Naht das Ende von Free-TV?

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Deutschland geht in Sachen DVB-T2 einen eigenen Weg. Seit März wird aufs neue digitale Antennenfernsehen umgestellt, ab Juli bedeutet das für die Nutzer: Sie müssen für private Sender 69 Euro pro Jahr und Gerät zahlen. Zudem kündigte RTL-Chefin Anke Schäferkordt den Ausbau von TV Now an – jener Marke, unter der die Mediengruppe sein digitales Programmangebot bündelt.

Der Anteil der Eigenproduktionen soll ausgebaut werden, ob und wann Sendungen Bezahlangebote sind, werde noch ausgestaltet.Diese beiden Beispiele zeigen: Echtes Free-TV könnte nach und nach verschwinden – auch wenn die Zuschauer nicht für das Programm, sondern für den technischen Zugang zahlen. Schon jetzt wird in Deutschland etwa an den Betreiber von Kabel-TV gezahlt, oder in Form der Haushaltsabgabe.

In Österreich – wo der ORF neben Werbeeinnahmen mit Gebühren finanziert wird – wird immer wieder, zuletzt intensiver, eine neue Form der Medienabgabe diskutiert. Auch im Bereich der Sportlizenzen ist der Weg in den Pay-Bereich erkennbar. Die Champions League wird erstmals exklusiv im Pay-TV übertragen, Sky hat sich die Rechte ab der Saison 2018 gesichert.

Der Bezahl-Streaminganbieter Dazn schnappte sich Sublizenzen, Free-TV ging leer aus.Es ist legitim, dass private TV-Anbieter nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen. Sie benötigen diese für die Entwicklung von Eigenproduktionen – mitunter um dem Publikumsschwund Richtung Netflix, Amazon und Co entgegenzuwirken. Dass Öffentlich-Rechtliche hier anderer Meinung sind, auf den Werbekuchen verweisen und auf gesetzliche Beschränkungen pochen, ist ebenso nachvollziehbar.

Doch diese Pattstellung ist mit gutem Willen lösbar. Medienminister Drozda sprach sich kürzlich dafür aus, dass der ORF „seine Onlineaktivitäten ausweiten kann“ – und einem Modell wie der Haushaltsabgabe habe er sich „nie verschlossen“. Wie auch immer die neue Finanzierung aussehen wird – und ob auch andere Mediengattungen miteinbezogen werden – die Entwicklung wird voranschreiten und ein Handeln notwendig machen. Spannend wird das Thema auch für Media-Buyer.

Wenn sich Free-TV-Sender – wenn auch nur in einzelnen Bereichen – zu Pay-TV wandeln, wirft das Fragen für die Werbung auf. Welche Reichweiten werden wo generiert? Welches Publikum wird erreicht? Bei all dem sollten Massenmedien nicht vergessen, dass sie Massenmedien sind. Und Werber nicht vergessen, dass die Ansprache schmaler Zielgruppen in einer Kampagne immer nur Ergänzung sein kann. Denn auch Werbung ist letztendlich eines: Massenkommunikation. 

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