printauflagen durch E-Paper zu kompensieren und das Printgeschäft zu refinanzieren; vielleicht gelingt das auch nie, weil die Erlöse online geringer sind, sowohl bei Anzeigen als auch bei Abos. Aber hoffen kann man. Nun braucht es noch: Gutes Marketing, gute Vermarktungsideen und natürlich weiterhin guten journalistischen Content, um die Leser mehr und mehr an die Marke der Zeitung zu binden.

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