Medienabgabe: Bitte neu denken!

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Der geplante Antrag auf Gebührenerhöhung um 7,7 Prozent wurde zurückgezogen und neu berechnet. Weniger sollte es werden – und 6,5 Prozent sind es geworden. Die Erhöhung ist gerechtfertigt, wenn der ORF in den öffentlich-rechtlichen Auftrag investiert und sich von innen heraus reformiert. Es sollte aber auch die letzte Gebührenanpassung sein. Mittelfristig braucht Österreich ein neues Modell der Medienfinanzierung.

Wir leben in multimedialen Zeiten und konsumieren zahlreiche Channels auf verschiedenen Endgeräten. Wir leben in der Ära von Bewegtbild und virtuellen Nachrichtenfluten, Pushdiensten und Newslettern. Wir leben aber auch in einer Welt, in der Print nach wie vor seine Stärke zeigt. Eine neue Medienabgabe sollte sämtliche Gattungen bedienen – nicht nur Radio und TV – die zur Meinungsbildung und Aufklärung beitragen.

Natürlich muss die Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen weiter gesichert sein, Österreich braucht einen starken Öffentlich-Rechtlichen. Trotzdem reicht es nicht, Gebühren nach oben zu schrauben, ohne zu verändern. Der Programmauftrag gehört klarer definiert und evaluiert – durch expertenbezogene, objektiv zusammengesetzte Behörden. Der Stiftungsrat sollte entpolitisiert werden und die Landesabgabe zweckgebunden umgewidmet werden. Es ist ermüdend, dass der ORF nach wie vor Spielball für Landesfürsten ist, die an den Gebühren mitnaschen.

Wie wäre es, wenn die Landesabgabe in neue Medienprojekte fließen würde? Oder in Ausbildung von Journalisten und Medienmachern? Oder in ein Angebot der Regierung an die Maturanten, sich im ersten Jahr nach dem Abschluss ein Medium ihrer Wahl ein Jahr lang abonnieren zu können? Damit würde der Medienstandort Österreich gestärkt werden und es wäre ein Beitrag zur Bildung.

Wir brauchen Anreizmodelle für die Mediennutzung von morgen, damit die nächsten Generationen nicht automatisch Facebook und Co als alleinige Nachrichtenquellen nutzen. Diese Netzwerke, die mit unbekannten Algorithmen und Filterblasen-Methoden arbeiten, sind nämlich nicht nur eine Gefahr für die Medienlandschaft, sondern auch für die Aufklärung.

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