Jan Trionow: „Fehler der milliardenteuren Frequenzauktion von 2013 dürfen nicht wiederholt werden“

Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria, über die Notwendigkeit von 5G, den Ausbau von Breitband am Land und die Bedeutung der Breitbandmilliarde.

Dieses Interview ist Teil einer tiefergehenden Analyse, die bereits in HORIZONT Nr. 38 erschienen ist. Noch kein Abo? Hier klicken!

HORIZONT: Brauchen wir wirklich 5G? Oder ist ein Ausbau von fixem Glasfaser-Internet nicht sinnvoller?

Jan Trionow: Österreich benötigt 5G. Bei 5G handelt es sich nicht um eine lineare Weiterentwicklung von 4G, sondern um die zentrale Basisinfrastruktur für ein gesamtheitliches Ökosystem der Zukunft. 5G ist eine revolutionäre Technologie, die vielen nachgelagerten Industrien die revolutionäre Entwicklung von Diensten und Anwendungen ermöglicht - zum Beispiel IoT, M2M und damit verbunden leistungsfähigere Datennetze, Transport von Bits mit geringer Verzögerungszeit oder hoher Datenrate. Die Bundesregierung hat dieses Potenzial erkannt und im aktuellen Regierungsprogramm das Ziel formuliert, Österreich zum 5G-Vorreiter zu machen. Damit Österreich eine 5G-Vorreiterrolle einnehmen kann, müssen jedoch die Rahmenbedingungen stimmen. Das heißt, die Fehler der milliardenteuren Frequenzauktion von 2013 dürfen nicht wiederholt werden. Es kann anhand mehrerer Beispiele aus der Vergangenheit nachgewiesen werden, dass eine günstige Frequenzvergabe direkte Auswirkungen auf eine gute und rasche Netzabdeckung hat. Österreich wurde wurde zum Beispiel bei 3G Marktführer, während Deutschland aufgrund der sehr teuren 3G-Frequenzvergabe beim 3G-Ausbau stark hinterher hinkte. 75 Prozent der Datenverbindungen erfolgen aktuell laut RTR auf Basis von Mobilfunk. Dieser Trend ist nicht mehr rückgängig zu machen. Der mobile Datenverbrauch der Österreicher vergrößert sich in einem rasanten Tempo von Jahr zu Jahr. Während das traditionelle Festnetz Daten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 10 Mbit/s transportiert, befördert Mobilfunk Daten durchschnittlich mit 35-40 Mbit/s. Der flächendeckende, österreichweite Ausbau von fixem Breitband ist keine Alternative zum mobilen Breitband: Glasfaserausbau kostet ein Vielfaches und dauert wesentlich länger. Und das Ausmaß der dafür benötigten Grabungsarbeiten wäre außerdem enorm.

Wozu wird 5G benötigt? Wo kann fixes Breitband bessere Leistung bringen?

5G ist ein Weltstandard und ein sogenannter „Enabler“. Viele IoT und M2M Lösungen werden erst durch 5G ihren Durchbruch erreichen. 5G ermöglicht den Transport von Daten in verschiedenen Qualitäten: Zum Beispiel mit geringen Verzögerungen.

Wie steht es um den Ausbau-Fahrplan von mobilem Breitband in Österreich, vor allem im ländlichen Raum?

Hutchison Drei Austria hat bereits im August 2015 als erster heimischer Betreiber seinen österreichweiten LTE-Ausbau abgeschlossen und erreicht seitdem 98 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher mit superschnellem mobilen Breitband. Drei hat dadurch die Versorgungslücke zwischen Stadt und Land geschlossen. Wir sehen speziell bei der anhaltenden Nachfrage nach unseren mobilen Internet-Lösungen für Zuhause - 3neo, 3Tube etc. -, dass in ländlichen Regionen in Österreich starker Bedarf an raschen Internetverbindungen besteht.

Wie ist Österreich bei mobilem Internet im Vergleich zur europäischen Konkurrenz aufgestellt, vor allem im Vergleich zu Deutschland?

Laut aktuellem Connect Netztest von 01/2017 stehen die österreichischen Netzbetreiber „auch beim LTE-Ausbau gut da – im Herbst 2016 versorgen A1, T-Mobile Austria und Drei bereits den Großteil der Bevölkerung mit 4G-Mobilfunk und können sich darauf konzentrieren, die wenigen noch verbliebenen Lücken zu stopfen.“ Während der jüngste Connect Test bei Datenverbindungen Drei 555 Punkte und A1 bzw T-Mobile Austria 553 und 530 Punkte gab, erhielten die deutschen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica von Connect in der Daten-Kategorie 521, 489 und 373 Punkte. Im aktuellen OECD-Länderbericht zur wirtschaftlichen Situation und Wettbewerbsfähigkeit Österreichs wird die globale digitale Revolution und der damit verbundene Umgang mit neuen Herausforderungen vertiefend analysiert. Für diesen Bereich hält die OECD fest, dass Österreich beim globalen Wandel hinterherhinkt und die digitale Anpassung viel langsamer verläuft als in anderen Nationen. Dieser Rückstand soll durch eine kontinuierliche Förderung digitaler Innovationen und Verbreitung modernster Technologien eliminiert werden und den effizienten Aufbau einer nachhaltigen, digitalen Wirtschaft ermöglichen. Der neue Mobilfunkstandard 5G spielt im Zusammenhang mit der Stärkung der digitalen Wirtschaft und deren Entwicklung eine zentrale Rolle.

Ihre Meinung zur Nutzung der „Breitbandmilliarde“ der Regierung?

Beim Thema Breitbandförderung haben sich unsere Befürchtungen leider bestätigt, da bisher 80 bis 90 Prozent der „Breitband-Milliarde“-Förderungen an A1 Telekom gingen. Wir plädieren deshalb dafür, die Förderungen wettbewerbsneutral zu vergeben.

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