Gefräßige Zeiten

Leitartikel zum Deal von AT&T und Time Warner von Marlene Auer, Chefredakteurin.

AT&T schluckt Time Warner für 85 Milliarden Dollar und wird damit über Nacht zu einem der größten Medienunternehmen der Welt. Und zum ersten Mediengigant mit voller Wertschöpfungskette.

Denn der Telekommunikationskonzern und -provider verfügt plötzlich auch über Filmstudios und -rechte wie etwa für Harry Potter oder Batman und über TV-Sender wie CNN als einen der weltweit größten News-Channels. Ob der Deal von den Regulierungsbehörden genehmigt wird, ist fraglich – und das zu Recht. Eigener Content, eigene Netze, direkte Verbindung zum Endkunden: mobil, über Satellit und Kabel. Das ist eine marktbeherrschende Position.

Amazon setzt diese Strategie seit Jahren schrittweise um, AT&T muss nun nachziehen. Bereits im Vorjahr kaufte der Telekomanbieter den Satelliten-TV-Anbieter DirecTV für 50 Milliarden Dollar. Das ist ein weiterer Schachzug der zeigt wie wichtig es dem Unternehmen ist ins Fernsehgeschäft einzusteigen und neue Übertragungswege zu finden. Denn Kabel alleine ist zu wenig (und auch zu teuer).

Viele Konsumenten steigen auf Streams um. Das kann AT&T in Zukunft auch abdecken. Durch die Übernahme von Time Warner ist man Amazon nun sogar einen Schritt voraus – indem man zusätzlich zu erfolgreichen Vollprogrammen im klassischen TV auch einen Nachrichten-Sender wie CNN im Portfolio hat.

Die Entwicklungen machen nachdenklich. Sie sind besorgniserregend. Die Zeit der Gefräßigen ist da, und sie ist massiver denn je. Disney wird eines Tages Netflix übernehmen, NBC Universal hat bereits die strategische Mehrheit bei Buzzfeed, Verizon schnappt Yahoo. Worum geht es hier?

Es geht um Oligopole statt Monopole, denn ein wenig Wettbewerb soll sein damit Kauflust und Kaufkraft nicht sinken. Doch im Schatten der Oligopole (und natürlich auch der Monopole) kann nur wenig gedeihen, die kleinen Märkte bleiben klein und trocknen aus. Relevant ist nun die Entscheidung der Kartellbehörden, die den AT&T-Deal genau anschauen werden – hoffentlich.

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