Flüchtlinge, CETA, TTIP oder Finanzkapital - alle Ängste sind gleich

Jenseits des HORIZONT

Sind diejenigen, die Angst vor Flüchtlingen und zu vielen Einwanderern haben, dieselben, die gegen CETA und TTIP protestieren, oder gegen die globale Erwärmung, gegen CO2 und Monsanto? Sind die Globalisierungsgegner und Retter der regionalen Identität dieselben, die Hofer wählen oder Orban? Oder sind es Grünwähler mit neu entdecktem Heimatsinn? Das globale Dorf ist überall. Die Angst vor dem Fremden sitzt tiefer, als viele zugeben, die von rechter Gefahr sprechen und gleichzeitig vor genmanipulierten Nahrungsmitteln warnen. Oder davor, dass es internationale Schiedsgerichte geben soll bei Handelsabkommen. Abschottung statt Neugierde. Die Erdogan-Gegner treiben Handel mit dem Iran und plädieren für die Lockerung des Embargos gegen Russland. Gleichzeitig sind sie gegen ein neues Handelsabkommen mit Kanada. Nicht mehr links oder rechts, sondern prinzipiell oder global.

Noch verengender sind die Grünen. Noch provinzieller und paternalistischer. Und noch populistischer als die Populisten sind die, die Populisten als Populisten beschimpfen. Und ebenso populistisch agieren manche Medien, die andere als populistisch bezeichnen und selbst Law and Order nur klammheimlich übertünchen. Urteilszwang ist Folge oder Ausdruck der Verengung. Man wird wohl noch sagen können, dass unter den Migranten vielleicht auch Terroristen sind? So argumentierten die Populisten, gleichzeitig erfolgt die Verbannung des Krampus aus den Märchen, das Verbot von Mohren und das Ausstreichen der Hexe. National darf man nicht sein, dafür ist man regional und heimatverbunden im neuen Sinne.

Facebook und Google agieren mit Bilderverboten, US-amerikanische Colleges warnen vor unmoralischen Ausdrücken in Flauberts „Madame Bovary“ und Emile Zolas „Germinal“ und „Nana“. Sie kommen auf die Zensurliste. Nicht etwa in der Türkei, sondern in den USA. In Großbritannien entledigt sich die Cecil-Rhodes-Stiftung ihres Gründers: Weg mit der Statue vor der Hochschule, die er stiftete. Glücklich ist nur Österreich: Dort ist Marx heilig und Lueger wird durch die Universität ersetzt - straßenbezogen. Dafür hat man die Vergangenheit noch immer nicht aufgearbeitet - wissenschaftlich.

[Jenseits des HORIZONT]

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