Marketing: Bitte neu denken!

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Es klingt gut: Die Presseförderung soll verdoppelt werden. Eine Erhöhung ist notwendig, vielen Printmedien ist es ökonomisch selten so schlecht gegangen wie im vergangenen und wohl auch diesem Jahr. Onlineportale können sinkende Auflagen (noch) nicht refinanzieren, und reine Onlinemedien profitieren erstmals von der geplanten Neuausrichtung der Presseförderung.

Dass auch Gratismedien gefördert werden, muss uns nicht aufregen. Auch dort arbeiten Journalisten. Auch Boulevard hat seine Berechtigung am Markt.Diese Geldspritze gibt zwar mehr Luft zum Atmen, grundsätzlich müssen Medien die strukturelle Krise aber selbst lösen. Der Staat kann nicht dauerhaft immer mehr Finanzmittel zuschießen – das ist weder wirtschaftlich noch ethisch sinnvoll.

Politik und Medien würden sich noch tiefer verzahnen, anstatt auseinander zu rücken und unabhängig und frei voneinander zu agieren. Medien brauchen kreative Ideen, müssen sich neu erfinden und zusätzliche Wege einschlagen.Auch Marketingchefs müssen umdenken: Werden nur noch Sponsored Posts oder Native Ads auf den internationalen Plattformen gebucht, erodiert nicht nur die Medienvielfalt, sondern auch die Meinungsfreiheit.

In Zeiten, in denen jeder virtuell nur noch das zu lesen bekommt, was seiner Gesinnung entspricht (Stichwort Filterblase), braucht es mehr denn je ausgebildete Journalisten der klassischen Schule, die Thematiken, Missstände und Auffälligkeiten recherchieren und Entwicklungen analysieren.Haben diese Journalisten aber keine Medien mehr, in denen sie schreiben können, wird das ein Bumerang für die Unternehmen.

Deren Marketingaktivitäten im Social Web erreichen durch die undurchsichtigen Algorithmen nur noch ihre Kernzielgruppe, nicht aber neue Interessenten. Im klassischen Medium erreicht man diese aber immer noch.Hinzu kommt: Eine fundamentale Änderung der Medienabgabe geht mit der neuen Presseförderung nicht einher.

Die Kernaufgaben sind noch nicht gelöst: Wie soll es mit den Rundfunkgebühren weitergehen, wie strukturiert man eine neue Medienförderung, welche Kriterien kommen zu tragen, wie geht man mit dem sukzessiven Abfließen der Wertschöpfung aus Österreich um, und wie definiert man ein zeitgemäßes Urheber- und Leistungsschutzrecht? 

Medienminister Drozda hat mit der erhöhten Presseförderung einen Vorstoß in eine gute Richtung gemacht und in einer Akut-Situation gehandelt. Hoffen wir, dass es bei den anderen Themen nun auch zügig zu Entscheidungen kommt.

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