Es braucht ‚Social‘-Solidarität

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Die jüngsten IVW-Zahlen aus Deutschland stimmen nachdenklich: Große Zeitungen und Magazine verlieren an Auflage und verkaufen deutlich weniger. Bild am Sonntag rutscht erstmals unter die Millionengrenze, selbst die Landlust – Aufsteiger der vergangenen Jahre – fällt zurück. Die etablierten überregionalen Tageszeitungen verzeichnen schmerzhafte Rückgänge, ein paar Ausreißer ins Positive ändern nichts am wenig erfreulichen Gesamtbild. Die E-Paper-Verkäufe und Paywall-Angebote können die Einbußen nicht kompensieren, obwohl die Bezahlsysteme langsam greifen.

Dass die Werbeeinnahmen seit Jahren sinken, steht auf einem anderen Blatt. Nun überlegen einige Medien, ob sie das Facebook-Angebot, Fakes zu verifizieren und eine Art von journalistischer Kontrolle einzurichten, annehmen. Das spricht weder für Selbstbewusstsein, noch für das Selbstverständnis von Print- und Onlinejournalismus. In Zukunft wird es möglicherweise „Säuberungsredaktionen“ geben, die Rohmaterial für Medien hergeben, die wiederum nichts anderes tun, als Fakes zu entlarven. Das ist absurd.Social Web ist per se nicht social, sondern profitorientiert.

Und unvergleichbar, denn globale Dominanz verhindert regionale Identität. In Zeite, in denen die Großen die Kleinen fressen, benötigen wir einheitliche, transparente und überregionale Tools, um großen Konzernen mit Sitz im Ausland auch Österreich als Werbemarkt näherzubringen. Das „Medium Online“ muss neu vermessen werden. Über diesen Weg könnten die Konzerne nicht nur zu den Onlineangeboten heimischer Medien gelangen, sondern auch den österreichischen Printmarkt neu entdecken – und nutzen.

 Sonst droht uns online, was in Print bereits spürbar ist: Überregionale Kampagnen werden zunehmend nur in großen Märkten gestreut, kleine Märkte wie Österreich drohen aus Media-Plänen gestrichen zu werden. Facebook und Co beschleunigen diese Entwicklung, denn online gibt es keine Grenzen. Im Social Web können Zielgruppen kleiner Märkte ebenso erreicht werden – das Geld aber fließt zu Facebook, das sich als Plattform versteht. Österreichs Medien schauen finanziell durch die Finger, müssen Sparpakete schnüren, Mitarbeiter entlassen, Titel einstellen. Wollen wir das? Sicher nicht. Was wichtig ist: „sociale“ Solidarität.

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